nach dem burkini-vorfall in frankreich spricht jetzt die designerin

Die Fotos einer Muslimin, die sich am Strand von Nizza öffentlich entkleiden musste, sorgten für Empörung. Der Burkini sollte eigentlich zur Integration beitragen, so die Designerin.

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25 August 2016, 9:10am

Vor zehn Tagen hat Frankreich ein Burkini-Verbot verhängt. Seitdem werden an den Stränden Polizei-Kontrollen durchgeführt, die für allgemeine Empörung sorgen. Besonders das Foto einer Muslimin, die am Strand von Nizza von vier männlichen Polizisten dazu gezwungen wurde, sich unmittelbar und vor allen ihre Bluse auszuziehen, wurde zum Symbol der kontroversen Debatte. Es ist paradox: Während Frauen in arabischen Ländern dazu gezwungen werden, sich zu verhüllen, werden sie in Frankreich jetzt dazu gezwungen, sich zu entblößen.

Von Seiten der französischen Polizei heißt es zur Begründung, dass der Zugang zum Strand zukünftig denjenigen verwehrt wird, die dort Kleidung tragen, die „nicht den moralischen und weltlichen Ansprüchen entspricht." Der Bürgermeister von Cannes, der ebenfalls ein Verbot eingeführt hat, fügt laut BBC hinzu hinzu: „Jetzt, wo Frankreich und verschiedene Gebetsstätten Ziele terroristischer Angriffe sind, kann Bademode, die ganz demonstrativ auf eine religiöse Zugehörigkeit hindeutet, eine Störung der öffentlichen Ordnung darstellen."

Jetzt meldet sich erstmals Aheda Zanetti, eine australische Designerin mit libanesischen Wurzeln zu Wort. Zanetti hat den Burkini für die muslimische Frau entworfen, die Meldungen über die Verbote und die harschen Vorgehensweisen der Exekutive empören sie zutiefst: „Es tut mir so leid für die Frauen, die davon betroffen sind. Der Burkini sollte zur Integration beitragen und Menschen näher zusammen bringen. Ich wollte den Frauen die Freiheit geben, dass sie sich für moderne Kleidung entscheiden können, wenn sie das wollen. Eigentlich sollte der Burkini eine Möglichkeit für muslimische Frauen sein, sich wohl zu fühlen, aber jetzt schlägt es in das genaue Gegenteil um. Das sollte nicht passieren."

Zudem merkt Zanetti an, dass nur 60% ihrer Käufer muslimisch sind, alle anderen verhüllen sich aus anderen, nicht-religiösen Gründen. „Ich dachte mein Badeanzug ist eine Mischung aus einer Burka und einem Bikini, weil er auch aus zwei Teilen besteht. Aber Burkini, das ist doch nur ein Wort, es hat nichts damit zu tun, dass es für den Islam oder eine muslimische Frau steht, und vor allem symbolisiert es keinen Terror, sondern Freiheit und Komfort, Gesundheit und Fitness. So sollte ein Burkini gesehen und verstanden werden."

Was ihre Verkaufszahlen betrifft, so muss sich Zanetti—bislang—keine Sorgen machen. In einem Interview mit BBC erzählte sie stolz, dass sich die Anzahl der eingehenden Bestellungen um mehr als verdoppelt haben. 

Credits


Text: Lisa Leinen
Foto: via WWD