Das war der erste Voguing Ball auf dem Melt 2019

Von Voguing bis Spirit Animals: Die Besucher des ersten Ball in der Geschichte des Festivals standen uns Rede und Antwort.

von Dana Hajek
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25 Juli 2019, 1:37pm

Fotos: Agatha Powa

Am Sonntag war es soweit: Mother Zueira Mizrahi Angels und ihre Crew eroberten die Bühne des The Stainless Steel Ball. Während wir schon im Vorhinein ihre ihre Kids kennenlernen durften, wurden unsere Erwartungen an diesem Wochenende übertroffen: Internationale Tänzer*innen zeigten uns mit stolzen Laufstegposen, selbst designten Metallic-Outfits und noch viel beeindruckender Attitüde, wie viel eigene Persönlichkeit und unvorstellbare Kreativität hinter einer einzigen Performance stecken kann.

Voguing ist ein safe space, ein Zuhause, das vor allem homo- und transsexuellen Menschen die Freiheit gibt in ihrer Schönheit auf der Bühne zu erstrahlen. Und genau das passierte auch an diesem Wochenende. Unter der Moderation von Host Zueira Mizrahi war es geradezu unmöglich, sich in der Menge zurückzuhalten. "Walk, walk and walk" rief die Mother ins Mikro, während Kommentator Maybelline Garçon einen perfekten Beat-Sound imitierte und Ceekay Ninja von No Shade hinter den Decks dazu mischte. In 14 Kategorien wie Face, Runway, Old Way oder New Way traten Tänzer*innen und sogar mutige Zuschauer*innen gegeneinander an.

i-D hat sich mit einigen der Besucher*innen und Teilnehmer*innen über Identität, Festival-Erfahrungen und ein Leben ohne das Tanzen unterhalten.

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Foto: Agatha Powa

Kyle, 'Mr. Manic', 35

Was machst du?
Ich bin Musiker, DJ und Performer.

Was macht das Melt Festival so besonders?
Diversity. Ein breites Spektrum an verschiedenen Künstler*innen aus unterschiedlichen Kulturbereichen. Ich finde es cool, dass sie unseren Drag Space, den Vogue Ball und die Pornceptual mit ins Programm einbezogen haben.

Auf welchen Festival-Tipp vertraust du?
Trink genug Wasser, hol dir eine Sonnenbrille, bleib immer mit deinen Freunden zusammen und pack all deine Sachen in eine einzige Tasche.

Worauf freust du dich am meisten bei The Stainless Steel Vogue Ball?
Auf alle – meine Freunde und die Leute, die ich nicht kenne. Auf die Looks, verschiedenen Körpertypen und Identitäten quer durch das Gender-Spektrum.

@manicus_maximus

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Foto: Agatha Powa

Gifty, 26

Was machst du ?
Ich bin Tänzerin, Choreografin und Moderatorin.

Was war dein erster Kontakt mit Voguing?
Ich hab eine schulische Tanzausbildung in Urban Dance gemacht. Dort habe ich vor gut sechs Jahren Voguing-Tänzer kennengelernt. Natürlich war es mir vorher auch schon bekannt, zum Beispiel durch Madonna-Videos.

Um Voguing ist mittlerweile ein ganzer Hype geworden. Wie findest du das?
Schön, weil die Community in den Vordergrund gerückt wird. Es ergeben sich viele neue Möglichkeiten, nur ist es wichtig den safe space zu erhalten. Leute, die sich einen Ball anschauen, sollten sich vorher mit dem Thema auseinandersetzen.

Was hast du gelernt, seit du damit angefangen hast?
Ich bin ein sehr kurviger Mensch. In der Pubertät war ich etwas übergewichtig und hatte Probleme, meinen Körper schön zu finden. Mittlerweile finde ich ihn top – Voguing stärkt meine Persönlichkeit und mein Selbstvertrauen.

@gifty_mik

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Foto: Agatha Powa

Michiel, 33 Jahre

Was machst du ?
Ich bin Akrobat.

Welcher Song würde deine aktuelle Laune am besten beschreiben?
MAURICE - This Is Acid (A New Dance Craze)

Was fasziniert dich an Voguing?
Wenn du Menschen siehst, die selbstbestimmt mit ihrem eigenen Körper und den Bewegungen umgehen: Diese Stärke und Selbstsicherheit ist magisch.

Voguing bedeutet auch, sich frei zu fühlen. Wann hast du dich das letzte Mal richtig frei gefühlt?
Jedes Mal, wenn ich mich bewege – das ist mittlerweile sehr vom Voguing beeinflusst. Viele von den Bewegungen haben etwas Feminines. Jetzt habe ich doppelt so viele Möglichkeiten.

Wenn du der Welt eine Frage stellen könntest, welche wäre das?
Was ist der Sinn des Lebens?

@michieltangevanleeuwen

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Foto: Agatha Powa

Juliet, 25 und Enrico, 31

Was macht ihr?
Enrico: Ich bin Tänzer und Sänger.
Juliet: Ich bin Sozialarbeiterin. Ansonsten mache ich Eiskunstlauf und skate.

Was ist das Beste daran, im Jahr 2019 jung zu sein?
J: Dass du gerade in Berlin alle Freiheiten hast, dich in deiner Sexualität und Identität komplett selbst zu definieren – und das auch so angenommen wird.
E: Am Ende bedeutet jung sein für alle etwas anderes. Manche sind ab 30 erwachsen, andere ab 40 – einige werden nie erwachsen.

Was macht das Melt Festival so besonders?
J: Definitiv die Location, dieser industrielle Style. Außerdem ist es groß, die Zeltplätze aber trotzdem erreichbar.
E: Es ist ein guter Mix aus kommerziell und ein bisschen Underground – und vielen verschiedenen Musikrichtungen von HipHop bis Elektro und Techno. Es ist für jeden etwas dabei.

Bei Voguing geht es auch darum, stolz und selbstbewusst zu sein. Wann wart ihr das letzte mal so richtig stolz?
E: Ich suche mir immer Punkte im Leben, die sich wie kleine Meilensteine anfühlen – auf die bin ich stolz. Das kann vieles sein: Wenn du dein Abitur oder dein Studium geschafft oder deinen Führerschein gemacht hast. Aber auch bestimmte Aufgaben in der Woche erledigt hast.
J: Für mich sind das selten leistungsorientierte Dinge. Ich bin schon stolz auf mein Studium, aber wenn ich merke ich bin gewachsen, habe mich weiterentwickelt und aus bestimmten Sachen gelernt, empfinde ich das als wirklich wertvoll. Das vergisst man leider viel zu oft.

@enrico_bade
@juliet_we

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Foto: Agatha Powa

Seva, 18

Was machst du?
Ich mache gerade mein Abitur.

Was ist dein Spirit Animal?
Ein Löwe. Das hängt auch damit zusammen, dass ich bei Voguing in der Kategorie Sex Siren das Lion Babe mache. Die Disziplin gibt nicht-binären Menschen die Möglichkeit, ihre Sexualität auszudrücken. Und deswegen identifiziere ich mich mit dem Tier.

Was erwartest du von The Stainless Steel Ball?
Ich bin gespannt auf die Reaktionen der Leute – zu sehen, ob sie geschockt sind. Das ist etwas sehr Neues heute, weil viele Menschen zuschauen, die nicht aus der Szene sind.

Was bedeutet Community für dich?
Unterstützung und Zusammenhalt. Menschen mit den gleichen Problemen und Zielen.

Ohne Tanzen wäre das Leben…
überfordernd.

@sevaquinn

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Foto: Agatha Powa

Fraiyah, 25 und Dennis, 28

Was macht ihr?
Fraiyah: Ich arbeite in einer Recruitment Company.
Dennis: Ich bin Grundschullehrer.

Auf welchen Act freut ihr euch am meisten?
F: Honey Dijon und The Black Madonna
D: Bon Iver und Modeselektor.

Beschreibt eure diesjährige Festival-Erfahrung in einem Satz.
D: Let it go! Mach dich frei von allen Sorgen – und zwar das ganze Wochenende.
N: Sei, wer du sein willst. So cheesy, aber wahr.

Was findet ihr so faszinierend an Voguing?
D: Dass du keinen Fuck gibst, wer dir zuschaut oder was Menschen darüber denken. Du kannst all deine Gefühle über das Tanzen zum Ausdruck bringen. Es ist ein Ort der Freiheit, aber gleichzeitig auch ein Wettbewerb.
F: Die Attitüde. Die Leute geben einfach alles. Es wird nichts zurückgehalten. Niemand kann dich stoppen.

@fraiyah

Vielen Dank an Polaroid Originals, Ace & Tate und Fitz & Huxley für die Goodie Bags der Gewinner.