warum wir unsere gefühle lieber nur noch in bedruckter form preisgeben

Tumblr-Quotes & Co. werden tragbar und zeigen uns auf skurrile Art und Weise, dass wir lieber tragen, was wir denken, anstatt zu sagen, was wir fühlen.

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Sep. 2 2016, 12:45pm

Es ist ziemlich klar, dass Menschen seit jeher versuchen, ihre Persönlichkeit durch Kleidung auszudrücken. Wir, die Generation Y und Z, gehen noch einen Schritt weiter und tragen unsere Gedanken und Gefühle wortwörtlich auf der Brust. Vom Mitte der 70er Jahre aufkommenden Punk inspiriert, schwappt zur Zeit eine neue Welle der bedruckten Gefühle über uns rüber. Designer wie Vetements und Ader Error, aber auch Streetwearmarken wie Anti Social Social Club werfen dabei nicht nur die Frage auf, wie du so tun kannst, als wärst du normal, sondern behaupten auch dreist, dass dein Leben ein Witz sei. Eine diffuse Mischung aus ernsthaftem Spaß oder doch spaßigem Ernst, dessen Interpretationsspielraum keinerlei Grenzen gesetzt werden? Befinden wir uns gerade mitten in einer modischen Offline-Emotionsrebellion oder doch nur in einer dieser Kurzzeit-Liebeleien?

Eine Sache ist sicher: Jeder von uns hat bereits diverse Sätze von Liebeskummer-Heimgesuchten im Freundes- und Bekanntenkreis zu hören bekommen, die alle Richtung „Ich kann nicht über meine Emotionen reden, weil ich nicht verletzt werden möchte" tendieren. Natürlich behalten sie irgendwie Recht damit, schließlich verlässt du mit intimen Gefühlsgeständnissen deine schön zurechtgelegte comfort zone. Allerdings stellt sich angesichts dessen umso mehr die Frage, warum wir völlig unbekannten Gesichtern auf der Straße und den unendlichen Weiten des Internets zeigen wollen, was wir tatsächlich empfinden? Warum präsentieren wir plötzlich—offen und ehrlich—, was wir mögen, was uns bewegt oder aber was wir so gar nicht leiden können? 

Vermutlich steckt der ausschlaggebende Reiz gerade in der Anonymität der eigenen Umwelt, denn Menschen, die wir nicht kennen, können uns auch nichts. Unsere emotionale Bindung zu Fremden ist eine völlig andere—falls sie denn letztlich überhaupt existiert. Was haben wir also zu verlieren? Prinzipiell können wir folglich nur Gleichgesinnte begeistern oder stecken belächelnde Blicke weg. Klar, es gibt immer noch Subkulturen, die eine Gruppenzugehörigkeit symbolisieren, aber was tun wir, wenn wir weder Health Goth noch Punk sein wollen, sondern zu der missverstandenen Jugend gehören, die keinen Platz in einer dieser vielen Schubladen findet? Richtig, wir tragen es in die Welt hinaus und zwar in bedruckter Form!

Credits


Text: Juule Kay
Foto: Screenshot von ader_error via Instagram