muslim drag queens

Der neue Dokumentarfilm „Muslim Drag Queens“ gewährt einen Einblick in das Leben von schwulen, muslimischen Männern, die trotz Anfeindungen und Angst vor Verfolgung ihre Sexualität offen ausleben.

von Stuart Brumfitt
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14 Januar 2015, 4:09pm

Asifa Lahore

Muslim Drag Queen ist eine kurze Dokumentation von i-D Contributor Kieran Yater für den britischen Guardian und begleitet den 22-jährigen Ali, der in seinem Heimatland Pakistan aufgrund seiner Homosexualität verfolgt wurde, bei den Vorbereitungen auf seine erste Performance auf der größten gaysian Party im Club Saathi. Die Pionierin der britischen gaysian Community Asifa Lahore nimmt ihn dabei unter ihre mütterlichen Fittiche. Während Homophobie leider immer noch ein großes Problem ist, versuchen diese praktizierenden Muslime, ihr eigenes Ding durchzuziehen. Yates und ihre Crew zeigen Ali, wie er als Shilpa, benannt nach dem Bollywood-Star Shilpa Shetty, zum ersten Mal die Freiheit der schwulen Szene genießen kann. Ebenso werden die traurigen Beschimpfungen dokumentiert, die muslimische Drag Queens ertragen müssen. i-D traf Kieran zum Interview.

Wie groß ist der Zirkel der südasiatischen Drag Queens? Es gibt Disco Rani und die Party in Birmingham, aber sonst?
Es gibt viele Clubs, die überall in Großbritannien verstreut sind. Club Saathi, in dem wir gefilmt haben, ist der größte neben Club Zindaghi in Manchester. In London gibt es Disco Rani und Urban Desi.

Treffen diese Drag Queens Vertreter aus anderen Szenen oder handelt es sich dabei um eine eigene Welt?
Momentan scheint es, als wäre es eine Welt für sich. Aber Drags wie Asifa Lahore versuchen sich anzuschließen und werden vermehrt für andere Partys gebucht.

Denkst du, dass sie davon solidaritäts- und zahlenmäßig profitieren würden, wenn sie sich mit mehr Drag Queens aus der schwulen Szene treffen würden?
Ich denke, dass es ihnen gerade sehr viel Kraft gibt, wenn sich andere Queens, die genau denselben Hass erfahren, solidarisch zeigen. Unterstützung durch den Mainstream ist natürlich ein deutliches Zeichen, dass sie nicht alleine sind und dass es Orte gibt, an denen Andersartigkeit akzeptiert wird. Der Community-Aspekt hat etwas Kraftvolles und Berührendes. Sie können ihre Geschichten Leuten anvertrauen, die sie komplett verstehen und wo sie Halt finden.

Asifa Lahore scheint eine Art Mutterfigur der Szene zu sein. Ali nennt sie sein „Ideal". Erzähl uns mehr über sie.
Asifa ist definitiv eine mütterliche Figur. Sie ist seit Jahren in der Szene unterwegs, hat Grenzen überschritten und hat es dadurch für Queens wie Ali einfacher gemacht, sich zu outen. Ihr schlug anfangs sehr viel Schwulenhass aus ihrer Community entgegen, aber ihre Kraft und Widerstandsfähigkeit inspirieren jüngere Generationen. Es ist eine wundervolle Wandlung.

Ali und sein Freund sprechen darüber, wie viel Angst sie haben. Es ist unglaublich mutig, sich dem zustellen. Was treibt sie an? Offensichtlich macht es ihnen viel Spaß. Das können sie nicht verleugnen.
Ich kann nicht für sie sprechen, aber meiner Ansicht nach ziehen beide aus dem Queen-Dasein Kraft. Abgesehen von ihren Problemen, ist, was sie tun, von Natur aus politisch. Sie beziehen Stellung und sind sichtbar. Ich war verblüfft, wie trotzig sie auf Homophobe reagieren. Wenn man mit ihnen unterwegs ist, realisiert man erst, wie hart es für sie sein kann.

Asifa sieht es als Aufgabe von Drag Queens, indisch-pakistanische Schwule sichtbarer zu machen und die größere pakistanisch-indische Community mit all ihren Vorurteilen zu konfrontieren. Ist das fair oder werden Newcomer wie Ali/Shilpa zu sehr unter Druck gesetzt?
Ich denke, dass Asifa versucht, einen Dialog, der in der süd-asiastischen LGBT-Community Zuspruch findet, in Gang zu setzen. Es geht darum, dass keiner der schwulen Männer zum Schweigen gebracht werden soll. Es ist ein sehr komplexes Thema, besonders für Leute, die wirklich Angst haben. Indem sie aber ihre Community konfrontieren, können sie schwieriger an den Rand gedrückt werden. Shilpa macht das Private politisch und Asifa versucht ihr das deutlich zu machen.

Wie war es mit den Queens aus dem Film Zeit zu verbringen? Wie oft kommen die Beleidigungen, die man im Film sieht, vor?
Ich denke, dass es für jeden unterschiedlich ist. Asifa ist Brite mit Migrationshintergrund, der die Medien zu seinem Vorteil eingesetzt hat und daraus viel Selbstbewusstsein gezogen hat. Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass er weniger Beleidigungen ausgesetzt ist. Es ist definitiv so, dass er beschimpft und im Internet beleidigt wird. Er hat sich früh einen Panzer angelegt und gelernt damit umzugehen. Er spricht darüber, dass er Burkas trägt, um in Bussen seine Identität zu verschleiern und sich sicherer in Taxis zu fühlen - alles aus Selbstschutz. Shilpa und Rezzia werden jedoch häufiger Opfer von Hass. Beide wurden bereits körperlich angegriffen. Rezzia hat Drohbriefe erhalten, Shilpa wurde auf der Straße angesprungen und beide vermeiden aus Angst bestimmte Gegende und Orte. Das ist fast schon zum Teil ihrer Leben geworden. Sie sind die Heldinnen dieser Szene und ihnen dabei zuzuschauen, wie sie die Beleidigungen abschütteln und sogar Filmaufnahmen zugestimmt haben, war beeindruckend. Sie wollten ungeachtet all dessen, dass ihre Stimmen gehört werden und, dass sich die Einstellungen ihrer Community verändern. Es ist ein aufregender Zeitpunkt in der Geschichte der LGBT.

Credits


Text und Interview: Stuart Brumfitt

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