mode meets technologie: fünf designer, die ihrer zeit voraus waren

Alle reden von Fashiontech. Aber ist es wirklich so neu? Vom Space-Age in den 60ern bis zum robotergesteuerten Ballett: Wir präsentieren dir visionäre Designer, die sich mit der Technologie ihrer Zeit eine neue Welt geschaffen haben.

von Emily Manning
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03 Mai 2016, 11:10am

Alljährlich am ersten Montag im Mai treffen die Reichen und Schönen auf die Elite der Modebranche, um die neueste Blockbuster-Ausstellung des Costume Institutes des New Yorker Met Museum zu feiern und Spenden zu sammeln. Dieses Jahr geht es bei Manus x Machina: Fashion in the Age of Technology um das Verhältnis zwischen Mode und Technologie. Zwar sind die Gäste nicht verpflichtet, sich nach dem Ausstellungstitel zu kleiden, viele tun es trotzdem gerne (siehe Miley Cyrus' von den Sex Pistols inspirierter Frisur oder Rihannas chinesisches Haute-Couture-Kleid). Zu den Co-Hosts der diesjährigen Gala gehörte Nicolas Ghesquière, einer der Tech-Nerds der Modebranche. Die Geschichte von Mode und Technologie ist um Jahrzehnte älter als die von Fashiontech, Instagram und Wearables, aus diesem Anlass präsentieren wir euch Designer, die sich von Technologie inspirieren ließen.

Thierry Mugler Herbst/Winter 1995
Muglers strukturierte Silhouetten hatten schon immer etwas Mechanisches an sich (siehe der von Cadillac inspirierte Bustier 1989 oder das berühmte Motorrad-Korsett aus dem Jahr 1992, das Beyoncé später adaptiert hat). Aber was er bei seiner Herbst-/Winter-Show 1995 dürfte sicherlich in die Katergorie Cyber-Chic fallen: ein Roboteranzug. Zwar lancierte Microsoft im selben Jahr eine breit angelegte Marketingkampagne zum Start seines benutzerfreundlichsten Betriebssystems Windows 95, aber inspiriert wurde Mugler zu dem Look von Fritz Langs Meisterwerk Metropolis von 1927 und dessen Mischung aus Technologie, Sex und Macht.

Andre Courrèges Frühjahr/Sommer 1964
Es dürfte kaum verwundern, dass der Modepionier der 60er bei Balenciaga in die Ausbildung gegangen ist, das vielleicht innovativste Luxushaus. Nachdem er 1961 Balenciaga verließ, setzte er seine eigene Vision von Mode um. Seine Frühjahr-/Sommerkollektion 1964 gehört zu seinen radikalsten: super kurze, eckige Kleider mit schmalen Hosenanzügen, was mit Astronauten-Boots, Brillen und Helmen in den Farben Silber und Weiß kombiniert wurde. Dank der außergewöhnlichen Formen und der Farbwahl wurde diese Kollektion „Space Age" getauft. Fünf Jahre designte er sein eigenes Elektroauto, La Bulle und wollte auch fernab der Modewelt etwas Neues wagen.

Alexander McQueen Frühjahr/Sommer 1999
Obwohl sich McQueen oft kritisch mit der Vergangenheit in seinen Kollektionen auseinandergesetzt hat (seine Abschlusskollektion am CSM, die von Jack the Ripper inspiriert war, oder seine politisierte „Highland Rape"-Kollektion 1995), er fand immer wieder Wege, technische Neuerungen in diesen Welten einzubinden. Kurz vor dem neuen Jahrtausend hat er sich innerhalb zwei Kollektionen 1999 mit der Menschlichkeit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Zu seinen bewegendsten Performances gehört der Tanz von Shalom Harlow mit zwei Graffitirobotern, die ihr Kleid besprühen. Ihre klassischen Ballettbewegungen ergeben zusammen mit den Bewegungen der Maschinen eine beeindruckende Performance. In der darauffolgenden Saison kreierte der britische Designer cleane, skulpturale Entwürfe, die mit Neonlichtern verdrahtet waren.

Hussein Chalayan Frühjahr/Sommer 2007
Der zypriotische Designer britisch-türkischer Abstammung hat schon immer mit Materialien Unmögliches möglich gemacht. Ob es sich dabei um die aus Tyvekstoff bestehende Jacke handelt, die Björk 1995 auf ihrem Post-Albumcover getragen hat oder die empfindlichen Kleider, die sich auf dem Laufsteg seiner Frühjahr-/Sommer-16-Show vor den Augen des Publikums aufgelöst haben. 2007 präsentierte er Kleider, die mithilfe geheimer Mechanismen auf dem Laufsteg ihre Form verändert haben. 3D-Druck war zwar 2007 nicht gänzlich unbekannt, aber mit seinen Entwürfen wies der Designer den Weg für 3D-Druck oder veränderliche Glasfasern, die auf den heutigen Laufstegen so präsent geworden sind.

Raf Simons Herbst/Winter 1998
Schon seit Langen inspirieren musikalische Jugendsubkulturen den belgischen Designer siehe seine von New Order inspirierte Kollektion 2003 oder seine Hommage an die Manic Street Preachers 2001. Dass er nicht nur auf New Wave oder Post Punk steht, bewies er 1998, als er sich von den deutschen Technopioniere Kraftwerk mit ihrem Album Mensch-Maschine aus dem Jahr 1978 beeinflussen ließ. Seine Models schickte er in roten Hemden und schmalen schwarzen Krawatten und kurzen Haaren auf den Laufsteg, um den retrofuturistischen Look der Band zu entsprechen.

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Text: Emily Manning

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