vom magermodel zur body-positivity-aktivistin: eine transformation

Das 27-jährige Model Liza Golden-Bhojwani hat vor Kurzem einen Post geteilt, in dem sie ihren Körper auf dem Höhepunkt ihrer Modelkarriere, als sie nur noch 500 Kalorien pro Tag zu sich genommen hat, mit ihrer aktuellen, natürlichen Figur vergleicht...

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26 April 2017, 8:31am

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Wer ist Liza Golden-Bhojwani eigentlich? Ich bin nur eines von vielen Mädchen. Ich bin in Texas geboren und mit sechs Jahren nach New Jersey gezogen, bevor ich dann mit 17 nach New York gegangen bin, um eine Modelkarriere zu starten. Eigentlich hatte ich immer Tierärztin werden wollen, weil ich Tiere liebe. Die Leute haben meiner Mutter immer gesagt, dass ich modeln sollte, aber für sie hat meine Bildung immer an erster Stelle gestanden. Im Endeffekt habe ich mich nach meinem Abitur an einem örtlichen College eingeschrieben, wo ich dann angefangen habe, Krankenpflege zu studieren. Ich habe mir mein Studium selbst finanziert, aber irgendwann haben der geringe Lohn und das Trinkgeld, das ich als Kellnerin bekommen habe, einfach nicht mehr gereicht. Ich entschied mich also dafür, es mit dem Modeln zu versuchen. Zu Beginn war es wirklich nur etwas, durch das ich Geld verdienen wollte, damit ich weiterhin unabhängig bleiben konnte. Ich habe das Ganze nicht so ernst genommen wie manch andere Mädchen, die schon seit dem frühen Teenageralter darauf getrimmt wurden, mal als Supermodel durchzustarten. Als ich damit begann, war mir nicht wirklich klar, wie die Modebranche funktioniert — ich dachte einfach nur, sie wäre glamourös. Doch schon bald sollte ich ihr wahres Gesicht kennen lernen.

Mit etwa 20 kamen die ersten Selbstzweifel. Ich merkte, dass meine natürliche Körperform nicht der der anderen Models ähnelte. Ich hatte keine ganz so schmale Taille und meine Hüften waren deutlich breiter. Ich entschied also, dass ich das ändern müsste, wenn ich in der Branche wirklich erfolgreich sein wollte. Ich habe also damit begonnen, all die Diäten zu befolgen und die Übungen zu machen, die die anderen Models die ganze Zeit machten. Doch leider war die einzige Diät, mit der ich einen Hüftumfang von 86 Zentimetern erreichte, die, bei der ich nicht mehr als 500 Kalorien pro Tag essen konnte. Und als ich mit dieser Methode innerhalb von nur zwei Wochen fast zehn Kilo verlor, war ich wie im Rausch.

Doch mir ging es dabei richtig schlecht. Ich hatte Stimmungsschwankungen, war immer nervös und unruhig, meine Gesicht war eingefallen und ich hatte dunkle Augenringe. Mein Hunger war irgendwann so groß, dass eine Mandel mir so gut schmeckte wie ein frisches Buttercroissant. Doch wie alle Wunderdiäten wirkte auch diese nicht ohne Nebenwirkungen. Eines Abends, als ich mir gerade mein Essen zubereitete, wurde ich ohnmächtig. Da bekam ich echt Angst und hörte sofort mit der Diät auf. Nichts war es wert, meinem Körper so etwas anzutun.

In nur wenigen Wochen lag mein Hüftumfang wieder bei 93 Zentimetern. Man würde meinen, ich sollte zu diesem Zeitpunkt aus meinen Fehlern gelernt haben und weiter normal essen, aber ich wollte nicht aufgeben und es noch ein letztes Mal versuchen. Ein paar Monate später entschied ich, eine gesündere Diät zu machen. Ich dachte wirklich, dass ich eine nachhaltige und gesunde Alternative gefunden hatte. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich ein Sixpack. Ich befolgte eine zu 100% cleane, glutenfreie Paleo-Diät. Ich machte fast jeden Tag Sport. Aber irgendwie konnte ich meine Hüften nicht dazu bringen, wieder schmaler zu werden. Ich war wie besessen, extrem streng zu mir selbst, doch es brachte alles nichts. Ich war geistig und emotional so erschöpft, ich konnte einfach nicht mehr so weiter machen. Also entschied ich mich dazu, dass es das letzte Mal sein würde, dass ich eine Diät mache, um bestimmte Maße zu erreichen. 

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So kam ich also mit der Zeit über meine Besessenheit vom perfekten Körper hinweg. Ich hatte genug davon, zu versuchen, etwas zu sein, das ich offensichtlich nicht sein sollte. Ich habe eine zweijährige Pause eingelegt mich das erste Mal richtig auf mich selbst konzentriert, nicht auf meinen Körper. 2016 wurde mir klar, dass ich mich nicht länger vor der Welt verstecken brauchte. Ich wusste, dass ich einfach nur ich selbst sein wollte, die Person, die ich von Natur aus bin, statt zu versuchen, mich sozusagen in einen Schuh zu zwängen, der mir nicht passte.

Von dem Moment an, in dem ich entschieden hatte, die Diäten sein zu lassen, begann ich, Fotos von mir und meinem Körper auf Instagram zu posten. Es war aufregend und schön, meine Erfahrungen mit meinen Followern zu teilen und ihnen zu zeigen, dass der beste Körper für einen selbst manchmal nicht unbedingt mit dem Körper übereinstimmt, den eine bestimmte Gesellschaft einem einreden will — und das nicht bedeutet, dass man nicht schön ist. Heute bin ich ein sogenanntes Plus-Size-Model. Für viele Leute ist das eine beleidigende Bezeichnung, aber letzten Endes kenne ich selbst meinen Wert. Ich bin stolz und glücklich, dass ich die Größe habe, die ich jetzt habe, und ich weiß, wie die Branche funktioniert und lasse mich von solchen Dingen nicht runterziehen.

Heute, fast drei Jahre nachdem ich mit den Diäten aufgehört habe, fühle ich mich in meinem Körper und in meinem Leben wohler, als je zuvor. Nicht etwa, weil mehr Gewicht der Weg zum Glücklichsein ist, denn das stimmt nicht. Aber sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und sich selbst genug zu respektieren, um sich als Person nicht ständig selbst zu erniedrigen — das ist der richtige Weg. Momentan nehme ich mir die Zeit, um in der Modebranche wieder erfolgreich zu werden. Es ist aufregend und auch ein bisschen beängstigend, denn man weiß nie wirklich, was einen erwartet.

Auf lange Sicht hoffe ich nicht nur, wieder als Model zu arbeiten, sondern auch, meine Botschaft und die Lektionen, die ich gelernt habe, so vielen Frauen da draußen wie möglich mitteilen zu können. Ich habe viele der Antworten auf meine Geschichte gelesen und mir ist klar geworden, dass Body Positivity die Leben vieler Leute berühren und sie von Grenzen befreien kann, die sie in ihrem Kopf selbst errichtet haben. Wir alle sind schön und wir alle verdienen es, frei zu sein und in unserer ganz eigenen Größe geliebt zu werden.

Credits


Text: Liza Golden-Bhojwani