Diese grotesken Bilder nackter Frauen sind eine Reaktion auf ihre Objektivierung

Prue Stent und Honey Long sind nicht nur beste Freundinnen, sondern auch Künstlerinnen, die mit ihren rosafarbenen Bildwelten gegen das Bodyshaming des weiblichen Körpers ankämpfen.

von Wendy Syfret; Fotos von Honey Long , und Prue Stent
|
28 März 2017, 10:02am

Bereits in unserer LGBTQi Issue aus dem Jahr 2015 haben wir euch die Arbeiten der australischen Fotografin Prue Stent vorgestellt. Sie ist für ihre obskuren Nahaufnahmen und ihrem spielerischen Umgang mit dem Geheimnisvollen bekannt geworden. Nun hat sie sich mit ihrer besten Freundin Honey Long für eine neue Serie zusammengetan.

Im Vordergrund stand dabei die Frage, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Gerade im Jahr 2017 ist das ein Thema, das sehr beliebt erscheint, aber der Ansatz der beiden Frauen ist anders. Sie haben ihre rosafarbenen Bilderwelten weiterentwickelt. Sie zeigen den weiblichen Körper nicht konventionell, sondern Körperstellen in Nahaufnahme, die sonst als unästhetisch gelten und wenden sie zum positiven.


Auch auf i-D: Gurls Talk mit Adwoa Aboah


Ihre Motive zeigen sie ohne Kopf, so bleiben die Frauen anonym — was bleibt ist der Fokus auf die nackten Haut, der Spucke, den Schweiß und den Kaugummi. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen sehr nach dem Kultfilm Die Fliege von David Cronenberg aus den 80ern, aber Prue und Honey verfügen über die Gabe, den menschlichen Körper selbst in ungewohnten Settings ästhetisch aussehen zu lassen. Wir haben uns mit den beiden Künstlerinnen über ihre klebrige, groteske und liebevolle Welt unterhalten, die sie erschaffen haben.

Was sind die Themen in eurer Kunst?
Ganz allgemein gesprochen versuchen wir, die Weiblichkeit darzustellen. Wir sind beide von Körperdetails fasziniert. Manche scheinen ein eigenes Leben zu haben und stehen für eine tiefere Komplexität des Körpers. Unsere Fotos gehen über konventionelle kulturelle Kategorien hinaus, sie zeigen die Geheimnisse und die Magie des weiblichen Körpers.

Erzählt uns mehr über eure neue Serie.
Wir zeigen die Haut und Körperteile in Zusammenhang mit viel Stoff, die Bilder haben eine fast anthropomorphische Qualität. Gleichzeitig wecken sie aber auch Assoziationen an klischeehafte Vorstellungen von Weiblichkeit.

Man sieht nur selten die Gesichter der Frauen, stattdessen konzentriert ihr euch auf den weiblichen Körper und bestimmte Körperstellen. Welche Rolle spielt das Thema Identität in eurer Arbeit?
Die meiste Zeit sind wir von einer werbefreundlichen Vorstellung von Weiblichkeit umgeben — das beeinflusst Frauen. Deswegen wollen wir die einzelnen Identitäten der Frauen komplett außen vor lassen. Für jede bedeutet es etwas anderes, eine Frau zu sein. Dafür teilen aber alle Frauen die Gemeinsamkeit, dass sie nachvollziehen können, was Frausein heißen soll. Auf die ein oder andere Weise haben diese Voreinnahmen unsere Identitäten beeinflusst.

Wie unterscheidet sich die Zusammenarbeit zwischen euch von einzelnen Projekten?
Wir kommen aus unterschiedlichen Disziplinen und pushen uns deswegen mehr in der Zusammenarbeit. Die Ergebnisse sind mediumübergreifend. Sie sind ein Amalgam aus Fotografie, Skulptur und Performance.

Ihr führt damit ein Thema weiter, das sich sehr oft in eurer Kunst findet: Groteskes. Ihr lasst euch immer wieder von bekannten und wunderschönen Darstellungen des weiblichen Körpers aus der Kunstgeschichte inspirieren. Warum?
Indem etwas als schön deklariert wird, geht man mit der Angst vor Monstrosität, dem Anderen und Geheimnissen um, so war das traditionell immer. Diese Heiligsprechung von bestimmten Körperteilen des weiblichen Körpers ist eine Geschichte der Vereinnahmung und der Kontrolle. Da wir uns auf Körperstellen konzentrieren, die meistens übersehen oder versteckt werden und als wenig begehrenswert gelten, holen wir sie wieder ins Bewusstsein. Ein starker Fokus liegt auf zweideutigen Körperöffnungen, das steht für das Geheimnisvolle und dafür, dass in Verletzlichkeit auch Stärke liegt. Wir interpretieren Schönheit als Wertschätzung der Komplexität des Lebens, anstatt Schönheit als ein Mittel zu verstehen, mit dem man andere ausschließt und sie dem Schönheitsideal unterwirft.

@prue_stent
@honeylong

Tagged:
Gender
Weiblichkeit
Prue Stent
Kunst
Kultur
Honey Long
Körperlichkeit