Foto: Nicola Powell

Das passiert, wenn man Fotografinnen einen Film und eine Sonnenbrille in die Hand drückt

Juule Kay

Juule Kay

Fünf junge Kreative erzählen uns in einem Bild, was sie mit John Bergers berühmten Satz "seeing comes before words" verbinden.

Foto: Nicola Powell

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte ist einer dieser Sätze, die wir in unserem Leben mindestens genauso oft gehört haben wie gut gemeinte Ratschläge unserer Eltern. Nicht nur Kurt Tucholsky, von dem dieses berühmte Zitat stammt, sondern auch der britische Schriftsteller und Kunstkritiker John Berger hat sich in seiner TV-Serie und seinem Buch Ways of Seeing mit versteckten Denkweisen in visuellen Bildern beschäftigt.


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"Nachdem ich mir John Bergers Dokumentation nochmal angesehen habe, habe ich mir viele Gedanken über meine eigene Wahrnehmung gemacht, was sie für meine Fotos bedeutet und warum ich Dinge auf eine bestimmte Art und Weise zeigen möchte", erklärt Nicola Powell, deren Arbeiten vor Kurzem in der Ausstellung Ways of Seeing im VIU Store in München zu sehen waren. Gemeinsam mit vier Freundinnen hat sie sich von Bergers Klassiker inspirieren lassen und zeigt uns, was dabei herauskommt, wenn fünf Kreative mit einem Analogfilm und einer Sonnenbrille herumspielen:

"Ich beherrsche keine Sprache perfekt, deswegen habe ich mich dafür entschieden, in Bildern statt in Worten zu sprechen." – Joanna Schröder

"Ich bin schlecht mit Worten. Die Fotografie ist für einen Legastheniker wie mich, die natürliche Art zu kommunizieren. Schon seit ich 11 war, wollte ich Dinge fotografieren. Ein Bild regt für mich die linke und rechte Hälfte des Gehirns an, auch wenn es normalerweise schwierig ist, beide zu vereinen." – Farrah Hammadou

"Ich habe alle meine Bilder in Belgrad aufgenommen, ein Ort, der viele Gefühle in mir auslöst, die aber schwer in Worte zu fassen sind. Gefühle zu beschreiben, bedarf einer sachten Herangehensweise, man löst die Fäden eines komplexen Teppichs auf und versucht, diese farblich zu trennen. Mit der Kamera ist es einfacher: Man folgt dem Fingerspitzengefühl. Intuitiv legt sich die Linse auf einen Moment, den man festhalten, einrahmen, ausgliedern und unvergessen machen möchte." – Kristina Jovanovic

"Es ist nicht immer das Einfachste für mich, die passenden Worte im jeweiligen Moment zu finden. Stattdessen mache ich Fotos. Dadurch kann ich die Dinge verstehen, die ich jeden Tag um mich herum sehe. Worte kommen erst später und können den Moment zu etwas anderem machen. Ein Foto ist meine Reflexion zu genau diesem einen Zeitpunkt." – Nicola Powell

"Ich versuche, ein Foto zu machen, das nur mir gehört, weil niemand die gleiche Sache auf die selbe Art und Weise gesehen hätte. Ich beobachte gerne und schaue mich überall um, egal wohin ich gehe. Ich mag es, kleine Details zu bemerken und Leute darauf aufmerksam zu machen. Trotzdem haben wir alle einen anderen Blick auf die Dinge. In diesem Sinne kommt das Sehen für mich immer vor den Worten, auch wenn wir sehr wohl ohne Worte sehen können – und hier kommt die Fotografie ins Spiel." – Nina Byttebier