Foto: Mitchell Sams 

Was die Deutschen modetechnisch von anderen Ländern lernen können

Zu Hause ist es doch am schönsten... stimmt leider nicht immer. Zumindest was das modische Verständnis der Deutschen betrifft. In puncto Stil, Förderung und Leidenschaft für die Sache können wir von anderen Nationen noch so einiges lernen.

von Lisa Riehl
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20 Oktober 2015, 12:05pm

Foto: Mitchell Sams 

Lerne den Unterschied zwischen Mode und Bekleidung
Es ist mitunter erschreckend, was hierzulande oft als "Mode" bezeichnet wird. Kleidungsstücke nämlich, die von keinerlei Raffinesse zeugen, keine Geschichte erzählen, schon gar keine Emotionen wecken und eben nur das eine sind: Bekleidung. Da ist man sich in anderen europäischen schon weitaus mehr im Klaren darüber, was "fashion" ist und was lediglich "clothes". Hat man nämlich begriffen, dass Bekleidung allein den Zweck erfüllt, den Körper möglichst Bedarfs- und Wettergerecht zu bekleiden (wie das Wort schon sagt), dann ist ein wichtiger Schritt zu mehr Wertschätzung der Mode und ihrer Ideen bereits getan.

Zusammenarbeit statt Ego-Nummer
Dazu gehört auch – oder besser vor allem –, dass die Großen die Kleinen unterstützen. Siehe Antwerpen: Während man sich anderenorts gegenseitig die Musterteile zerschneidet (das hört man aus so mancher deutscher Modeschule), hilft man sich hier in der belgischen Stadt wie selbstverständlich gegenseitig. Wenn etwa das Team von Dries van Noten (dem alten Modehasen) mit dem Auto von Antwerpen nach Paris fährt, um die bestellten Stoffe beim Lieferanten selbst abzuholen, dann bringt es die Stoffe für Christian Wijnants (dem im vergleich noch jungen Modehäschen) gleich mit.


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Zeig mehr Lokalpatriotismus beim Einkauf
Wenn ein Designer aus Antwerpen seinen ersten eigenen Flagship Store in Antwerpen eröffnet, dann pilgert ein beachtlich großer, modebewusster Teil der Belgier sogleich in den Laden, um das ein oder andere Teil zu kaufen. Weil es gefällt, weil man es anziehen möchte und weil man so auch noch das heimische Modedesign ganz bewusst unterstützt. Wenn ein Designer aus Berlin seinen ersten eigenen Flagship Store in Berlin eröffnet, dann kommen erstmal nur die engsten Freunde und der Großteil wartet lieber bis zum Final Sale – 70 Prozent auf alles (oder kommen nur, um sich gratis einen Rausch anzutrinken)

Hör auf in Grenzen zu denken
Eigentlich ist es wirklich verwunderlich, dass dieser Punkt überhaupt noch aufgelistet werden muss. Liebe Designer, bitte hört auf in Geschlechtsteilen zu denken und zieht doch einfach mal den Menschen an. Das machen Vetements in Paris und das machen Eckhaus Latta in New York. Und die sind damit ziemlich erfolgreich. Bei Frauen und bei Männern.

Kind, lern was Anständiges in der Schule
Und wenn du schon unbedingt dein Glück als Modedesigner versuchen musst, dann such dir die richtige Ausbildungsstätte aus. Der Studiengang Modedesign hat sich nämlich beinah inflationär über Deutschlands Universitäten, Fachhochschulen und Akademien gestreut. Zu mehr Ausnahmetalenten im Land hat das aber immer noch nicht geführt. Woran es fehlt, ist eine Modeschule mit internationalem Renommee, die sich entsprechend international mit einem großen Spektakel präsentieren und die in einem Atemzug mit ihren herausragenden Absolventen (und davon gibt es zweifelsohne einige in Deutschland) genannt wird wie die Königliche Akademie der Schönen Künste oder das Central Saint Martins College (neben vielen weiteren) in London. Ach ja, mit international ist übrigens nicht die Esmod gemeint, die weltweit beinah so viele Standorte hat wie McDonalds Filialen in Berlin.

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