Wie du im Alltag auf deine mentale Gesundheit Acht geben kannst

Neuseeland steckt mitten in einer Mental-Health-Krise. Was es wirklich damit auf sich hat und was du selbst für dich tun kannst, erklärt uns die Jugend des Landes.

von Mitch Parker
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05 November 2018, 10:08am

Fotos: Imogen Wilson

Anfang des Jahres hat die neuseeländische Regierung eine Untersuchung der mentalen Gesundheit des Landes durchgeführt – mit erschreckenden Ergebnissen. Darin wurde eines der größten Probleme analysiert, das Neuseeländern schon längst bewusst war: Es gibt zu wenige Hilfseinrichtungen, an die sich Betroffene wenden können. Diese Tatsche trifft vor allem junge Menschen, schließlich ist die Selbstmordrate des Landes eine der höchsten innerhalb der Industrieländer. Zwar scheint die Regierung das Problem zu erkennen, trotzdem müssen junge Neuseeländer teilweise monatelang auf Therapieplätze warten.


Auch auf i-D: Die fragile Beziehung zwischen Mental Health und Kreativität


Weil Kreativität und Mental Health eng zusammenhängen, haben wir uns mit fünf jungen Talenten aus Neuseeland zusammengesetzt, um uns Tipps zu holen.

mental health problem neuseeland

Robert, 19, Künstler

Glaubst du, dass Neuseeland ein Mental-Health-Problem hat?
Es gibt definitiv ein Problem. Menschen fällt es hier schwer, sich zu öffnen und sich damit verletzlich zu machen – vor allem Männer. Wir sind ein Land, das gerne Traditionen nacheifert. Einige von ihnen sind aber völlig rückständig und ungesund.

Gibt es hier viel Unterstützung hinsichtlich Mental Health oder Orte, wohin junge Menschen gehen können, wenn sie Probleme haben?
Die gibt es, aber es könnten mehr sein. Wir brauchen ein besseres System für die Menschen, die sich in einem riskanten Stadium befinden. Deinen Freunden in deiner Instagram-Story zu erzählen, dass sie sich bei dir melden sollen, wenn sie etwas bedrückt, kann nur dazu beitragen. Wir müssen regelmäßig checken, wie es den Leuten geht, die gerade durch schwere Zeiten gehen.

Wie passt du im Alltag auf deine mentale Gesundheit auf?
Ich gehe gerne laufen und versuche, zu schlafen, wann immer ich kann. Deine physische Gesundheit kann zu deiner mentalen beitragen – das solltest du immer im Hinterkopf behalten. Ich mag es auch, mit meinen Freunden abzuhängen, egal wie es mir gerade geht.

@rob.tennent

Mental Health Problem Neuseeland

Ria, 22, Modestudentin

Glaubst du, dass Neuseeland ein Mental-Health-Problem hat?
Definitiv. Das Digitale Zeitalter macht es einfach, unsere Leben mit anderen auf Instagram zu vergleichen. Danach fühlen wir uns beschissen, weil wir uns nicht ständig vernetzen, reisen oder uns neue Kleidung kaufen können. Wir vergleichen uns mit Menschen, die nur ein Prozent ihrer "perfekten" Leben online stellen.

Wie passt du im Alltag auf deine mentale Gesundheit auf?
Ich schreibe gerne alles auf, das hilft mir immer. Oder ich versuche, kreativ zu sein. Kochen bringt mich auch irgendwie runter.

@riabhogal

Mental Health Issue Neuseeland

Manon, 22, Filmemacherin

Was kann jeder von uns tun, um Gespräche über Mental Health zu fördern?
Mental Health sollte als Schulfach eingeführt werden, damit junge Menschen schon früh mit diesem Thema in Berührung kommen. Es wird schwieriger, etwas zu normalisieren, wenn du auf ein bestimmtes Denkmuster konditioniert wurdest. Educate with empathy!

Warum ist es so wichtig, offen darüber zu reden?
Damit sich die Leute nicht alleine und hilflos fühlen. Sich Hilfe zu suchen, kann schwierig sein. Deswegen ist es umso besser, die Menschen um dich herum zu kennen, die dich wirklich unterstützen.

@manonsoshwifty

Mental Health Neuseeland Jack

Jack, 22, Tätowierer und Musiker

Fühlen sich junge Menschen hier wohl damit, über ihre mentale Gesundheit zu reden?
Ich kann natürlich nicht für alle Menschen da draußen sprechen, aber viele fühlen sich sehr wohl damit. Trotzdem gibt es einige, die einfach nur versuchen, sich abzulenken, damit sie nicht damit konfrontiert werden. Je mehr Leute sich in diese Gespräche einbringen desto besser.

Wie passt du im Alltag auf deine mentale Gesundheit auf?
Ich gebe mich immer meiner Produktivität hin. Dabei hilft es, Muster zu durchbrechen oder einfach mal in der Natur spazieren zu gehen.

@fucksunjack

Mental Health Neuseeland

Nao, 24, Fotograf

Was kann jeder von uns tun, um Gespräche über Mental Health zu fördern?
Versuche dich, anderen anzuvertrauen. Auch wenn es anfangs nur kleine Dinge sind, die du dir von der Seele redest. Verbringe mehr Zeit mit deinen Mitmenschen. Hoffentlich verstehen die Leute dann, dass sie nicht alleine mit ihren Problemen sind, sondern jeder von uns mit ähnlichen Dingen zu kämpfen hat.

Redest du mit deinen Freunden viel darüber?
Manchmal mehr, manchmal weniger. Wenn ich merke, dass meinem Gegenüber etwas auf dem Herzen liegt, frage ich nach, ob ich etwas für die Person tun kann. Oder lasse sie nochmal wissen, wie sehr ich mich um sie sorge und wie gerne ich sie habe. Oder hänge einfach nur mit ihr ab, damit sie da nicht alleine durch muss.

Wie passt du im Alltag auf deine mentale Gesundheit auf?
Meditation, Yoga und Sport helfen mir sehr. Ich bewege mich gerne und versuche, aus dem Haus herauszukommen. Tanke Sonne auf und ernähre mich gesund.

@oca.nao

Wenn du selbst – oder einer deiner Angehörigen – in einer seelischen Krisensituation stecken solltest und Hilfe brauchst: Es gibt kostenlose Hilfsangebote wie die der TelefonSeelsorge unter 0800/111 0111 oder die Nummer gegen Kummer. Mehr Informationen und Hilfsangebote findest du auch auf der Website der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Credits


Fotos: Imogen Wilson

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren australischen Kollegen.