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Foto: imago / TBM United Archives

So überlebst du die sozialen Netzwerke nach einer Trennung

Bertie Brandes

Stell dir vor, du läufst ständig in deinen Ex und den neuen Partner – und das für den Rest deines Lebens.

Foto: imago / TBM United Archives

"Egal wann ich mich umdrehe, er steht immer neben mir. Es fühlt sich so an, als könnte ich nicht entkommen." So oder so ähnlich könnte eine Unterhaltung mit unserer besten Freundin aussehen, die gerade mitten in einer fiesen Trennung steckt. Ja, Liebe kann brutal sein. Manche Beziehungen können von heute auf morgen vorbei sein, bei anderen bahnt sich das Ende nur schleichend an. Egal welches Tempo deine Trennung hatte, es tut verdammt nochmal weh. Aber es gibt eine Sache, die deinen Heilungsprozess mehr beeinflusst, als du vielleicht denkst: dein Handy. Was gibt es auch für eine bessere Ablenkung, als in eine digitale Welt zu entfliehen, in der alles möglich scheint – auch über deinen Ex hinwegzukommen.


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Wir unterschätzen den Einfluss, den die Kultur der (Selbst-)Überwachung durch die sozialen Netzwerke auf uns ausübt. Du kannst leicht herausfinden, welcher deiner Freunde am deprimiertesten ist. Dafür musst du dir nur anschauen, wer von ihnen am meisten Selfies postet. Traurig, aber wahr. Soziale Beziehungen werden in sozialen Medien geboren, leben auf Facebook und Instagram und sterben in den meisten Fällen auch in der digitalen Sphäre.

Soziale Netzwerke nach einer Trennung gleichen einem Mienenfeld. Wenn du deine Accounts nicht löscht, sei dir zumindest dessen bewusst. Du musst dich nicht völlig davon abschotten, wenn du das nicht willst, aber versuche nicht, zu hart zu dir selbst zu sein. Aus folgenden Gründen:

Du bist süchtig danach, ständig auf dein Handy zu schauen. Das hilft kein bisschen – Surprise!
Es gibt Zeiten, in denen diese Wahrheit mal mehr mal weniger zutrifft. Die Tatsache, dass wir alle ohne soziale Netzwerke nicht mehr leben können, ist kein großes Geheimnis. Heutzutage schauen wir zuerst auf unser Handy, anstatt unsere Probleme direkt zu konfrontieren. Unsere Daumen scrollen stundenlang durch News-Feeds, bis wir etwas finden, das unsere Angst oder unseren Verdacht bestätigt. Wir werden zu Sherlock Holmes und erzählen unseren Freunden, dass wir es "ja schon immer gewusst haben, dass da etwas nicht stimmt". Wenn wir uns dabei ertappen, sollten wir uns lieber fragen "Warum sind wir eigentlich hier?". Nach welcher Information suchen wir? Und wo finden wir sie? Du gehst schließlich auch nicht in eine Bibliothek, um dir ein Sandwich zu kaufen. Warum also Trost und Vertrauen an Orten suchen, an denen du weder das eine noch das andere finden wirst.

Soziale Netzwerke sind zu langweilig, um über eine Trennung hinweg zu kommen
Facebook ist für Freunde, Twitter fürs Zeitgeschehen und Instagram für Selbstdarstellung. Trotzdem haben sie alle etwas gemeinsam: größtenteils bedeutungslose Interaktionen. Offensichtlich haben wir keine Zeit und Lust, jede noch so kleine Information zu verarbeiten. Unser Gehirn hat sich vielmehr antrainiert, diese Informationen zu scannen, bis etwas relevant oder brauchbar erscheint. Das ist vergleichbar mit einem Duden, in dem du nach einem Wort nachschlägst – nur, dass du das Wort nicht kennst, sondern vielmehr einem Gefühl folgst, dass mit dem Buchstaben "P" beginnt. Wenn du dich zurückgewiesen fühlst, fällt es leicht, in schmerzlose und wiederkehrende Langeweile einzutauchen. Aber es ist kein sicherer Ort, um dich abzulenken. Du suchst nach etwas, das dich an diesen Menschen erinnert. Lies lieber ein Buch oder geh ins Bett.

Du kannst Leute stalken, aber das können sie auch
Soziale Netzwerke sind unglaublich ernst. Auch unter dem Schleier der Ironie teilst du deine Informationen. Im Kern ist es ein verzweifelter Versuch, eine Gruppe beliebiger Menschen daran zu erinnern, dass du existierst. Wir nutzen diese Plattformen, um Anerkennung zu bekommen und wollen mit Memes, Selfies und #tbts zeigen, dass es jemanden da draußen gibt, der sich genauso fühlt. So wird es unmöglich, sich nicht miteinander zu vergleichen. Wir platzieren uns unterbewusst in einem Wertesystem, mit dem wir uns durch Likes und Kommentare miteinander messen. Ex-Freunde unserer Partner werden zu einem Totempfahl einer bedrohlichen Vergangenheit, zu der wir nicht gehört haben. Diese toxische Suche nach sinnlosem Wissen über Leute, die wir nicht kennen, bringt es auf den Punkt: Nur weil wir über Leute urteilen, heißt das nicht, dass es andersherum genauso passiert. In dieser Kultur des narzisstischen Wettbewerbs ist kein Platz für echte Verletzlichkeit.

Soziale Netzwerke haben auf lange Zeit gesehen negative Folgen
Instagram wird unsere Identität als Erwachsener formen. Es kreiert eine äußerst stressige Umgebung, in der du immer wieder beweisen musst, dass es dir besser als gut geht. Wir stellen uns lieber einem oft unbekannten Online-Publikum zur Schau, anstatt uns Zeit für uns selbst zu nehmen. Stell dir vor, du triffst auf deinen Ex und den neuen Partner deines Ex – und das jede Stunde für den Rest deines Lebens. Wir wissen alle, dass du vor fünf Minuten auf seinem Instagram-Account warst.

Wenn du also gerade in einer Trennung steckst, ist es wahrscheinlich ein guter Zeitpunkt, eine Auszeit von den sozialen Netzwerken zu nehmen. Am Anfang fühlst du dich vielleicht noch von der Außenwelt, aka dem Internet, abgeschnitten, aber mit der Zeit wirst du dich freier fühlen. Du wirst am Morgen nicht gleich auf dein Handy starren und nichts mehr darauf geben, wer sich deine Stories vom Vorabend angeschaut hat, weil du keine gemacht hast. Gönn dir selbst eine Pause. Hol dir eine Selbstsicherheit zurück – und mach' endlich mal ein Selfie nur für dich selbst.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.