schwarze models werden immer noch wie zu meiner zeit diskriminiert, sagt naomi campbell

Zusammen mit Diversity-Aktivistin Bethann Hardison spricht das ehemalige Supermodel über den Rassismus in der Modelindustrie und fordert Veränderungen.

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März 18 2016, 11:20am

Nach Nykhor Paul und Jourdan Dunn hat Leomie Anderson vor Kurzem darüber gesprochen, dass ein Auftritt auf dem Laufsteg nur ein kleiner Teil für die Akzeptanz von schwarzen Models ist. Viele haben es backstage mit Stylisten zu tun, die nicht ausgestattet sind, um mit den natürlichen Haaren und dunkleren Hauttypen der schwarzen Models zu arbeiten. Jetzt haben Naomi Campbell und Bethann Hardison in einem Interview mit Teen Vogue darüber gesprochen, warum schwarze Models und Diversity keine neue Phänomene sind, und wie sie in regelmäßigen Abständen Diskriminierung durch die Branche erfahren.

„Als ich jünger war, gab es dieselben Probleme. Bei Shows gab es backstage Stylisten, die keine Erfahrung mit schwarzen Models hatten", erklärt das Supermodel. Am Anfang ihrer Karriere hat sie oft ihr eigenes Styling-Kit mitgebracht. „Ich habe immer meine eigenen Produkte mitgebracht: mein eigenes Make-up, Haarprodukte—einfach alles, damit ich einen bestimmten Look erreiche." Diese Vorbereitung sei nicht das Ergebnis eines besonderen Einfallsreichtums gewesen, sondern sei wichtig gewesen, um überhaupt an Jobs zu kommen, so die Diversity-Aktivistin und das ehemalige Model Bethann Hardison. Wenn Stylisten nicht die Geräte, nicht die Fertigkeiten hatten, um mit den Haaren oder der dunkleren Haut schwarzer Models zu arbeiten, wurden sie einfach nicht mehr gebucht. Was zu einer Spirale führte. Ohne die Präsenz schwarzer Models hatten die Stylisten auch keine Möglichkeit, ihre Fertigkeiten zu verbessern oder zu lernen. „Wenn man keine schwarzen Models für eine Show bucht, bringt die ganze Theorie nichts", so Bethann Hardison weiter.

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Um diesen Spirale der Marginalisierung zu durchbrechen, hätten sie sich eurozentristischen Schönheitsidealen beugen müssen oder die Verantwortung gleich selbst übernehmen müssen. Models mussten einen Experten für die Haarstruktur haben, der wusste, wie sie zu stylen sind. Daraufhin sah man mehr Glatthaarverlängerungen auf dem Laufsteg: „Als die Mädchen anfingen, mit Extensions zu arbeiten, ging es darum, ihr Haar zu schützen als auch einen Job zu bekommen", sagt Hardison. Sie erinnert sich an Models wie Naomi Sims, die ihre eigenen Make-up-Produkte herstellte oder das ihr zur Verfügung stehende Material der Stylisten kreativ einsetzte, um die für sie ideale Farbe zu kreieren.

Und heutzutage? Campbell und Hardison beobachten immer noch, wie schwarze Models „gegen ein System kämpfen", genau wie sie damals. Gemeinsam mit Iman haben sie die Balance Diversity-Initiative gegründet. Die Plattform dient dazu, Vielfalt in allen Bereichen der Industrie zu fördern und auch umzusetzen. Zwar raten sie den heute aktiven schwarzen Models dazu, vorbereitet zu Shows und Shootings zu erscheinen, entlassen die schlecht ausgestatteten Stylisten aber nicht aus ihrer Verantwortung. Bethann Hardison rät schwarzem Models dazu, Social Media als Plattform zur Konfrontation zu nutzen: „Äußert euch. Auch wenn ihr nur ein oder zwei Leute damit erreicht und sich etwas verändert, ihr habt etwas erreicht." Nur wenn Ignoranz aufgedeckt und eine breitgefächerte Expertise unter Stylisten entwickelt wird, kann die Spirale aus Diskriminierung und Nicht-Repräsentation gestoppt werden. Letztlich geht es um nur darum, Chancengleichheit herzustellen.

balancediversity.com

Credits


Text: Emily Manning
Foto: Nick Knight
Styling: Edward Enninful
[The 30th Birthday Issue, no. 308, Pre-Fall 2010]