die neue ausgabe des polyester zine ist ein wahres meisterwerk

Mit einem 14-seitigen Editorial von Edward Meadham, einem Interview mit JD Samson und Fotos von unter anderem Maisie Cousins, Parker Day oder Ashley Armitage ist Issue Five das perfekte Mittel gegen den Post-Brexit Blues.

von Charlotte Gush
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29 Juli 2016, 1:24pm

Anna Dobos for Polyester Zine

Die vierte Ausgabe des Polyester Zines war ein echter Blockbuster. Mit Modeblog-Legende Tavi Gevinson auf dem Cover und Interviews mit Sanam Sindhi aus den Rihanna-Videos sowie der Londoner Drag-Künstlerin Victoria Sin legte man die Messlatte für die heiß erwartete fünfte Ausgabe doch sehr hoch. Zum Glück haben sich die Redakteurin Ione Gamble und ihre vor Kurzem erweiterte Crew dieser Herausforderung gestellt und dabei ihre ganze feministische Power in die Waagschale geworfen. Nun sind sie mit Issue Five am Start und auch dieses Mal könnten die Inhalte kaum brillanter und radikaler sein.

Kurz vor der anstehenden Launch-Party im Londoner Moth Club (inklusive Performances und DJ-Sets von DIANA, Edward Meadham, Moonchild, Lu Williams und dem Reel Good Film Club) haben wir uns mit Iona in Verbindung gesetzt, um von ihr einen exklusiven Einblick in die glanzvollen Seiten des Zines zu bekommen, das die Szene wieder im Sturm erobert wird.

Edward Meadham für Polyester 

Mit was hat sich das Polyester-Team seit der Veröffentlichung von Issue Four beschäftigt?
Vor allem mit der Arbeit an Issue Five! Diese Ausgabe ist unsere bis dato größte und darüber freuen wir uns natürlich sehr. Außerdem ist unser Team um zwei Mitglieder gewachsen: Eilidh Duffy ist jetzt Junior-Redakteurin und die Fotografin Chloe Sheppard steht mir jetzt als neuer Art Director zur Seite und hat mir auch direkt beim Layout der fünften Ausgabe geholfen. Es fühlt sich echt gut an, wenn neue Köpfe zum Polyester Zine beitragen.

Was hält Issue Five für uns bereit?
Sex- und Selbsthilfe-Kolumnen und Shootings von Fotografen wie etwa Maisie Cousins, Parker Day, Ashley Armitage, Chloe Sheppard, Rachel Hodgson oder Tayler Smith. Außerdem haben wir noch Leute wie die Filmproduzentin und Aktivistin Chloe Feller, die Performance-Künstlerin Liv Fontaine, die Discwoman-Crew im Gespräch mit dem SIREN-Kollektiv oder Le Tigres JD Samson am Start! Zudem hat Edward Meadham für die neue Ausgabe einen 14-seitigen Leitartikel geschrieben. Richtig stark. Und für die eine Hälfte des Doppelcovers hat Hobbes Ginsberg die Musikerin HANA abgelichtet. Die andere Hälfte stammt von Edward.

JD Samson fotografiert von Rachel Hodgson für Polyester

Im Vorwort schreibst du davon, dass sich die Welt stark verändert hat. Wie hat sich das auf die Ausgabe ausgewirkt?
Das Referendum zum EU-Austritt Großbritanniens fand statt, als die meisten Inhalte schon fertig waren. Das Ganze wirkt sich jedoch definitiv darauf aus, wie ich diese Ausgabe jetzt rückblickend betrachte. Und ich beziehe mich damit nicht auf das Ergebnis der Abstimmung selbst (wobei es natürlich ziemlich schlimm ist), sondern auf die negativen Folgen davon. Plötzlich erscheint alles so düster und hoffnungslos. Genau deshalb wollte ich etwas erschaffen, dass man als eine Art Gegenmittel für diese derzeit allgegenwärtige Hoffnungslosigkeit, Trauer und Wut ansehen könnte. Mein Ziel ist es, die Künstler und die Community im Umfeld von Polyester zu feiern und gleichzeitig unsere gesellschaftspolitischen Absichten und Erzählungen nach vorne zu bringen. 

Edward Meadham für Polyester 

Kannst du die neue Ausgabe des Polyester Zines in deinen Lieblingszitaten zusammenfassen?
„Horizontal gerichtete Gewalt kann man derzeit überall beobachten und das ist sehr gefährlich … Es ist wichtig, sich damit zu beschäftigen, was sonst noch so los ist. Wir leben nämlich in unseren eigenen kleinen Welten und verlieren uns richtig darin, weil alles so perfekt läuft. Dabei vergessen wir dann aber schnell, dass wir eigentlich wirklich fortschrittliche und radikale Leute sind und es so viel mehr zu bekämpfen gibt als uns selbst." - JD Samson

„1.) Wann hast du festgelegt, dass dein eigentliches Ich nicht mehr gut genug ist? 2.) Was, wenn Weiblichkeit etwas sein könnte, dass ich durch mein Gemüt und mein Handeln verkörpere, anstatt eine vorgeschriebene Reihe an Eigenschaften, wegen derer ich mich schlecht fühle? 3.) Ich will hübsch sein, aber noch lieber will ich nicht hübsch sein wollen." - aus Ashley Armitages Schönheits-Manifest, gesagt von einer ihrer Musen

Zum Thema Minderheitendarstellung: „Die Mainstream-Medien lassen die Leute sich nicht mehr selbst definieren. Genau darauf basiert auch so viel von dem Scheiß, der um uns herum passiert—also auf den nicht gestellten Fragen, wie man dargestellt werden will oder wie etwas ablaufen soll. Warum kann man nicht einfach darüber berichten, dass Künstler tolle Dinge erschaffen, die wirklich etwas bewegen und einen Einfluss haben? Warum muss man daraus ein Nischen-Ding machen? Man presst so etwas damit in eine Schublade und genau so werden es die Leute für immer im Gedächtnis behalten und konsumieren." - Chloe Feller

„Respekt ist eine Sache, die nicht einfach beizubringen ist und die man den Leuten einfach aufzwingen muss." - HANA

„Hat man jemals schon mal einen Mann als theatralisch bezeichnet? Nein, denn das ist uns überemotionalen, leicht zu kriegenden sowie mit Vaterkomplex und Alkoholsucht behafteten Frauen vorbehalten." - Liv Fontaine

Hana fotografiert von Hobbes Ginsberg für Polyester

Ashley Armitage für Polyester

Chloe Sheppard für Polyester

Zhala fotografiert Märta Thisner für Polyester

Du kann das Polyester Zine hier bestellen.

Credits


Text: Charlotte Gush