Anzeige

matt lambert erkundet in zusammenarbeit mit grindr die bedeutung von safe spaces

„In großen Städten wie London, Berlin, L.A., New York ist es leicht, das aus den Augen zu verlieren. Aber wenn man in kleinere Städte geht, wird man feststellen, dass Orte wie diese buchstäblich das Einzige sind, was LGBT-Menschen haben, der einzige...

von Alexandra Bondi de Antoni
|
20 Dezember 2016, 12:10pm

Es ist Samstagabend in einer versteckt liegenden Villa nicht unweit vom Alexanderplatz entfernt. Zwischen den gut bürgerlichen Häuserschluchten liegt der Veranstaltungsort von Matt Lamberts Buch-Launch. Home ist eine Zusammenarbeit des Fotografen Schrägstrich Filmemachers mit Grindr. An einem Abend mit gesetztem Dinner, Liveshow, exklusiver Preview und anschließender, rauschender Party soll nun gefeiert werden. „Ich wurde schon vor einer ganzen Weile von Grindr angesprochen, um ein Projekt mit ihnen umzusetzen. Irgendwie entwickelten sich unsere Gespräche zu dem Punkt, wo wir sagten: Lass uns ein Buch machen. Die ersten Gespräche fanden direkt nach der Schießerei in Orlando statt. Die Diskussionen darüber, wie wichtig Schwulenbars für die Community sind, wurden immer lauter. Daraus ist nun Home entstanden, wir wollten die Bedeutung dieser safe spaces erkunden", erzählt Matt. 

In Home erzählen junge Männer ihre ganz persönliche Geschichte mit ihren safe spaces, die sie online finden. Das Vorwort wurde von niemand Geringerem als Bruce LaBruce geschrieben, der darin auf die Geschichte dieser Orte eingeht, und Studio Yukiko, die auch hinter dem Design von Flaneur und Sofa stecken, haben das Layout übernommen. Bevor Matt, der ab nächstem Jahr als Commission-Director für die neue Content-Plattform der App tätig sein wird, heute Abend im Store im Soho House in Berlin zur Signierstunde einlädt, haben wir ihm ein paar Fragen über das Projekt gestellt und zeigen dir einen ersten Einblick in das Buch. 

Erzähl mir ein bisschen etwas über Home.
Nach der Schießerei im Puls Nightclub in Orlando wurden die Diskussionen über die Wichtigkeit von Schwulenbars und safe spaces immer lauter. Wenn du nicht selbst auf die Straßen gegangen bist, dich unwohl gefühlt hast und deine Sexualität nicht ausdrücken konntest, wirst du die Bedeutung dieser safe spaces nicht verstehen. In großen Städten wie London, Berlin, L.A., New York ist es leicht, das aus den Augen zu verlieren. Aber wenn man in kleinere Städte geht, wird man feststellen, dass Orte wie diese buchstäblich das Einzige sind, was LGBT-Menschen haben, der einzige Ort, an dem sie sie selbst sein können.

Wie hast du diesen Gedanken dann in Buchform gebracht? 
Ich habe begonnen, Leuten die sehr einfach wirkende Frage: „Was ist dein safe space?" zu stellen. Wenn man auf die Geschichte von Homosexualität zurückblickt, versteht man erst, wie wichtig diese Räume immer waren. Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, sind alle in ihren Zwanzigern und für sie war dieser Ort nunmal online. Online konnten sie zum ersten Mal eine intime Konversation führen und sich so zeigen, wie sie wirklich sind. Es ist diese lockere Verbundenheit, die zu einem Gefühl von Verbundenheit führen kann. Es geht mehr um Intimität als um Sex und ich hoffe, dass es irgendwie liebenswerter und persönlicher als meine bisherigen Arbeiten ist. Wir haben uns so viel Mühe gegeben. Das Projekt ist etwas ganz besonderes für mich. 

Heißt das Buch deshalb auch Home? Weil diese Online-Communitys wie ihr Zuhause sind? 
Zuerst wollte ich es Home is where I lay my head nennen, doch das war zu lang. Ein Freund von mir, Moonshine, hat das mal zu mir gesagt. Zuhause ist für mich der Platz, wo ich mich wohlfühle, ein Ort, mit dem ich tief verbunden bin. Es geht eher um das Gefühl, das ich mit diesem Platz verbinde. Zuhause ist so ein persönlicher und relativer Begriff. Du kannst zu Hause sein und nicht zu Hause sein. Deshalb geht die LGTBQ-Jugend online und findet das Gefühl der Sicherheit. Man fühlt sich vielleicht willkommener in diesem digitalen Raum. Wir wollten mit dieser Relativität von Home spielen, was es eigentlich bedeutet oder was es bedeuten kann. 

Im Vorwort schreibst du über ungebundene Intimität. Warum denkst du, dass diese im Mainstream oftmals immer noch ein solches Tabu ist? 
Vor allem bei schwulen Männern gibt es diese sehr verschwommene Linie zwischen Freund und Sexualpartner, diese Idee einfach zusammen abzuhängen und gleichzeitig auch Sex zu haben ... Ich denke, dass einige straighte Leute diese sowohl on- als auch offline Erforschung der Sexualität und ungebundene Intimität einfach nicht verstehen. Menschen haben das Verlangen, alles definieren zu wollen, und diese verschwommene Linie, die ich gerade schon erwähnt habe, ist im Grunde etwas, was man nicht benennen kann. All diese Etiketten und dieses Benennen-Wollen können sich in den Weg der Freude stellen, die mit dieser Art von Freiheit kommt. Das kann diese Leute dann vielleicht verunsichern, weil es nicht zu dem passt, was sie sich unter einer heteronormativen Beziehung vorstellen. 

Gibt es etwas, was die Fotografierten alle verbunden hat? 
Einige Geschichten sind wirklich magisch, einige sind irgendwie banal, irgendwie langweilig sogar. Aber das ist eben so—wie das Leben eben auch ist, deshalb macht es das ganze Buch so ehrlich und wahr. 

Erinnerst du dich noch an deine erste Grindr-Konversation oder Hook-Up?
Ich erinnere mich nicht wirklich an das erste Hook-Up, aber ich erinnere mich an die erste Konversation. Der Gedanke daran, dass so ein Medium wirklich existiert, war irgendwie verrückt. Es hat sich fast schon gefährlich angefühlt damals und jetzt ist es das Normalste der Welt. 

Wie hast du diese Transformation miterlebt? 
Es hängt wirklich davon ab, wo du bist und wie deine Realität aussieht. Virtuelle Welten können deine physische Existenz verstärken oder im Gegensatz zu dem stehen, wer du offline bist. Während ich in meiner Community eine Verschiebung von Slut-shaming zur Sex-Positivität sehe, gibt es ein Gefühl der Angst und Zensur, die zu Homophobie und Angst führt. 

@dielamb

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Fotos: Matt Lambert