Fotos © Pansy Magazine

Dieses neue Magazin bricht mit maskulinen Stereotypen

"Pansy" möchte, dass du deinen Vater ignorierst, wenn er dir verbietet, deine glitzernden Hot Pants zu tragen.

von Zio Baritaux
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17 Dezember 2018, 11:50am

Fotos © Pansy Magazine

Perlenohrringe, Rouge und strahlende Haut – nicht unbedingt Attribute, die man mit einem "Männermagazin" in Verbindung bringt, außer sie gehören zu einer attraktiven Blondine. Doch die neu erschienene Publikation Pansy bricht mit genau diesem Vorurteil. "Bei Pansy geht es um progressive, extrovertierte, freche Bilder, die Männlichkeit und Macho-Maskulinität mit Spaß entgegentreten", sagt der 23-jährige Gründer und Redakteur Michael Oliver Love. "Die Fotos sind gleichzeitig verspielt und mächtig." Die 100 Seiten dicke Debüt-Ausgabe enthält Dutzende solcher Editorials: Schlanke Männer mit unglaublichen Wangenknochen in pinken Leggings mit High-Heels, skulpturalen Ohrringen und Blumenhüten, aber auch glitzernde Jumpsuits in einem Feld fluffiger Lamas. "Durch diese Bildsprache repräsentieren wir eine neue Männlichkeit, die unabhängig von den typischen gesellschaftlichen Normen existiert", meint Love im Gespräch mit i-D. "Es ist tiefgründig, aber auch ziemlich süß."

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Wo bist du aufgewachsen?
Ich bin in einer idyllischen, kleinen Stadt am Meer aufgewachsen, die voll mit Eheleuten und Rentner-Wohnheimen war. Es ist ganz bestimmt ein toller Ort, um seine Rente zu genießen, doch für ein queeres Kind fühlte es sich sehr konservativ und unmodern an. Die typische Kleinstadtmentalität mit problematischen Vorstellungen, vor der so viele von uns flüchten ...

Und wann hast du dich geoutet?
Ich habe mich geoutet – oder besser gesagt, wurde dazu gezwungen –, als ich 17 Jahre alt war. Long story short: Mein kleiner Bruder hat sich meine Kamera ausgeliehen, auf der einige eindeutige Bilder von mir und meinem damaligen Freund zu sehen waren. Meine Eltern haben dann die Fotos gesehen und kamen zu mir. Das war vielleicht ein Spaß! Es war ein langer, konfliktreicher Weg inklusive heimlicher Dates, religiösen Interventionen und innerer Zerrissenheit, bis ich endlich zu dem Punkt gelangte, an dem ich offen und ausgeglichen leben konnte. Aber die alptraumhafte Vorstellung, wie meine Eltern auf diese Neuigkeit reagieren würden, traf tatsächlich nicht ein. Sie waren eine große Unterstützung und gaben mir das Gefühl, geliebt zu werden.

Pansy Magazine

Warum hast du dein Magazin Pansy genannt?
Das Wort wurde lange dafür genutzt, Männer zu degradieren, die als "unmännlich" angesehen wurden. In meiner Heimatstadt war so eine Art zu sprechen ganz normal, deswegen wollte ich zurückschlagen. Pansy heißt für mich heute Mut. Es bedeutet Normen zu trotzen und seine eigene Einmaligkeit zu zelebrieren. Ich möchte das Wort zurückerobern und zu einer Eigenschaft machen, die für Grenzüberschreitung steht.

Die Beschreibung des Magazins ist großartig: "Pansy is about not listening to your dad when he says you can't wear your flared, bedazzled hot pants." War das eine reale Erfahrung?
Irgendwie wünschte ich, ich hätte so eine Erfahrung selbst gemacht, aber ich durfte immer meine Hotpants tragen, weil mein Vater einfach der Beste ist. Trotzdem ist es wichtig zu sagen, dass Pansy für jeden Menschen gedacht ist. Es ist für queere und heterosexuelle, coole und auch langweilige Menschen – alle sind willkommen. Aber jetzt mal ehrlich, es geht weniger darum, für wen es bestimmt ist als um die Gesamtaussage: Gender-Grenzen einzureißen und etwas Frisches zu präsentieren, an dem alle Freude haben können.

Pansy Magazine

Wie entstehen die ganzen Ideen für Shootings?
Ich wollte etwas erschaffen, das einem visuellen Wunder gleicht und deine Augen verzückt. Da alles auf freien Einsendungen basiert, war ich schon fast schockiert, wie viel schöner Content mir aus der ganzen Welt zugeschickt wurde. In Zukunft würde ich gerne mehr Meinungstexte und Interviews einbinden – jetzt ist erst der Anfang!

Was würdest du deinem jüngeren Ich gern mit auf den Weg geben?
Mache dir niemals die blonden Strähnen!

@pansymag

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This article originally appeared on i-D US.