die neue berliner mode

In der Berliner Modewelt passiert was. Das hat uns die letzte Woche gezeigt.

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26 Januar 2016, 4:35pm

Augustin Teboul Autumn / Winter 16, Foto: Olga Khristolyubova

Der Kronprinzenpalais steht, nicht unweit vom Brandenburger Tor, wie ein großes neoklassizistisches Wahrzeichen für die Hoffnung in die Berliner Mode und die Berlin Fashion Week. In dem preussischen Palast findet seit dem vergangenen Jahr der Berliner Mode Salon sowie der Vogue Salon als ein sorgfältig kuratiertes Manifest deutscher Mode statt. Darunter etablierte wie aufstrebende Designer. Und nicht wenige junge Modemacher in Berlin nutzen seine Säle auch für ihre Show. Sein poliertes Parkett, die protzigen Kristallleuchter und die in roten Teppich eingekleideten Treppen stehen sinnbildlich für das, was all jene Jungdesigner, die mit bemerkenswerter Ausdauer jede Saison eine neue Kollektion auf den Laufsteg bringen, sich für die Zukunft ihres Labels wünschen: Ruhm und Reichtum. Oder für den Anfang: eine paar Einkäufer, die wenigstens einen Bruchteil ihres präzise kalkulierten Budgets für einige Teile ihrer Kollektion ausgeben.

Dass in jeder Saison ein Berliner Designer der Hauptstadt den Rücken kehrt, weil hier zwar reichlich Modedesign zu Hause ist, aber eben nicht das Modebusiness. So hat der nach Paris abgewanderte Julian Zigerli hier in der vergangenen Woche merklich gefehlt. Trotzdem lassen einige der in Berlin gezeigten Kollektionen für die Saison Herbst/Winter 2016/17 darauf hoffen, dass das mit dem Budget der Einkäufer nun tatsächlich auch in Berlin was werden könnte. Denn neben der Kreativität und Originalität stimmte bei vielen Designern auch die Qualität. Für den internationalen Erfolg wird es zwar trotzdem noch einmal einen Showroom in Mailand oder Paris brauchen, als aufmerksamkeitsstarke Präsentationsplattform darf aber auch Berlin durchaus ernst genommen werden.

Augustin Teboul

Annelie Augustin und Odély Teboul haben sich in dieser Saison erstmals dazu entschlossen, die neue Kollektion von Augustin Teboul in einer Show auf den Laufsteg zu schicken. Im zweiten Stock des Kronprinzenpalais zeigten sie ihren typisch-wilden Materialmix aus fließendenden Stoffen, Leder sowie Netz- und Strickdetails. Eingefärbt in Schwarz, angereichert mit Pink, Orange, Grün und Blau und Glitzer. Sowohl die Show im Kronprinzenpalais als auch der bewusste Kitsch, den Location und Farbigkeit mit sich bringen, ist für die Designerinnen ein Schritt aus der eigenen Komfortzone. Es war der richtige Schritt und die Kollektion ist, voll von Optimismus, eines der Highlights in Berlin.

Bobby Kolade 

Eine doch recht eigenwillige Präsentation seiner neuen Kollektion hatte Bobby Kolade gewählt. Zuerst das Timing: Eine Abend vor dem offiziellen Start der Berlin Fashion Week. Dann die Wahl der Location: der Berliner Happy Shop, an dem die Kleider von der Decke hingen und nicht über Models auf dem Laufsteg. Mit dem Titel der Kollektion: Spring/Winter 2019/25, ein Kommentar zur Geschwindigkeit der Mode. Und schlussendlich auch mit dem Ansatz der Kollektion: Losgelöst vom gelernten System an der Modeschule - Inspiration, Moodboard, Farben - begann der Nachwuchsdesigner die Kollektion direkt mit konkreten Kleidungsstücken. Dem Mantel, der Hose, der Bluse. Das Gefühl von Freiheit und Spontanität nähte Bobby Kolade in asymmetrisch platzierte Manteltaschen, in mit Schnürsenkeln gerafften Blusen oder geschlitzten und metallisch gefütterten Hosen.

Louise Friedlaender Autumn / Winter 16, Foto: Olga Khristolyubova

Eine Nachwuchsdesignerin, deren Kollektion aufgrund ihrer Qualität in Design wie Verarbeitung nachhaltig im Gedächtnis ihrer Betrachter bleiben konnte, ist Louise Friedlaender. Ähnlich wie Bobby Kolade rebelliert sie gegen den viel zu schnellen Zyklus der Mode. Aber Louise Friedlaender rebelliert leise, gegen Fast Fashion und gegen Wegwerfmode, und ausschließlich mit ihrer Kollektion, die sie im Me Collectors Room über einen verspiegelten Laufsteg schickte. Die Patchworkteile sind inspiriert von Friedlaenders Mutter, die ihre Hosen einst so lange flickte und patchte bis vom ursprünglichen Stoff schon nichts mehr zu sehen war. Sie wegzuwerfen und mal schnell eine neue Hose für wenige Euro bei einer Modekette in der nächsten Fußgängerzone zu kaufen, kam Friedlaenders Mutter gar nicht erst in den Sinn. Die schmal geschnittenen Strickkleider in der Kollektion wiederum tragen den stolzen Beisatz „made in Germany", sie wurden in einem kleinen Handwerksbetrieb in Berlin gefertigt.

Vladimir Karaleev 

Im Me Collectors Room in Mitte zeigte auch Vladimir Karaleev nach einjähriger Pause von der Berlin Fashion Week (er hatte sich bewusst auf Messen, Showrooms und den Berliner Mode Salon konzentriert) seine neue Kollektion. Dass der Präsentationsraum restlos mit Menschen ausgefüllt war, die sich dicht um die Models drängten und von Look zu Look schoben, unterstreicht das verdiente Ansehen, das Karaleevs Arbeit genießt. Weil seine Mode für den Herbst/Winter 2016/17 mit ihren flächigen Formen sowie überlegten Materialkontrasten aus Strick und Cord und Transparenz großartig-kompliziert konstruiert ist, ihren Träger aber trotzdem nicht in eine laufende Skulptur verwandelt.

William Fan

Den Abschluss der Berliner Modewoche markierte am Donnerstagabend William Fan im Kronprinzenpalais. Die textile Vermischung von Bruce Lee und Studio 54, von Kung-Fu und Disco, hatte eine außergewöhnlich durchdachte Kollektion zum Ergebnis, in der sowohl die Details und die Stoffe als auch die Ausarbeitung der Schnitte überzeugten. Etwa die XL-Ärmel mit aufgeknöpften Manschetten an Seidenkleidern und Blusen. Die Fransen und Tasseln, die jeden Modelschritt fast dramatisch unterstreichen. Oder die weit geschnittenen und am Knöchel gewickelten Hose, die mittlerweile fester Bestandteil der Kollektionen des Berliner Talents sind und dieses Mal in Gold, Schwarz oder der von William perfekt gemeisterten Farbe Beige daherkamen. Lässiger als in diesen Hosen kann man kaum kämpfen oder tanzen, je nachdem. Im Anschluss an die Show von William Fan, bei der von der Musik bis zum Setting alles exakt komponiert war, war dann zum Abschluss dieser Modewoche noch einmal ein deutlicher Optimismus spürbar. Für die Berlin Fashion Week und ihre Designer. 

Credits


Text: Lisa Riehl