i-DJ: TM404

Bei seinen Sets steht er ohne Schuhe auf der Bühne und mischt Tracks live ab. Das nächste Mal kannst du das am Samstag im Berghain bestaunen und dich mit diesem exklusiven Mix von TMT404 schon mal vorab in die richtige Stimmung bringen.

von Alexandra Bondi de Antoni
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15 November 2016, 11:45am

Der Producer TM404 ist ein regelmäßiger Gast in den Berliner Clubs, was uns als bekennende Fans jedes Mal wieder aufs Neue freut. Wenn man so auf der Tanzfläche steht und die Beats des schlacksigen Schweden, der barfuß hinter seinen Mischpults steht, durch den Körper dringen, laufen einem Schauen über den Rücken und die Füße können gar nicht anders, als sich zu bewegen, was nicht auf irgendwelche bewusstseinserweiternde Substanzen zurückzuführen ist, sondern rein auf die psychedelische Sogkraft seiner Sets. Seine Acid-Techno-Tracks und Liveauftritte überzeugen immer und immer wieder und haben ihm über die Jahre eine treue Fangemeinschaft geschaffen, die er erst im Sommer mit seinem zweiten Album Acidub beschenkt hat. Am Samstag ist er wieder einmal in Berlin zu sehen. Dieses Mal im Berghain im Rahmen der 10 Jahre Labelparty von Kontra-Musik. Um uns in die richtige Stimmung zu versetzen, haben wir den Sweden gebeten, uns einen Mix zusammenzustellen. Willkommen in der i-DJ Familie, TM404!

Welche drei Tracks findet man in jedem deiner Sets?
Ready To Rok" von Sort Joey
Los Niños Del Parque" von Liaisons Dangereuses
Gol" von Donato Dozzy

Was war die verrückteste Party, auf der du jemals warst?
Eigentlich jede Party mit der Crew von Börft Records. Ich habe sie vor 20 Jahren für einen Gig in meiner Heimatstadt gebucht, der Beginn einer hässlichen Freundschaft. Ich möchte natürlich nicht zu viel verraten, aber jedes Mal, wenn ich mit ihnen unterwegs bin, habe ich eine gute Zeit.

Was ist der beste Ort zum Feiern und wieso?
Ich habe zwei: Berghain und Tresor. Beide sind in Berlin und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sie so gut sind. Die Stadt hat eine lange Geschichte, wenn es um elektronische und experimentelle Musik geht. In Berlin nehmen die Leute ihre Partys sehr ernst. Es geht nicht nur darum, sich zu betrinken oder zuzudröhnen. Es geht darum, neue Musik mit einem guten Soundsystem zu hören.

Mit welchem DJ würdest du gerne mal back-to-back spielen?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Richie Hawtin und ich ein gutes Team wären. Er hat mich als Opening-Act für Gigs auf der ganzen Welt gebucht und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er ist so talentiert und liebenswürdig. Es macht immer Spaß, mit ihm abzuhängen und ich habe im DJ-Pult getanzt, als er aufgelegt hat. Der nächste Schritt wäre, mit ihm back-to-back zu spielen. Besonders ein Plastikman-Set, denn dadurch habe ich von Richie in den Neunzigern zum ersten Mal gehört.

Was war die beste Partynacht deines Lebens?
Jedes Mal, wenn mir jemand diese Frage stellt, denke ich an Japan. Ich war schon zehn Mal da und im Januar gehe ich mit Ulf Eriksson von Kontro-Musik auf eine kleine Konzerttour. Letztes Jahr konnte ich durch ein Stipendium der schwedischen Regierung mit meiner Partnerin einen Monat in Japan verbringen und vor Ort aufnehmen. Das Ergebnis wird Anfang nächsten Jahres erscheinen. Aber um deine Frage zu beantworten: Eine der besten Nächte hatte ich, als wir gerade in unserem winzigen Airbnb-Apartment in Shibuya angekommen waren. Wir hatten durch den Jetlag kaum geschlafen und als wir dann endlich eingeschlafen waren, wurden wir durch ein schweres Erdbeben aufgeweckt. Ich war ehrlich gesagt so glücklich darüber, kaputtes Geschirr auf dem Boden zu sehen und zu wissen, dass wir in diesem Land noch weitere vier Wochen bleiben werden.

Was ist das Ausschweifendste, was du auf dem Dancefloor gesehen hast?
Das war vor ungefähr 15 Jahren in Köln. Ich habe mit ein paar Freunden Techno aufgelegt und da gab es diesen Mann, er war ungefähr 70. Er hat einen orangefarbenen Overall getragen und wie ein Verrückter getanzt. Er hat sich im Kreis gedreht und versucht, dass ihm so schwindelig wie nur möglich wird. Ich habe das geliebt und wollte mitmachen. Das hat ihm nicht wirklich gepasst, weil er sich sehr ernst genommen hat. Das war irgendeine Art Ritual und es war nicht lustig gemeint.

Was ist dir, wenn du auflegst, wichtig?
Als ich letztes Jahr im Tobacco Dock in London gespielt habe, gab es backstage alles Mögliche: alle möglichen Sorten Alkohol, Wodka, Whiskey, Gin, Rotwein, Weißwein und 24 Dosen Bier. Ich habe mir die Bühne mit Daniel Miller von Muter Records geteilt und bei ihm stand Bier und Wasser auf dem Rider. Alex Under, mit dem wir ein sechsstündiges Set im gleichen Raum gespielt haben, hatte eine Flasche Wein. Die Sache ist, dass ich tagsüber aufgelegt habe und keiner meiner Freunde wollte das Set mit mir beenden oder etwas trinken. Ich glaube, ich habe etwas Gin und Saft getrunken. Den Rest habe ich für die nächsten Künstler da gelassen. Ich bin seit vielen Jahren Veganer und veganes Essen steht immer drauf. Doch ob ich es bekomme, ist eine andere Frage.

Was ist deine Lieblings-Partyhymne aller Zeiten?
M5" von Maurizio. 

Welche Produzenten werden es deiner Meinung nach zu Großem bringen?
Sissel Wincent und der Rest vom Drömfakulteten-Kollektiv. Sissel hat Anfang des Jahres auf dem Label von Peder Mannerfelts eine wirklich tolle EP rausgebracht. Drömfakulteten ist das Interessanteste, was gerade in der schwedischen Szene abgeht. Das ist ein Kollektiv aus Cis- und Trans-Frauen, die schräge musikalische und nicht-musikalische Kunst machen.

Wohin gehst du, wenn die Musik aufhört und die Lichter angehen?
Ins Hotel. Ich hänge nicht mehr rum oder gehe auf Afterpartys. Ich feiere immer noch gerne, aber irgendwann ist auch mal Schluss. Und meistens habe ich auch gleich am nächsten Morgen einen frühen Flug. Ich bin kein DJ-Superstar und muss die billigen Flüge nehmen, die sind meistens eben frühmorgens.

Welchen Track würdest du spielen, wenn es eigentlich Zeit fürs Bett ist, aber alle noch wach sind?
„Månens Död" von Rune Lindblad.

Was ist dein Partytrick?
Wenn ich auflege, bringe ich Synthesizer und meinen Drum-Computer mit und mische die Songs von anderen live ab. Das kommt auf jeder Party gut an.

Führe den Satz zu Ende: Musik klingt besser mit ...
Tape-Echos. 

Live kannst du TM404 am Samstag im Berghain sehen. Mehr Infos findest du hier

@TM404

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Foto: Daniel Karlsson

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