Casey Steffens und Mariah Winter. Fotos: Jingyu Lin.

9 Fotoassistentinnen erklären, wie dir der Durchbruch gelingt

Diese Frauen erzählen von Diskriminierung, teilen ihre schönsten Erinnerungen und geben dir Tipps, um in der von Männern dominierten Branche etwas zu reißen.

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11 Februar 2019, 10:47am

Casey Steffens und Mariah Winter. Fotos: Jingyu Lin.

In einer Zeit, in der wir in allen Branchen für Gleichberechtigung kämpfen, scheint die Fotografie ein Berufsfeld zu sein, in der sie noch nicht wirklich angekommen ist. Besonders bemerkbar macht sich das, wenn du als Fotoassistent arbeitest. Häufig kommt es vor, dass Frauen am Set anders behandelt werden als ihre männlichen Kollegen. "Objektivierung widerfährt nicht nur Frauen vor der Kamera", sagt Model und Fotografin Allison Brooks. "Es ist ein Problem, das in der ganzen Fotoindustrie auftaucht."

i-D hat mit neun Fotoassistentinnen gesprochen, die ihre persönlichen Erfahrungen teilen.

Allison Brooks by Jingyu Lin
Allison Brooks. Foto: Jingyu Lin.

Allison Brooks, 24

Für welche Fotografen hast du bereits assistiert?
Charlotte Wales, Jason Kibbler, Rebekah Campbell und Jordan Hemingway.

Gibt es ein Erlebnis am Set, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ich weiß noch, wie ich mir einen abgeschwitzt habe, als ich durch die Gegend gerannt bin, um nach Licht und Verlängerungskabeln zu suchen. Als ich eine riesige Leiter hochgeklettert bin und mir selbst immer wieder gesagt habe, dass ich keine Höhenangst habe. Die vielen Stunden, die ich damit verbracht habe, Fotografen zu mailen und viele von ihnen nie geantwortet haben. Oder die Wochen, die ich nicht gearbeitet und mich gefragt habe, wie ich meine Rechnungen bezahlen soll – und trotzdem habe ich mich geweigert, einen "echten" Job anzunehmen. Auch wenn das Assistieren auf Freelance-Basis unglaublich frustrierend sein kann, hat mich das nicht entmutigt. Es hat mir beigebracht, nie aufzugeben und ist ein Reminder, warum ich nach New York gezogen bin: um mich selbst zu pushen und für einen großen Traum zu kämpfen.

Bester Tipp?
Sei dir deines Werts bewusst! Sprich an, wenn du dich unwohl fühlst, bleib dran. Fordere ein, was du willst – es wird dir niemand etwas in den Schoß werfen.

@thegirlonthebike_

Ally Chen by Jingyu Lin
Ally Chen. Foto: Jingyu Lin.

Ally Chen, 23

Glaubst du, dass du als Frau Nachteile in diesem Job hast?
Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich selbst bisher keine erlebt habe. Aber es gab Momente, in denen ich für die Stylistin oder den Make-up Artist gehalten wurde (was natürlich nichts Schlechtes ist). Aber es ist interessant, dass Leute immer noch denken, Frauen könnten nicht in "Männerberufen" arbeiten.

Gibt es ein Erlebnis am Set, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Als wir Kylie Jenner fotografiert haben.

Bester Tipp?
Bring deine Ideen weiter, indem du sie aussprichst. Hab' keine Angst, Fotografen auf Instagram zu schreiben, um sie zu fragen, ob du ihnen behilflich sein kannst.

@alsnchn

Amelia Hammond by Jingyu Lin
Amelia Hammond. Foto: Jingyu Lin.

Amelia Hammond, 24

Wie hat alles bei dir angefangen?
Ich habe vor gut einem Jahr mit dem Assistieren begonnen, als ich von New York nach Paris gezogen bin. Ich habe den ganzen Fotografen, die ich bewundere, eine Email geschrieben, um zu fragen, ob sie gerade jemanden suchen. Ich habe ein paar Antworten bekommen und dann lief alles über Empfehlungen.

Glaubst du, dass du als Frau Nachteile in diesem Job hast?
Ja und nein. Ja, weil ich das Gefühl habe, dass die Leute denken, ich wüsste nicht, wovon ich rede. Außerdem fühle ich mich manchmal eingeschüchtert, wenn ich eine Frage habe. Fast so als hätte ich Angst zu fragen, damit es nicht so aussieht, als bräuchte ich Hilfe. Und nein, weil ich mich sehr glücklich mit den Teams schätzen kann, mit denen ich bis jetzt zusammengearbeitet habe. Da waren eine Menge Frauen-Crews dabei!

Bester Tipp?
Falls du dir unsicher bist, ob du Fotografie studieren solltest ... mach's nicht! Ein Praktikum bei einem Fotografen wird dir so viel mehr bringen. Hab' keine Angst, anderen Assistenten Fragen zu stellen. Und vergiss nicht, an deinen eigenen Fotos zu arbeiten.

@ahammond06

Austin Sandhaus by Jingyu Lin
Austin Sandhaus. Foto: Jingyu Lin

Austin Sandhaus

Mit welchen Fotografen hast du bereits zusammengearbeitet?
Unter anderem mit Danielle Levitt, Paola Kudacki, Simon Burstall, Katie McCurdy und Andrew Jacobs.

Glaubst du, dass du als Frau Nachteile in diesem Job hast?
Nein, ich finde es sehr empowering als Frau am Set.

Bester Tipp?
Sei sorgfältig, wachsam und charmant. Leg' dir eine dicke Haut zu, aber trag' Handschuhe, wenn deine Haut soft bleiben soll.

@ausybaus

Casey Steffens by Jingyu Lin
Casey Steffens. Foto: Jingyu Lin.

Casey Steffens, 22

Mit welchen Fotografen arbeitest du besonders gerne zusammen?
Ich arbeite hauptsächlich für Anne Menke. Und das schon seit fast zwei Jahren.

Glaubst du, dass du als Frau Nachteile in diesem Job hast?
Ich habe nie irgendwelche Nachteile am Set gespürt und kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich bis jetzt nur mit Menschen zusammengearbeitet habe, die mich immer gleichwertig behandelt haben. Als ich angefangen habe, haben mir viele Leute einfach nicht zugehört ... aber ich hatte das Gefühl, das lag mehr an meinem Alter als an meinem Geschlecht.

Bester Tipp?
Arbeite hart und sei dir bewusst, was du dir wert bist. Ich fotografiere lieber Editorials für 100 Euro und ohne Mittagessen als ein E-Commerce Shooting in einem dunklen Studio. Jede ist da anders.

@caseysteffens

Ligeia Moltisanti by Jingyu Lin
Ligeia Moltisanti. Foto: Jingyu Lin.

Ligeia Moltisanti, 28

Wie hat alles angefangen?
Meinen ersten bezahlten Job als Fotoassistentin bekam ich mit 15. Jahre später bin ich dann in den Fotografen Simbarashe Cha in New York gelaufen. Er hat mich fotografiert, weil ich ein paar Jazz Platten mit mir herumgetragen habe und das Licht so schön war. So haben wir uns angefreundet und er hat mir fast alles beigebracht, was ich über Fotografie weiß.

Glaubst du, dass du als Frau Nachteile in diesem Job hast?
Ich glaube, dass ich ungewöhnlich professionelle Erfahrungen als Assistentin hatte. Ich habe immer für Menschen gearbeitet, die mich zutiefst respektierten. Es ist die einzige Industrie, in der ich keinen Sexismus erfahren habe, sondern aufrichtiges Teamwork.

Bester Tipp?
Studiere die Arbeiten und Referenzen der Leute, die du bewunderst, bis ins kleinste Detail. Baue zumindest eine bedeutungsvolle kreative Beziehung zu einem anderen Fotografen auf – am besten jemandem mit mehr Erfahrung.

Elizabeth Stemmler by Jingyu Lin
Elizabeth Stemmler. Foto: Jingyu Lin.

Elizabeth Stemmler, 27

Mit welchen Fotografen hast du bereits zusammengearbeitet?
Ein paar Namen wären Sacha Maric, Alique, Martin Schoeller, Ryan McGinley, Lara Jade, Christian Hogstedt und Tawni Bannister.

Gibt es etwas, das dir bis heute in Erinnerung geblieben ist?
Eine Erinnerung, die mich immer zum Lachen bringt, passierte in Alicante, Spanien. Es war Nebensaison und die ganze Stadt inklusive des Hotels waren super leer. Überall spielte diese Weihnachtsmusik in Dauerschleife. Es hat sich wirklich angefühlt wie in einem Paralleluniversum.

Bester Tipp?
Arbeite dir den Arsch ab. Es wird sich auszahlen, wenn du alles gibst und kein "Nein" als Antwort akzeptierst.

Mariah Winter by Jingyu Lin
Mariah Winter. Foto: Jingyu Lin.

Mariah Winter, 26

Seit wann assistierst du schon?
Seit vier Jahren.

Glaubst du, dass du als Frau Nachteile in diesem Job hast?
Am Anfang habe ich das gemerkt. Bis ich gecheckt habe, dass jeder, der eine Frau am Set anders behandelt, weil sie eine Frau ist, ein Problem mit sich selbst und nicht mit ihnen hat. Jeder, der keine Frau einstellt, "weil sie nicht gut genug anpacken kann" oder aus was für einem Grund auch immer, ist vermutlich jemand, mit dem ich so oder so nicht zusammenarbeiten wollen würde.

Bester Tipp?
Du solltest so viel wie möglich über die Technik Bescheid wissen – und finde die Leute, mit denen du du selbst sein kannst.

@mariah__winter

Marion Grand by Jingyu Lin
Marion Grand. Foto: Jingyu Lin.

Marion Grand, 27

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe acht Jahre lang assistiert. Angefangen hat alles in Paris, dort habe ich in einem Studio gearbeitet, in dem ich viel über die Modeindustrie gelernt habe. Mittlerweile fotografie ich E-Commerce für Louis Vuitton, aber immer noch in demselben Studio.

Glaubst du, dass du als Frau Nachteile in diesem Job hast?

Es ist auf jeden Fall eine größere Herausforderung, deinen Weg zu finden. Aber sobald du ein paar Leute kennengelernt und dich vernetzt hast, wird es ein bisschen einfacher. Am Anfang musst du aber sicher dreimal so hart arbeiten wie Männer, um zu beweisen, dass du genau so viel drauf hast ... wenn nicht sogar mehr.

Gibt es eine ganz besondere Erinnerung aus deiner Zeit als Fotoassistentin?
Ich war bei wirklich coolen Jobs, habe ganz tolle Menschen kennengelernt und bin an Orte gereist, die ich sonst wahrscheinlich nie gesehen hätte. Ich versuche, jeden Tag unvergesslich zu machen.

Bester Tipp?
Lächle, sei höflich und pünktlich – und vergiss nicht, Spaß zu haben!

@marioncgrand

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.