haben wir uns in caitlyn jenner getäuscht?

Ihre Unterstützung für Ted Cruz hat am Wochenende viele auf Twitter aufgeregt. Wir haben uns gefragt, warum.

von i-D Staff
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07 März 2016, 4:20pm

Am Wochenende gab es auf Twitter jede Menge Verwunderung darüber, dass Reality-TV-Persönlichkeit Caitlyn Jenner bestätigt hat, dass sie politisch auf Seiten der Republikaner steht.

Caitlyn Jenner, die letztes Jahr für Kopfschütteln gesorgt hat, als sie in einem Interview mit Diane Sawyer gesagt hat, dass sie sich „mehr auf der konservativen Seite des politischen Spektrums" verortet, hat angeboten, als „Trans-Botschafterin" Amerikas zu fungieren, wenn Ted Cruz Präsident wird. Daraufhin haben sich viele gefragt, ob die frühere Olympiagewinnerin überhaupt die ideale Kandidatin für diesen Posten wäre.

„Ich mag Ted Cruz", sagte sie in einem Interview mit der amerikanischen Schwulenzeitschrift The Advocate. „Ich glaube, dass er sehr konservativ und ein guter Verteidiger der amerikanischen Verfassung ist. Er ist sehr artikuliert. Ich mache hier keine Wahlwerbung oder ähnliches für ihn. Gleichzeitig denke ich aber auch: Er ist evangelikaler Christ und wenn es um Trans-Fragen geht, gehört er wahrscheinlich zu den schlimmsten Gegnern."

Nun, da könnte sie Recht haben. Der Gouverneur von Texas und einer der Führenden beim Vorwahlkampf der Republikaner lehnt LGBT-Rechte wie die Homoehe und Antidiskriminierungsgesetze ab. Im letzten Jahr hat er die Unterstützung von jungen Trans-Leuten durch die Obama-Administration als „Wahnsinn" bezeichnet. Außerdem ist folgende Aussage von ihm überliefert: „Ich möchte nicht, dass meine Töchter mit kleinen Jungen duschen müssen".

Caitlyn Jenner scheint aber eine Lösung für dieses Dilemma gefunden zu haben: „Wäre es nicht toll, wenn er, sagen wir mal, Präsident werden würde. Ich bilde zusammen mit Frauen einen Trans-Beirat, der ihn in allen Trans-Belangen berät. Wäre das keine gute Idee?"

Die Reaktionen auf Twitter sind eindeutig: Nein, wäre es nicht. „Caitlyn Jenner, ich habe offiziell jeglichen Respekt vor dir verloren", schrieb ein User sichtlich verärgert. „Ich war im Team Caitlyn". Ein User ist sogar soweit gegangen und hat seinen #IAmCait-Sticker von seinem Festplattenrekorder entfernt. In der Online-Community ist der Akt gleichbedeutend mit dem Umstoßen einer Statue.

Das muss doch ganz sicher nur ein schlechter Scherz sein. Caitlyn Jenner sollte zur einer neuen Art von Heldin für das 21. Jahrhundert werden. Ein Symbol für eine offenere und tolerantere Generation und Gesellschaft. Natürlich ist sie reich, weiß und privilegiert, aber das musste doch noch lange nicht heißen, dass sie auch so wählen muss. „Könnte es sein, dass wir die Falsche in unseren Reihen begrüßt haben?", fragen sich viele.

Als sie von Sawyer letztes Jahr gefragt wurde, ob sie Republikanerin sei, antwortete Jenner: „Ja. Ist das eine schlechte Sache? Ich bin für die Verfassung." Das muss es nicht notwendigerweise sein. Aber nach ihren Kommentaren vom Wochenende zu urteilen, hängt es davon ab, wie man die Verfassung auslegt.

Credits


Text: Matthew Whitehouse
Foto: via Twitter

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