wie fühlt es sich an, wenn m.i.a. deine mentorin ist?

Wir haben die aufstrebende Rapperin Tommy Genesis aus Kanada zum Gespräch getroffen und ihr genau diese Frage gestellt.

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30 März 2017, 12:56pm

Wir Millennials haben ein Problem: Wir haben dank des Internets Zugang zu so ziemlich jeder Information, nach der wir suchen, fühlen uns dank Social Media mit Menschen auf der anderen Seite der Welt verbunden und können uns dank diversen YouTube-Tutorials so ziemlich jede Fähigkeit aneignen bzw. es wenigstens versuchen. Und dennoch ist da manchmal diese Leere, die sich nicht füllen lässt, dieser Wunsch nach einer echten, greifbaren Person, die einem Ratschläge gibt und einem durch ihre weisen Worte in ewig langen Gesprächen auf neue Gedanken bringt. Hat man dann einmal einen solchen Mentor gefunden, sollte man am besten einfach nur still dasitzen und zuhören, meint auch Tommy Genesis, die in M.I.A. ihre kreative Leitfigur gefunden hat. Tommy ist Teil des HipHop-Kollektivs Awful Records aus Atlanta und bringt mit ihrem ganz eigenen Sound, gepaart mit ihrer Scheiß-drauf-Attitüde, die Musikwelt gerade gewaltig ins Wanken. Auch wenn sie normalerweise ein wahnsinniges Selbstbewusstsein versprüht, wird sie auf ihre Mentorin angesprochen, doch etwas schüchtern. „Ich habe am Anfang kein Wort herausgebracht", beschreibt sie ihre erste Begegnung. Was sie von M.I.A. gelernt hat und wie die Zusammenarbeit zwischen den beiden ausgesehen hat, hat sie uns im Interview im Zuge des Launchs des ersten Teils der neuen #mbcolletive Modekampagne von Mercedes Benz, für die die beiden gemeinsam vor der Kamera standen, letzte Woche in London verraten. 

Kannst du dich daran erinnern, was du gedacht hast, als du M.I.A zum ersten Mal gesehen hast? 
Ich dachte mir: „Wahnsinn, du bist wunderschön!" Ich war am Anfang super nervös und sie war hat mir die ganze Nervosität ziemlich schnell genommen. Ich hab mich dann ziemlich schnell wohl gefühlt. Sie ist die coolste Person. Wir haben uns ewig unterhalten. Sie wollte alles über mich wissen, das war eine der interessantesten Unterhaltungen, die ich jemals geführt habe. 

Hattest du vorab irgendeine Frage, die du ihr unbedingt stellen wolltest? 
Ich bin nicht wirklich jemand, der Fragen stellt. Wenn mir jemand etwas erzählen will, dann wird er es mir erzählen. Und wenn nicht, dann geht es mich nichts an. Wenn ich so zurückdenke, glaube ich, dass ich ihr keine einzige Frage gestellt habe. 

Wie würdest du eure Zusammenarbeit beschreiben? 
Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wir haben viel gelacht und herumgeblödelt. Es hat sich wie ein Traum angefüllt, in dem man einen Tag mit seinem Idol gewinnt. 

Was hast du von M.I.A. lernen können? 
Das ist schwierig zu sagen. Ich habe durch die ganze Erfahrung einiges gelernt, ich werde dir jetzt aber nicht im Detail erzählen, worüber wir gesprochen haben. Das war privat. Ich bin der festen Überzeugung, dass es bestimmte Menschen gibt, die man im Leben treffen wird, die einem, egal was sie sagen oder tun, etwas mitgeben. Es geht also nicht wirklich um diese eine Sache, die sie einem gesagt haben. Von einer Person, die für so viel steht und die alles erreicht hat und die ihren eigenen Weg gegangen ist, ohne sich verbiegen zu lassen, umgeben zu sein und alles aufzusaugen — darum geht es doch. M.I.A. hat eine Bewegung gestartet. Was sie mir wirklich gezeigt hat, ist, dass man für die Person, die man wirklich ist, anerkannt werden kann. 

Stell dir vor, du würdest in M.I.A.'s Körper aufwachsen. Was würdest du als erstes machen? 
Ich weiß nicht, ob ich wirklich sie sein will, weil ich einfach mit ihr abhängen will. Macht das Sinn? Wenn man sich ihr Leben und ihre Karriere ansieht, was sie für ihre Community getan hat und für welche Dinge sie steht: Man kannt nicht einfach aufwachen und diese Person sein. Ich habe so viel Respekt für sie, deshalb könnte ich nie sie sein.

Hat sich seit ihr zusammengearbeitet habt, etwas in der Art, wie du arbeitest, verändert? 
Viele Dinge, über die wir besprochen haben, haben gewisse Gedankengänge ausgelöst, die dann natürlich wieder meine Musik beeinflussen. Ich sitze am liebsten nur da und höre zu, ohne, wie vorher schon gesagt, Fragen zu stellen, weil ich dann ja den Gesprächsverlauf vorgeben würde und das will ich nicht. 

Hier kannst du dir den ganzen Film anschauen. 

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Fotos: Luke Gildford