fünf dinge, die wir aus der neuen dokumentation über janis joplin gelernt haben

„Janis: Little Girl Blue“ porträtiert das Leben der Legende fern aller Klischees.

von Oliver Lunn
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01 Februar 2016, 4:15pm

​Foto: © Getty Images

Als Janis Joplin 1970 an einer Überdosis Heroin starb, wurde sie Teil des sogenannten Klub 27. Damit gesellte sich die Amerikanerin zu Leuten wie Jimi Hendrix, Jim Morrison und anderen Musikern, die meistens an Drogen im Alter von 27 Jahren starben. Wie die meisten Mitglieder führte sie ein rebellisches Leben gezeichnet von Alkohol und Drogen - so das gängige Klischee. Für viele war sie die Frau, die sich in der von Männern dominierten Musikwelt ihren Weg bahnte. Für andere war sie stark und unverwüstlich. Regisseurin Amy Berg erzählt mit ihrem neuen Dokumentartfilm Janis: Little Girl Blue das Leben der Sängerin jenseits der Klischeevorstellungen nach—eine Wahrheit, die so gar nicht ins Klischee passen will: das Bild einer zerbrechlichen Frau. Die Dokumentation ist das bisher packendste Porträt der Frau, die einmal als „die wichtigste Sängerin seit Aretha Franklin" beschrieben wurde. Wir stellen euch ein paar Dinge vor, die wir durch Janis: Little Girl Blue gelernt haben.

Mobbing hat bei Janis Joplin Spuren hinterlassen
Ihre Freunde nannten sie „Pearl", aber in Wahrheit war Janis Joplin das sensible Mädchen aus dem texanischen Port Arthur. In der Schule wurde sie für ihr Aussehen gehänselt: sie zerzaustes Haar und sie zog sich an wie ein Junge, woraufhin sie ihre eigene Attraktivität hinterfragte. Es wurde noch schlimmer, als sie von der Sportlerfraktion zum „hässlichsten Jungen auf der Schule" gewählt wurde. Mit den Worten eines nahestehenden Freundes: „Das machte sie fertig. Es war das Traurigste, was ich jemals sah." Dem stimmt ihre Schwester zu: „Es wurde zunehmend schwerer für sie, sich in eine Gruppe wütender junger Männer einzufügen, die Gefallen daran hatten, sie zu hänseln." Was tat Janis Joplin? Sie packte ihre Sachen und ging nach San Francisco und schrieb die Zeile: „I just had to get out of Texas, Baby". Sie sollte bald darauf eine Gruppe von Beatniks kennenlernen und berühmt werden.

Ihr Auftritt auf dem Monterey Pop Festival veränderte alles
Als sie 1967 beim Monterey Pop Festival auftrat und sich eine Bühne mit Otis Redding, The Who und anderen Größen der Rockszene teilte, war Janis Joplin einem größeren Publikum kaum bekannt. Doch dieser Auftritt sollte zu ihrem Moment werden und katapultierte sie sofort nach oben. Das lag nicht zuletzt daran, dass Mama Cass und andere Künstler aus L.A, die vorher der Szene aus San Francisco kritisch gegenüberstanden, von diesem neuen Talent aus San Francisco überwältigt waren. Auf der Bühne überzeugte sie mit ihrer emotionalen Ehrlichkeit und Janis Joplin wurde schließlich akzeptiert. Doch sie war zu der Zeit noch Mitglied von Big Brother and the Holding Company und noch nicht solo unterwegs. Der Clash der Egos war unumgänglich.

Die Sache zwischen ihr und Dick Cavett
Neben Janis Joplin sieht Talkshowmoderator Dick Cavett wie von einem anderen Planeten aus. Er trägt Anzug und sein Haar ist ordentlich gescheitelt. Die Sängerin trägt ein wildes, violettes Outfit und sie hat Federn im Haar. Größer könnten die Unterschiede kaum sein: ein Freigeist und ein zugeknöpfter Spießer. Dennoch war die Sängerin dreimal zu Gast in der Sendung und sie verstanden sich offensichtlich ganz gut. Aber haben sie sich auch privat gut verstanden? Dazu sagt Dick Cavett zögerlich: „Ich werde mich auf dasselbe Niveau begeben. Wir sind vielleicht intim miteinander geworden. Mein Gedächtnis ist einfach so schlecht". Muss noch mehr gesagt werden? An andere Fragen und Antworten kann er sich aber besser erinnern: „Können Sie mir versichern, dass sie kein Heroin nehmen?". Ihre Antwort verwundere ihn noch bis heute: „Wen würde das interessieren?".

Janis Joplin vermied Heroin vor Konzerten bewusst
Vor Auftritten hat sie bewusst auf Heroin verzichtet. Es war die Spritze nach dem Konzert, so wird berichtet. Ein früherer Bandkollege erklärt: „Sie hat selten Heroin vor einem Konzert genommen, weil es nicht für die richtige Energie auf der Bühne gesorgt hat und ihr war das wichtig." In der Dokumentation gibt es dennoch eine Szene, in der eine zugedröhnte Janis Joplin von Peggy Caserta auf die Bühne geschubst werden muss. Peggy Caserta, eine frühere Geliebte unterstütze eher ihre Sucht, anstatt ihr aktiv zu helfen, hört man nur sagen: „Wir haben Heroin aus Spaß genommen. Das hat uns entspannt." Während des besagten Konzert hat Joplin Probleme mit ihrer Stimme. Einige Zeilen singt sie mit kratzender Stimme. Es ist tut weh, das mitanzusehen.

Pink und weitere sprechen über Joplin und andere mutige Frauen ihrer Generation
Während des Abspanns kommen Prominente zu Wort. Pink sagt: „Die Frauen waren damals mutiger als heute. Janis hatte keine Angst was ihren Schmerz und ihre Wahrheit angeht. Sie so zu sehen und die Erkenntnis, dass man nichts Anderes sein muss, außer die Person, die man ist, war sehr inspirierend für mich. Auch Juliette Lewis kommt zu Wort: „So zu performen, mit diesen Texten und Songs, fühlt sich echt an, als ob es keine Lügen gibt und als ob sie das Innerste von sich preisgegeben hat." Zum Schluss spricht John Lennon über Janis Joplin und Drogen: „Die einfachste Frage, die sich keiner stellt, ist: Wieso nehmen Leute überhaupt Drogen? Von Alkohol bis zu harten Drogen. Das bedeutet doch, dass etwas mit der Gesellschaft nicht stimmt; etwas, das uns so sehr unter Druck setzt, dass wir ohne Drogen nicht in dieser Gesellschaft ohne Schutz leben können."

Janis: Little Girl Blue läuft im Kino.

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