i-d und das berlin fashion film festival 2015

Miranda July für Miu Miu, CANADA und ihr Creme Caramel oder so ziemlich alles, was Nick Knight produziert hat - Modefilme sind wie der Zucker im Tee, die Butter auf dem Brot und aus der Modebranche nicht mehr wegzudenken. Am 5. Juni hast du im Rahmen...

von Alexandra Bondi de Antoni
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04 Mai 2015, 8:55am

Still von Creme Caramel von Canada

Dass Modehäuser ihre Kollektionen nicht mehr nur in Form einer reinen Catwalk-Show präsentieren, ist nichts Neues. Modefilme sind wie der Zucker im Tee, die Butter auf dem Brot - sie runden die Kreationen ab und können sie um eine weitere Ebene erweitern. Durch Musik, dem richtigen Cast und einer echten Storyline kann eine Geschichte erzählt werden, die die Kleidung in ein neues Licht rückt.

Am 5. und 6. Juni haben die Besucher im Rahmen des Berlin Fashion Film Festivals die Möglichkeit, nicht nur eine großartige Auswahl von den besten der besten Modefilme zu sehen, sondern auch in den Begleit-Talks Brancheninsider zu hören, wenn sie Geschichten über das Business erzählen. Bei der Filmauswahl ist von unbekannten Filmemachern bis hin zu den Größten der Branche alles dabei. So kommt es vor, dass der im Hinterhof geschossene Film vor der großen teuren Dior-Produktion gezeigt wird. Das macht das Festival auch so interessant. Niemand wird auf ein Podest gehoben, es zählt die Qualität und nicht der Name oder vermeindlicher Fame. Genau deshalb ist es i-D eine große Freude, dieses Jahr Teil der Jury des Berlin Fashion Film Festivals zu sein und auch einige unserer Filme während des zweitägigen Festivals zu zeigen. Ganz nach unserem Motto: „Originate, don't imitate". Wir schätzen die Mischung aus jungen Talenten und alten Meistern - eine Strategie, die i-D selbst seit Jahren verfolgt.

Weil wir mehr wissen wollten, haben wir die Festival-Organisatoren Frank Funke und Lisa Filippini vorab zum Interview gebeten.

Das „Berlin Fashion Film Festival" geht dieses Jahr in die dritte Runde. Könnt ihr mir erzählen, wie alles begonnen hat?
Frank: Ich bin selber Filmemacher. Lisa und Niko kommen aus der Mode. Als wir starteten, war das Thema „Fashion Film" noch sehr unbekannt in Deutschland. Ich hatte das Feld für mich entdeckt und dachte, da hat man Möglichkeiten, als kleiner Fisch etwas zu holen. Die Modemacher in Berlin waren jedoch noch sehr kritisch. Immer, wenn du mit dem Begriff „Fashion Film" gekommen bist, kam als Antwort: „Was? Du willst also ein Making-Off von dem Shoot oder der Show machen?" Das war Ende 2011. Ich wollte mit dem Event den Marken zeigen, was alles möglich ist. Über einen Dritten wurden wir dann zusammengeführt und haben innerhalb von einem Monat das Festival auf die Beine gestellt. Wir hatten damals schon 200 Einreichungen und es wurde ein voller Erfolg.

Was hat sich seitdem verändert, also allgemein, aber auch wie ihr das Genre des Modefilms seht?
Frank: Die Qualität der Einreichungen hat sich gesteigert. Die Filme sind handwerklich besser gemacht. Wir haben tolle Sachen bekommen. Anfänglich waren es viele Filme, die so auf die Art „Hübsches Mädchen läuft in hübschen Klamotten durch den Wald und das dann mit hübscher Musik unterlegt." Jetzt erzählen viele Filme tolle Geschichten. Gott sei Dank!

Hat sich das Publikum verändert?
Frank: Unser Publikum hat das Festival von Anfang an sehr positiv aufgenommen. Ich würde nicht sagen, dass es sich verändert hat. Aber was sich deutlich verändert hat, ist die Zielgruppe. Die Leute, die mitmachen, meinen es ernst. Wir zeigen ganz viele Newcomer, die kein riesiges Budget im Rücken haben und stellen sie aber, wenn die Qualität ihrer Arbeiten passt, auf eine Stufe wie etablierte Filmemacher, die für große Brands arbeiten. Wenn der Film cool ist, läuft er bei uns. Professionelle sind auf gleicher Augenhöhe wie der Typ, der im Hinterhof mit einer Canon 5D die Kollektion seiner Freundin in Szene setzt.

Worauf achtet ihr bei der Auswahl der Filme? Was fesselt euch?
Frank: Wie schon gesagt, die Qualität des Schnitts, Mood und so weiter. Filme können auch trashig sein, aber es muss bewusst trashig sein. Am wichtigsten ist, dass Gefühle getriggert werden. Die Filme müssen etwas in mir auslösen. Die Mischung aus großen und kleinen Namen ist auch wichtig.

Muss es dann eigentlich um die Mode gehen?
Lisa: Eigentlich ist die Mode nicht so wichtig. Klar sind es Modefilme, aber wie schon gesagt, es geht ums Ganze. Storytelling ist das A und O. Es geht nicht darum, wie viele Teile von zum Beispiel Dior vorkommen. Es geht um's Gesamtpaket, die Ästhetik.
Frank: Letztlich ist es Content, der mehr über die Werke der Marke erzählt, als um die Produkte der Marke. Die Kunden sollen in die Labelwelt eingebunden werden. Ein guter Modefilm, in dem es um die Werte geht, ist letztendlich zeitlos.

Habt ihr persönliche Favoriten?
Frank: Ich finde die Arbeiten von Justin Anderson super. Er hat schon oft etwas bei unserem Festival gezeigt und auch zweimal gewonnen. Seine Filme sind sehr düster, aber gleichzeitig sehr menschlich und witzig. Mein Favourite ist Jumper.
Lisa: Matthew Frost, der unglaublich ironische Modefilme produziert. Dieses Jahr ist er auch beim Festival dabei. Kirsten Dunst in Aspirational ist einfach super. Er bringt es auf den Punkt.

Was haltet ihr allgemein von der Berliner Mode?
Lisa: Die Berliner Designer denken, sie sind die Größten und hören nicht zu. Das Miteinander ist sehr schwierig. Während des Festivals wird es eine Performance geben, die genau auf das anspielt. Ihr könnt gespannt sein!
Frank: Wie in vielen anderen Bereichen kann man auch in Berlin sagen, dass diese Metropole keine Stadt ist, um mit Mode Geld zu verdienen: Viele probieren sich aus, aber wenige bekommen es auf die Reihe, auch internationale Erfolge zu feiern. Sie sehen nicht, dass man auch einen gewissen finanziellen Erfolg haben muss, um zu überleben. Das ist aber nicht nur in der Mode so, sondern ein allgemeines Berliner Problem. Der Druck, Geld zu verdienen, ist so gering, deshalb muss man sich nicht wirklich anstrengen, um ein gutes Leben zu haben.

Was erwartet die Besucher beim Festival?
Frank:
Inspiration und ein tolles Miteinander. Die Stimmung in den letzten Jahren war immer der Wahnsinn.
Lisa: Alles ist unglaublich am Boden geblieben. Niemand ist arrogant. Wir sind wie eine Familie. Es gibt keine VIPs. Egal, wer du bist, du bist willkommen.

Und worauf freut ihr euch persönlich am meisten?
Frank: Das Programm ist dieses Jahr unglaublich vielfältig. Außerdem wird es zum ersten Mal Talks mit interessanten Brancheninsidern geben. Ich will auch niemanden hervorheben, alles hat seine Berechtigung.

Das Berlin Fashion Film Festival findet am 5. und 6. Juni 2015 statt. 

@berlinfashionfilmfestival

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni 
Bilder via Berlin Fashion Film Festival 

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