Was beim Dating heutzutage wirklich zählt

Der Weinstein-Skandal und die anhaltende #MeToo-Debatte haben unser Liebesleben verändert. Das Misstrauen beim Dating ist gestiegen. Wichtiger denn je ist die Frage geworden, was wir eigentlich wollen. Diese jungen Kreativen geben uns Antworten.

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31 Mai 2018, 10:48am

Die #MeToo-Bewegung hat viel verändert. Sie hat vielen Menschen (Männern) vor Augen geführt, worunter Frauen (und einige Männer) schon immer gelitten haben: sexuelle Belästigungen. Doch nach wie vor existieren viele Grauzonen. Ende letzten Jahres veröffentlichte der New Yorker mit "Cat Person" einen Artikel über genau diese. Er löste eine öffentliche Diskussion aus und fand großes Echo in den sozialen Netzwerken.

Wir leben in aufwühlenden politischen Zeiten – und das beeinflusst auch unser Liebeslieben. Zum Glück sind wir eine Generation, die offener und vielfältiger ist als je zuvor.


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Fotograf Evan Browning war für uns in Los Angeles und New York unterwegs, um die Kreativen von heute zu porträtieren. Wie sich ihr Dating-Leben durch #MeToo verändert hat; wie wichtig die politische Meinung bei der Partnerwahl ist und was sich noch ändern muss, haben sie uns hier erklärt.

Tajah Ellis, 21, New York

"Beim Dating ist es wichtig zu wissen, was man mag und was nicht. Und das funktioniert am besten, wenn du verschiedene Dinge ausprobierst. Jeder Mensch ist einzigartig und kompliziert. Wenn man experimentiert, entdeckt man vielleicht ganz unterschiedliche Dinge, die man mag. Das muss natürlich einvernehmlich geschehen.

Meine Generation ist sehr experimentierfreudig. Wir erkunden unsere sexuellen Vorlieben. So viele junge Menschen identifizieren sich abseits der Schubladen, die uns hinterlassen wurden. Jeder Mensch hat andere Lebenserfahrungen, deswegen müssen wir hinter die Oberfläche schauen und uns mehr lieben."

Camille Matthews, 32, Hollywood

"Durch die #MeToo-Bewegung hat sich für mich nicht viel verändert. Es gibt Typen, die einfach nur eklig und aufdringlich sind – das ist nichts Neues. Ich navigiere mich lieber vorsichtig durch die Dating-Welt und achte auf Alarmglocken. Ich bin aber auch voller Hoffnung, dass nicht alle Männer so sind. Der Richtige wird schon zur richtigen Zeit auftauchen. Nur wenn er Trump-Wähler ist, wird es mit uns nichts. Die politische Meinung wird immer wichtiger beim Dating."

Sarah Benjamin, 26, New York

"Es ist widerlich, dass Menschen in einer Machtposition ihre Macht ausnutzen; Die Kultur des Öffentlich-Machens und Darüber-Sprechens hat mir sehr deutlich gemacht, dass es dieses Verhalten immer noch gibt. Ich habe dadurch mehr Respekt für mich und meine Freunde gewonnen. Ich bin für keine One-Nights-Stands zu haben, sondern eher der Beziehungstyp. Dass mein Partner ähnliche politische Ansichten wie ich haben sollte, ist mir sehr wichtig.

Unsere Generation ist besonders, weil wir uns der Diskriminierungen aufgrund von Hautfarbe oder sexueller Orientierung bewusster sind. Es gibt heute eine größere Vielfalt und höhere Akzeptanz als je zuvor. Wir dürfen nicht nachlassen, sondern müssen weiter kämpfen."

Nicole van Straatum, 26, New York

"Als Single in New York City stelle ich fest, dass die Männer beim Dating schüchterner geworden sind. Das hat sich auf beiden Seiten verändert. Was man von einem Hook-up erwartet und was Einvernehmlichkeit bedeutet, wird neu verhandelt.

Es gibt noch viel zu tun in Bezug auf Ungleichheit. Ich habe eine bunte ethnische Herkunft und bin bisexuell. Mich interessiert weder die Hautfarbe noch das Geschlecht der anderen Person, sondern ihre Persönlichkeit. Alles verschwimmt heutzutage miteinander und darüber sind wir uns bewusster denn je. 'Männlich' und 'weiblich' kann in ganz unterschiedlichen Farben und Formen existieren."

Vanessa Osabutey, 23, Los Angeles

"Ich glaube nicht, dass die # MeToo-Debatte etwas an meinen Dating-Gewohnheiten oder den von anderen Frauen geändert hat. Aber die Einstellung der Männer hat sich definitiv verändert. Es ist wichtig, dass man versteht, wie die Person tickt, mit der man zusammen sein möchte. Heutzutage sind die Menschen viel sensibilisierter für Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe oder des Geschlechts. Unsere Generation ist offener und wir lassen andere Menschen ihr authentisches Ich ausleben."

Ginger Leigh Ryan, 22, New York

"Um ehrlich zu sein, sind all diese Geschichten sehr weit verbreitet unter Menschen, die sich als Frau identifizieren oder als Frau geboren wurden. Sobald du als Frau mit dem Daten anfängst, wirst du mit Fragen der Einvernehmlichkeit und Rape-Kultur konfrontiert. Wirklich verändert hat sich, dass uns die Leute zuhören, wenn wir über unsere Erfahrungen mit Belästigung sprechen. Das sind keine neuen Geschichten, sie werden nur ernster genommen als davor. Meine Generation ist intersektional und zieht Menschen schneller für deren Taten und Worte zur Rechenschaft."

Fulani Thrasher, 27, New York

"Für jemanden wie mich – schwarz und queer – gehört die Rape-Kultur zum Alltag. Ich habe Women of Color, besonders schwarze Trans-Frauen, bei #MeToo vermisst. Die Debatte wurde von weißen Frauen ausgeschlachtet. Dass unsere Geschichten nicht erzählen wurden, wirkt sich auf uns aus. Damit wurden wir und unsere Erfahrungen entwertet.

Rückblickend muss ich feststellen, dass ich viele Erfahrungen gemacht habe, die nicht einvernehmlich waren. Ich frage mich öfter, was einvernehmlich überhaupt bedeutet. Uns wurde beigebracht, dass Einvernehmlichkeit 'Ja' oder ein 'Nein' heißt, aber so einfach ist es nicht. Sex und Intimität sind so viel facettenreicher. Ich versuche von nun an, meine Bedürfnisse und Wünsche meinen Partnern klarer zu kommunizieren."

Alicia, New York

"Die #MeToo-Bewegung hat denjenigen eine Stimme gegeben, die zu lange geschwiegen haben. Meine Einstellung zum Dating hat sich verändert, weil du nicht unbedingt sofort weißt, was die Absichten der anderen Person sind. Die politischen Ansichten sind mir dabei sehr wichtig, weil sie viel über einen Menschen verraten. Es ist vielleicht nicht das erste Thema, worüber ich mit jemandem spreche, aber früher oder später wird es aufkommen."

Eddie Mitsou Pettersson, 24, Los Angeles und New York

"Ich versuche, die Menschen zu verstehen, anstatt gleich zu denken, dass sie Idioten sind, nur weil sie nicht der gleichen Meinung sind wie ich. Ich habe mal einen Typen gedatet, der beim Thema Waffenbesitz eine andere Meinung hatte, mit der ich nicht einverstanden war. Das hat mich wütend gemacht. Aber er wuchs in einer unsicheren Gegend auf, deswegen war meine Erfahrung eine völlig andere. Ich komme aus einer sehr sicheren Gegend in Stockholm. Also habe ich seine Meinung respektiert.

In meiner Generation kannst du sein, wer du sein willst. Soziale Netzwerke wie Instagram haben uns dabei sehr geholfen."

Nicholas Rodriquez, 22, New York

"In den Monaten nach #MeToo bin ich vorsichtiger beim Dating geworden und habe viel über mich und meine Generation nachgedacht. Wir haben Zugang zu so vielen Dating-Apps und können uns so oft wir wollen für Sex verabreden. Das hat den Fokus auf Sex gelegt, anstatt auf emotionale Bindungen zu anderen.

Unsere Generation hat mehr Informationen und wir lernen, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zu respektieren. Die Welt befindet sich an einem Wendepunkt. Die Entscheidungen unserer Generation werden die nachfolgenden prägen."

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.