Die surreale Schönheit nackter Wassernixen und Fabelwesen

Prue Stent erkundet in ihren Fotografien die Beziehung zwischen dem weiblichen Körper und der Natur. Wir haben mit der Fotografin über Sexualität, Fruchtbarkeit und die Kraft von Mutter Natur gesprochen.

von Tish Weinstock
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13 Juli 2016, 9:01am

Für die australische Fotografin Prue Stent spielte die Natur schon immer eine wichtige Rolle in ihrem Leben, hat sie doch ihr ganzes Leben am Meer in der Nähe von Sydney gewohnt. Kein Wunder also, dass sie das auch in ihren Werken aufgreift. Von Wassernixen, die in Rockpools baden, bis zu Pixie-Fabelwesen, die sich hinter Bäumen verstecken: Prue Stent erkundet in ihren Fotografien die Beziehung zwischen dem weiblichen Körper und der Natur. Mittels Techniken wie obskuren Nahaufnahmen, Anonymisierungen und Unterwasserspiegelungen werden ihre Arbeiten geheimnisvoll und lassen einen zweimal hinschauen, will man doch jedes Detail der Bilder entdecken. Wir wollten mehr über dieses Fotografie-Talent aus Down Under erfahren und haben ihr ein paar Fragen gestellt.


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Wie bist du zur Kunst gekommen?
Solange ich denken kann, interessiere ich mich für Kunst. Meine Eltern haben alles Mögliche gesammelt. Ich bin damit großgeworden und hatte Glück, dass ich auf der Schule Freundinnen hatte, die Lust darauf hatten, einfach Dinge zu kreieren. Das war unsere Art und Weise, uns auszudrücken. Das hat sich seit damals nicht mehr geändert. Ich arbeite immer noch mit den Leuten zusammen, die ich seit meinem 13. Lebensjahr kenne.

Und warum gerade Fotografie?
Fotografie hat eine Unmittelbarkeit und eine Flexibilität, die mir gefallen. Ich möchte etwas Neues schaffen und neue Gedanken stimulieren. Meine Kompositionen sollen bizarr, provokativ und verstörend sein. Dafür stelle ich das Unerwartete in den Vordergrund. Fotografie ist für mich der naheliegendste Weg, um diese Konzepte umzusetzen. Das ermöglicht es mir, spontan zu sein. Einige Fotos bearbeite ich aber auch in der Post-Produktion nach. Das finde ich spannend, weil es eine intimere und introvertierte Aufgabe ist.

Was inspiriert dich?
Mich interessieren Arbeiten, die Feminismus, Fetische und Surrealismus vereinen. Es gibt Arbeiten von anderen jungen, zeitgenössischen Künstlerinnen, die den Status quo infrage stellen und mich inspirieren. Besonders interessant finde ich Kreative in den Bereichen Installationskunst und im Kostümdesign, die ihre Genregrenzen austesten.

Welche Rolle spielt Nacktheit in deinen Arbeiten?
Es gibt Seiten am Nackt-Sein, die ich besonders spannend finde: das Fleischige, das Rosafarbene und das Weiche. Nacktsein kann grauenhaft oder schön zugleich sein. Wenn man als Fotografin mit Nacktheit arbeitet, setzt man die Leute etwas Intimen und Bekannten aus, gleichzeitig ist es aber auch herausfordernd. Das gibt einem als Künstlerin viel, mit dem man arbeiten kann.

Von einer künstlerischen Perspektive aus gesprochen: Welche Bedeutung hat für dich der weibliche Körper?
Wenn man hauptsächlich mit Frauen und der Natur arbeitet, kommen automatisch Assoziationen mit Sexualität, Fruchtbarkeit und Erotik auf. Das sind wichtige kreative Triebkräfte und keine Techniken weiblicher Entmachtung.

Was hat es zu bedeuten, dass du die Gesichter und manche andere Körperstellen unerkenntlich machst?
Mir gefällt der Gegensatz, dass die Formen zwar anonym, aber trotzdem so real sind. Ich konzentriere mich lieber auf die weibliche Form und den Kern von Weiblichkeit statt auf Individualität und Persönlichkeit. Wenn sich Betrachter mit etwas identifizieren, dann sicher nicht mit dem Bekannten oder Wiedererkennbaren. Womit identifizieren sich Betrachter dann?

In deinen Arbeiten beziehst du dich immer wieder auf die Natur.
Vor meiner Haustür gibt es das größte Studio überhaupt: die Natur. Da ist es wenig überraschend, dass ich eine starke Affinität zu ihr entwickelt habe. Im Freien habe ich die Freiheit, meine Ideen auszuleben. Indem ich Mutter Natur mehr als nur als Hintergrund benutze, schwingen immer auch Referenzen an Fruchtbarkeit und Sexualität mit.

Woran arbeitest du im Moment?
Ich arbeite gerade an einer Einzelausstellung. Ich versuche, mich strikt an bestimmte Themen zu halten, was schwierig ist. Normalerweise gehe ich unterschiedlichen kreativen Ideen gleichzeitig nach. Mich auf eine einzige zu beschränken, ist echt hart. Ich habe auch vor Kurzem an einem Kurzfilm mitgewirkt und mit mehreren Modelabels, Künstlern und Musikern zusammengearbeitet. Das hat echt Spaß gemacht. Jetzt steht ein Musikvideo und eine Installation für ein Festival Anfang nächsten Jahres an.

pruestent.com

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