die psychedelischen collagen von eugenia loli

Wir trafen die Künstlerin und sprachen mit ihr über Sarkasmus, Science-Fiction und Spiritualität.

von Tish Weinstock
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16 Dezember 2015, 1:40pm

Natural History Museum

Geboren und aufgewachsen ist Eugenia Loli in Griechenland. Ihre Eltern verboten ihr, Malerei zu studieren, obwohl sie besser als die anderen in ihrem Jahrgang war. Stattdessen entschied sie sich für Informatik. Es dauerte aber nicht lange und sie kombinierte ihr IT-Wissen mit ihren kreativen Fähigkeiten, aus der sich ihre eigene künstlerische Ausdrucksweise entwickelte. Mit ihren surrealen Collagen hat sie sich eine Online-Fangemeinde von über 107.000 Follower aufgebaut und sie genießt schon jetzt Kultstatus.

Ihre Collagen bestehen aus Ausschnitten aus alten Zeitschriften, die sie neu zusammensetzt und die manchmal satirisch und politisch, manchmal spirituell und psychedelisch Statements beinhalten. Sogar ihre abstraktesten Arbeiten besitzen eine wahnsinnige Anziehungskraft, was daran liegen könnte, dass sie sich in ihren Werken mit der menschlichen Existenz an sich auseinandersetzt: Was Menschen als Kunst betrachten und wie sie sich damit identifizieren. In einer Welt, in der die Aufmerksamkeitsspanne nur so weit reicht wie der letzte Instagram-Post, sind es Künstler wie Eugenia Loli, durch die uns bewusst wird, wie oberflächlich und leer unsere Badezimmer-Selfies sind. Wer braucht schon den Amaro-Filter, wenn man stattdessen so großartige Kunst posten kann?

Gold Digging

Erzähle mir mehr über dich selbst und woher du kommst.
Ich wurde in Athen geboren, bin aber im Nordwesten Griechenlands aufgewachsen. Dann habe ich einige Jahre in der größten Stadt der Region gelebt, dann für ein paar Jahre in einem Bergdorf bei meinem Vater und später dann in einer nahelegenden Stadt. Nach dem Informatikstudium bin ich mit 23 Jahren nach England gegangen und später dann in die USA.

Hast du dich schon immer für Kunst interessiert?
Ja, als Kind habe ich gezeichnet, ich war viel besser als die anderen Kinder. Ich wäre gerne Künstlerin geworden, aber meine Eltern haben mir das nicht erlaubt. Das war rückblickend eine gute Entscheidung, da ich in Griechenland nie etwas geworden wäre. Es gibt doch keine Möglichkeiten.

The Sphinx

Hat dein Tech-Hintergrund deine künstlerische Vision beeinflusst?
Er hat nicht meine künstlerische Vision beeinflusst, sondern nur meine Marketingstrategien. Ich bin erfolgreicher als andere Collagenkünstler, aber nur weil ich weiß, wie ich das Internet und die Technologie zu meinem Vorteil einsetzen kann. Mir ist wichtig, wie ich meine Arbeiten online präsentiere, welche Links ich setze und auf welcher Hardware ich meine Arbeiten realisiere.

Wie würdest du deine Ästhetik beschreiben?
Sarkastisch ist wohl das geeignetste Wort, zumindest für den Großteil meiner Arbeiten. Ich versuche jedoch, einen abstrakteren Look zu kreieren und menschliche Aspekte außen vor zu lassen. 

Urban Camouflage

Wie würdest du deinen künstlerischen Schaffensprozess beschreiben?
Er ist nicht außergewöhnlich. Ich scrolle durch meine Bilder, bis ich ein passendes finde und damit arbeite ich dann.

Wer oder was inspiriert dich?
Spiritualität und Science-Fiction.

Was willst du mit deinen Arbeiten ausdrücken?
Meine Collagen waren anfangs politisch, dann wurden sie sarkastischer. Ich habe mich einfach über die menschliche Existenz an sich lustig gemacht. Über diese Phase bin ich aber hinweg und ich möchte mehr an psychedelischen, spirituellen und abstrakten Bildern arbeiten, die nichts weiter aussagen, als die im Bild dargestellte Ästhetik.

Spring Crop at the Rosseland Crater

Wo findest du deine Bilder?
In alten Zeitschriften, ich habe ungefähr 750 davon. Seit Neuestem suche auch im Internet, aber leider ist es fast unmöglich, Aufnahmen in einer hohen Auflösung zu finden.

Wie wichtig ist dir, eine Narrative in deinen Bildern zu haben?
Gefühlsmäßig brauche ich das. Ohne Drama wäre mein Interesse und das meiner Follower nicht so groß. Die Leute wollen Drama, damit sie sich damit identifizieren können. Das entwickelt sich meistens zu einer Narrative.

Discothéque

Du hast viele Follower. Wie erklärst du dir, dass deine Arbeiten so gut bei der digitalen Generation ankommen?
Die meisten meiner Follower sind junge Frauen. Viele davon sind nur daran interessiert, Pärchen oder Collagen, die mit Beziehungen zu tun haben, zu sehen. Der Rest interessiert sich für meine sarkastischen und lustigen Arbeiten. während ich die Experimentellen und Psychedelischen bevorzuge. Aber es sind die poppigen und einfacheren Collagen, die die Massen interessieren.

Wie sehr hat das Internet unsere Vorstellung von Kunst verändert?
Das Internet hat die Kunst nicht verändert. Kunst hat eine normale Entwicklung durchlaufen, die erwähnenswerteste Ausnahme ist eine neue Kunstform, das Meme. Was das Internet jedoch geändert hat, ist das Business hinter der Kunst. Es ist vergleichbar mit der Musik: Jeder kann jetzt zum Artist werden, ohne jedoch ein Label beziehungsweise eine Galerie zu brauchen. 

Was kommt als Nächstes für dich?
Ich möchte wirkliche Zeichnungen anfertigen und meine Collagen sollen abstrakter werden.

eugenialoli.tictail.com

Is There a Prize at the End of All This?

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Credits


Text: Tish Weinstock
Collagen: Eugenia Loli