Kai Avent-deLeon und Armina Mussa. Armina fotografiert von Camila Falquez.

8 Schwarze Frauen über ihre Repräsentation in der Popkultur

"Schwarze Frauen sollen nicht nur die Möglichkeit haben, ihre Geschichten auf der Leinwand zu sehen, sondern auch diejenigen sein, die sie dorthin bringen."

von Zio Baritaux
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07 Februar 2019, 2:59pm

Kai Avent-deLeon und Armina Mussa. Armina fotografiert von Camila Falquez.

Zugegeben, man sieht heute mehr Schwarze Frauen in der Popkultur wie nie zuvor. Dennoch: Im Vergleich zu Weißen Frauen sind sie noch immer stark unterrepräsentiert. Von den 100 erfolgreichsten Filmen aus dem Jahr 2017 wurden beispielsweise nur 2,5 Prozent der Rollen mit Redeanteil mit Schwarzen Frauen besetzt. Doch das Problem ist nicht nur die Inklusion, es ist die gravierende Fehldarstellung. Sobald Schwarze Frauen in Filmen, Serien oder Musikvideos auftauchen, werden sie oft objektiviert oder stereotypisiert. Wie eine Studie der Plattform Essence 2013 herausfand, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwarze Frau negativ dargestellt wird, zwei Mal höher, als dass ein positives Bild geschaffen wird.


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"Schwarze Frauen sind facettenreiche, multidimensionale Individuen, die eine große Bandbreite an Gefühlen, Emotionen, Identitäten und Erfahrungen haben", sagt Shydeia Caldwell, Gründerin von Black Girl Magik. "Das Problem ist, dass die Popkultur nur eine eindimensionale Vorstellung schwarzer Weiblichkeit generiert."

Wir haben acht inspirierende Schwarze Frauen gebeten, ihre Gedanken zur Repräsentation in der Popkultur zu teilen. In den aufschlussreichen Interviews sprechen sie über gefährliche Stereotype, ihre liebsten Bücher und ihre Pläne, das Narrativ ein für allemal zu verändern.

Kenesha Sneed
Kenesha Sneed

Kenesha Sneed, Art Director und Künstlerin

Mit welcher Serie, welchem Film oder Buch konntest du dich in deiner Kindheit am meisten identifizieren?
Meine Mutter achtete immer auf Diversität. Ihr war es wichtig, dass im Haus Bilder von schwarzen Künstlern hingen, auf denen Schwarze Menschen gezeigt wurden. Wir sollten uns darin wieder erkennen. In den 90er Jahren gab es diese ikonischen TV-Shows, doch es dauerte, bis ich Crooklyn mit Zelda Harris entdeckte. Endlich konnte ich mich wirklich mit einer Rolle identifizieren. Sie war nett und gleichzeitig dreist, mit ihr wollte sich niemand anlegen.

Und heute? Gibt es Bücher oder Filme in der aktuellen Popkultur, die Schwarze Weiblichkeit besonders gut darstellen?
Im letzten Jahr habe ich Eloquent Rage von Brittney Cooper gelesen. Hier wirst du dazu gebracht, dich der Verletzlichkeit hinzugeben, ganz tief in sie einzutauchen. Cooper packte mich mit dem Satz "Our victories belong to everyone, even though we do all the work" – ich bin noch immer ganz gerührt. Außerdem liebe ich die Serie Insecure. Ich bin davon überzeugt, dass Issa Rae und ich eigentlich Schwestern sind, die bei der Geburt getrennt wurden ...

Was muss sich ändern?
Ich habe das Gefühl, dass es noch ganz viel Raum für mehr Diversität und Inklusion gibt, nicht nur im Fernsehen oder Film, in jedem Bereich. Schwarze Frauen arbeiten so hart, deswegen ist es auch wichtig, uns für die Energie und Zeit zu bezahlen, die wir investieren.

Was können wir alle tun, um dabei zu unterstützen?
Es muss mehr Women of Color in Führungspositionen geben, damit sie Entscheidungen treffen können, die unsere visuellen Einflüsse verändern. Es geht nicht nur darum, ein Schwarzes Model als Gesicht deiner Marke zu engagieren – die Stimmen im Hintergrund, in den Kreativmeetings müssen genauso divers und inklusiv sein.

Candace Reels
Candace Reels

Candace Reels, Gründerin von Female Collective

Kannst du dich noch daran erinnern, als du das erste Mal ein Buch gelesen oder einen Film geschaut hast, mit dem du dich wirklich identifizieren konntest?
Einige meiner liebsten Serien waren The Fresh Prince Of Bel-Air, Sister, Sister, Family Matters und Kenan & Kel, aber die Sendung, mit der ich eine echte Verbindung spürte, war Moesha. Es geht um eine schwarze Jugendliche, die in Los Angeles aufwächst. Ich war zwar viel jünger als sie, aber auch ich war ein Schwarzes Mädchen in L.A.. Die Möglichkeit eine mittelständische Schwarze Familie im TV zu sehen, war für mich unglaublich wichtig – das gab es nicht so häufig. Repräsentation ist relevant, damit du merkst, dass auch du jemand bist, der anerkannt wird.

Gibt es eine Serie oder ein Buch, das es besonders gut schafft, Schwarze Weiblichkeit darzustellen?
Living Single, auch wenn ich noch zu jung war, die Serie wirklich zu verstehen. I Know Why the Caged Bird Sings von Maya Angelou ist mein Lieblingsbuch. Jedes von ihr ist absolut empfehlenswert!

Was stört dich an der Darstellung Schwarzer Frauen in der Popkultur?
Dass es immer noch nicht genug Schwarze Frauen in der Popkultur gibt. Schwarze Frauen sollen nicht nur die Möglichkeit haben, ihre Geschichten auf der Leinwand zu sehen, sondern auch diejenigen sein, die sie dorthin bringen. Wir müssen vor, auf und hinter dem Bildschirm aktiv sein.

Wie setzt du diese Veränderung in Gang?
Bei Female Collective teile ich meine Erfahrungen als Schwarze Frau, genauso wie die Geschichten anderer Schwarzer Menschen. Jede Erfahrung ist anders, das müssen die Leute erkennen. Ich weiß, wie es ist, als junges Schwarzes Mädchen aufzuwachsen und mich nicht repräsentiert zu fühlen – das will ich für die nächste Generation ändern. Ich will, dass die Schwarzen Mädchen von heute wissen, dass ihnen ein ganz großes Stück des Kuchens zusteht. Lasst uns weiterhin unsere Geschichte teilen und einander unterstützen, denn wir können alles erreichen. Alles was wir wollen.

Armina Mussa by Camila Falquez
Armina Mussa by Camila Falquez

Armina Mussa, Künstlerin

Mit welchem Buch konntest du dich in deiner Kindheit am meisten identifizieren?
Mufaro’s Beautiful Daughters von John Steptoe und The Rough-Face Girl. Ich weiß noch genau, wie mich beide Bücher in einen emotionalen Trance-Zustand versetzt haben. Die Illustrationen haben mein Interesse für Kunst geweckt – sie waren so schön dunkel. Diese Geschichten spiegelten gewisse Aspekte meines Leben wider. Beide sind in dem gesellschaftlichen Konstrukt von Weiblichkeit verankert: junge Mädchen, die die Bestätigung eines Mannes suchen. In meiner Kindheit habe ich so etwas mit meinen eigenen Augen gesehen, bei meiner Mutter und meinen Tanten.

Und heute? In in welcher Serie, welchem Buch oder Film wird Schwarze Weiblichkeit besonders authentisch dargestellt?
Ich liebe den Film Girlhood, genauso wie die gleichnamige Doku. Beides sind sehr starke Werke über Schwarze Frauen in Amerika und Europa. Die Dokumentation von Liz Garbus reflektiert das Leben von zwei Gefängnisinsassinnen. Shanae hat bereits erschütternde Traumata durchlebt. Als sie zehn war, erlitt sie eine abscheuliche Gruppenvergewaltigung, es folgten Alkohol- und Drogenmissbrauch, dann tötete sie einen Freund. Megan wuchs mit einer Heroin-abhängigen Mutter auf. Nachdem sie aus zahlreichen Pflegeheimen abgehauen ist, versuchte sie, ein anderes Kind niederzustechen. Auch wichtig: Toddler-Hunting and Other Stories von Taekon Kono, eine der wichtigsten japanischen Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Es geht um das Frau-Sein. Everybody Dies von Frances Bodomo. Marpessa Dawn in Black Orpheus. The Transformation of Silence into Language and Action von Audre Lorde. The Emancipation of Mimi von Mariah Carey, eines meiner Lieblingsalben. Ich fühle mich jedes Mal in meine Teenie-Zeit zurückversetzt.

Was stört dich an der Darstellung Schwarzer Frauen in der Popkultur?
Weiße Frauen stehen für sich selbst ein, Schwarze wollen hingegen kämpfen. So das Narrativ. Wir werden nicht gesehen. Die Gesellschaft hat es erfolgreich geschafft, die kulturelle Seele Schwarzer Frauen auszubeuten. Wir alle fühlen einen immensen Schmerz, aber sind immer noch in der Lage ihn zu erdulden. Wir sind wie ein Lichtblick, geistreich und zart.

Wie ist eine bessere Zukunft möglich?
In meiner Arbeit spreche ich über meine Traumata, damit ich – genau wie andere Schwarze Frauen auch –, die Erlebnisse besser verarbeiten kann. So entsteht eine sehr tiefe Verbindung mit denen (fast alle Schwarze Frauen), die sexuellen Missbrauch und Verrat erlebt haben. Ich könnte mir vorstellen, abgeschiedene Orte zu erschaffen, in denen nur wir existieren – fuck the world we live in. Das meine ich aber nur zum Teil wörtlich, wir benötigen definitiv Räume, in denen wir unter uns sind. Ohne sexualisiert und kulturell ausgebeutet zu werden.

Anajah
Anajah

Anajah, Musikerin

Wann hast du dich das erste Mal wirklich mit jemanden in der Popkultur identifiziert?
Ich hatte schon immer eine Faszination für Serien, die eine starke Frau in der Hauptrolle hatten. Doch wenn es darum ging, eine Rolle zu finden, die auch noch so aussah wie ich, muss ich definitiv Proud Family und Sister, Sister nennen. In den 2000ern kann ich mich aber kaum an Serien erinnern, in denen Schwarze Frauen eine tiefe oder komplexe Rolle spielten. Schwarze Mädchen waren immer die freche Handlangerin, aggressiv oder gemein. Deswegen war es schön, Frauen im TV zu sehen, mit denen ich mich nicht nur physisch identifizieren konnte, sondern die tatsächlich auch eine Persönlichkeit, Probleme in der Schule oder mit den Eltern hatten. Es war erfrischend, dass solche realen Situationen gezeigt wurden.

Und heute?
Eine aktuelle Serie, die es gut schafft Schwarze Frauen darzustellen, ist Grown-ish. Sie ist großartig, witzig und spricht Themen an, die Schwarze Frauen auch untereinander diskutieren. In der Vergangenheit hat die Serie Girlfriends Maßstäbe gesetzt. Die Serie handelt von vier Schwarzen Frauen, die aus komplett verschiedenen sozioökonomischen Hintergründen kommen, aber alle gleichermaßen zielorientiert sind. Jede Figur ist einmalig, mit sehr tiefgründigen Entwicklungen in der Persönlichkeit. So finden alle Zuschauer eine Rolle, mit der sie sich identifizieren können.

Was stört dich heute an der Art, wie Schwarze Frauen in der Popkultur präsentiert werden?
Jedes Mal, wenn wir den Mund aufmachen, werden wir als "Angry Black Women" kategorisiert. Ständig als wütend angesehen zu werden, diskreditiert uns und gibt Menschen eine Rechtfertigung, uns nicht als echte Menschen anzusehen, die Liebe und Respekt verdienen. Die das Recht darauf haben, zu existieren. Die mehr Emotionen haben als nur Wut – mit intellektuellen, komplexen Gedanken. Wut ist ein Synonym für viele negative Eigenschaften. Dadurch werden Schwarze Frauen in viele gefährliche und unsolidarische Situationen gebracht. Eine "Angry Black Woman" zu sein, kreiert schädliche Vorstellungen über Schwarze Weiblichkeit und spricht uns unsere angeborene Femininität ab. Die Diskussion kommt immer wieder auf, sobald etwas Großes in den Medien passiert. Alles was wir sagen, wird als Clickbait gegen uns verwendet. Es ist ungerecht, dass wir keine Möglichkeit haben, zu artikulieren, wie wir uns fühlen, ohne dafür attackiert und als hasserfüllt betitelt zu werden.

Was möchtest du gegen diese Diskriminierung unternehmen?
Ich verändere diese Problematik, indem ich meine Plattform als Sprachrohr nutze und über zeitrelevante Dinge spreche. Ich nutze meine Musik, um die multidimensionalen Aspekte der Schwarzen Weiblichkeit aufzuzeigen. Eine Schwarze Frau zu sein, darf nicht als eine minderwertige Form der Existenz angesehen werden. Wir dürfen uns unseren Mund nicht verbieten lassen.

Und was sollten wir alle zu Herzen nehmen?
Verändert eure Sicht auf Schwarze Frauen. Hinterfragt eure Vorstellungen und seht uns als das, was wir sind: Menschen. Wir dürfen nicht für Stereotype verantwortlich gemacht werden. Jeden Tag versuchen wir, sie aufzulösen. Jede auf ihre eigene Weise.

Rikki Wright
Rikkí Wright

Rikkí Wright, Fotografin

Mit welcher Serie, welchem Film oder Buch konntest du dich in deiner Kindheit am meisten identifizieren?
Crooklyn von Spike Lee. Er schaffte es spielerisch, verschiedene Teile meines Lebens durch die Rolle der Troy zu veranschaulichen. Für alle, die den Film noch nicht gesehen haben: Eine Familie verlässt Brooklyn für einen Trip in den Süden, wo sie wohlhabende Verwandte besuchen wollen. Troy verbringt den gesamten Sommer bei ihnen – genau das haben meine Schwester und ich auch gemacht. Nachdem unsere Mutter verstorben ist, waren wir jeden Sommer bei ihren Verwandten im Süden. Ich konnte mich gut in Troy hineinversetzen, als sie ihre Mutter verloren hat. Es war wichtig für mich, zu sehen, wie sie mit der Trauer umging.

Gibt es heute ein Buch, das die verschiedenen Facetten Schwarzen Frauseins besonders gut einfängt?
In den letzten Jahren habe ich verstärkt die Autobiografien von Dr. Maya Angelou gelesen. Sie hat ganze sieben autobiografische Bücher zwischen 1969 und 2013 verfasst, die alle Themen wie Rassismus, Identität und Familie beinhalten. Damit beschäftige ich mich auch in meiner Arbeit. Manchmal mache ich mit meinen Freunden Witze darüber, dass sie mir Dinge aus dem Jenseits beibringt. Ihre Bücher sind eine greifbarer Bericht über jemanden, der wächst, erwachsen wird, Fehler macht und aus ihnen lernt.

Was stört dich an der Darstellung Schwarzer Frauen in der Popkultur?
Der Fakt, dass es keine Schwarzen Frauen sind, die versuchen uns zu repräsentieren, zu porträtieren, unsere Geschichten zu erzählen. Klar, mehr Schwarzen Frauen wird heute diese Möglichkeit gegeben, aber wir brauchen sehr viel mehr. Der Raum ist da.

Was möchtest du gegen diese Schieflage tun?
Ich beanspruche meine Position als Geschichtenerzählerin. Wenn ich kreiere, schreibe, fotografiere, dann kann ich unsere Geschichte in den Geist und in das Herz derer eingravieren, die meine Arbeit sehen. Einen ehrlichen Einblick in das Leben einer Schwarzen Frau geben. Als Mittel, anderen etwas beizubringen.

Valencia D. Clay
Valencia D. Clay

Valencia D. Clay, Lehrerin

Gab es in deiner Kindheit eine Figur in einem Film oder Buch, mit der du dich besonders gut identifizieren konntest?
Als ich in der achten Klasse war, habe ich den Film Just Another Girl on the I.R.T. gesehen und das Buch The Coldest Winter Ever gelesen. Ich konnte mich in den beiden Hauptfiguren Winter und Chantel wiederfinden, da ich einen ähnlichen Weg wie sie ansteuerte: Ich habe ausschließlich Typen gedatet, die mich finanziell versorgen konnten. Egal wie sie ihr Geld beschafften. Genau wie die beiden kam auch ich aus New York, war smart, nur meine Prioritäten lagen nicht unbedingt auf der Schule. Winter und Chantel zeigten mir, was auch mir werden könnte, wenn ich nicht anfange, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und meine Ausbildung wichtiger als materialistischen Nonsens zu nehmen.

Und welche Bücher würdest du heute empfehlen, wenn es um die Darstellung Schwarzer Frauen geht?
Sula von Toni Morrison, Their Eyes Were Watching God von Zora Neale Hurston, Sister Outsider von Audre Lorde, A Raisin in the Sun von Lorraine Hansberry, I Know Why the Caged Bird Sings von Maya Angelou. Alles Klassiker, die uns in verschiedenen Formen zeigen. Jede der Hauptfiguren dieser Bücher bringt uns bei, wie wir entdecken können, wer wir sind und wie wir das ultimative Ziel erreichen: die Freiheit zu wachsen.

Was stört dich an der Art, wie Schwarze Frauen in der Popkultur porträtiert werden?
Schwarze Frauen im Reality TV werden häufig als verbittert, untergeordnet, irrational, melodramatisch und sowohl verbal, als auch physisch gewalttätig dargestellt. Ja, manchmal verhalten wir uns so, aber auch nur, wenn wir keinen anderen Weg finden, mit unserer Wut umzugehen. Statt uns zu ermutigen und zu unterstützen, Hilfe zu suchen und anderen zu zeigen, wie auch sie es machen können, propagieren die Medien eine Kultur gebrochener Schwarzer Frauen als Mittel des Entertainments.

Was können wir tun, um das zu ändern?
Wir müssen zum Ursprung dieses Problems zurückgehen, statt uns von ihm entwurzeln zu lassen. Wir müssen mehr über den Trauerprozess lernen und verstehen, wie wir die Reise Richtung Akzeptanz meistern können, ohne in Wut zu leben. Als Lehrerin nutze ich so oft es geht stärkende Gesprächskreise, damit die emotionale Intelligenz gefördert wird. Es braucht zwar etwas mehr Vorbereitung, eine gewisse Achtsamkeit in den täglichen Unterricht zu integrieren, aber es wird meine Teenage-Girls auf dem Weg ins Erwachsenenleben positiv beeinflussen.

Kai
Kai Avent-deLeon

Kai Avent-deLeon, Gründerin von Sincerely Tommy

Welche Filme haben dich am meisten in deiner Kindheit geprägt?
Welcome to the Dollhouse und Crooklyn. Ersterer ist ein echter Kultklassiker. Es geht um ein etwas schrulliges Mädchen, das tatsächlich ziemlich coole Interessen hat. Außerdem ist sie die einzige "Denkerin" in ihrer Familie und in der Schule. Sie passte einfach nicht rein – in einer großartigen Weise. Crooklyn ist sehr nostalgisch. Ich bin nur ein paar Häuserblocks vom Drehort entfernt aufgewachsen und bin mit meiner Mutter oft an der Produktion vorbeigelaufen. Sie fragten sogar, ob ich als Komparsin mitwirken wolle. Ich weiß noch, dass ich den Film so gerne mochte, weil das Mädchen so war wie ich.

Was ist das größte Problem an der Darstellung Schwarzer Frauen in der Popkultur?
Women of Colour werden viel zu häufig als ein gewisser "Typ" porträtiert. Aber es gibt uns in diversen Formen, Größen und Tönen, die in der Mode und dem Entertainment-Bereich oft unter den Teppich fallen. Ich bin zum Beispiel ein Film-Nerd. Ich bin daran gewöhnt, alle möglichen Weißen Frauen zu sehen. Oder eine Schauspielerin, die für die unterschiedlichsten Rollen engagiert wird. Aber Schwarze Schauspielerinnen oder Models werden in vielen kreativen Bereichen eingeschränkt. Wir haben nicht dieselbe Plattform, um zeigen zu können, dass wir nicht nur in drei Varianten daherkommen.

Shydeia
Shydeia Caldwell

Shydeia Caldwell, Gründerin von Black Girl Magik

Welches Buch hat dich in deiner Kindheit besonders geprägt?
Die ersten Bücher, mit denen ich mich identifizieren konnte, waren von Sister Souljah, Sharon G. Flake und Joyce Hansen. Während meiner Jugend hat uns meine Mutter fast jedes Jahr auf eine neue Schule geschickt. Es war schwierig für mich, bedeutsame und langfristige Beziehungen aufzubauen. Während dieser Episode meines Lebens habe ich eine unersättliche Liebe für Bücher entwickelt. Sie wurden zum Symbol für Geborgenheit und Beständigkeit. Sie gaben mir einen Einblick in diverse Realitäten, ohne diese Erfahrungen tatsächlich selbst durchleben zu müssen. Die Geschichten haben mich stärker gemacht, mich gebildet und informiert. Besonders die Bücher von Sister Souljah waren wichtig für mich, da ich mich sehr mit den Erlebnissen der schwarzen Hauptfiguren identifizieren konnte. Ich fühlte mich mit den Geschichten von Frauen verbunden, die so aussahen wie ich. Da ich nicht auf die Erfahrungen älterer Cousinen oder anderer Mädchen in meinem Alter zugreifen konnte, lernte ich alles Wichtige durch Bücher.

Welche Werke kannst du auch heute noch weiterempfehlen?
Die folgenden Bücher, Filme und Musikvideos zeigen die Schönheit schwarzer Frauen: Rebirth is Necessary von Jenn Nkiru. Some Sing, Some Cry von Ntozake Shange und Ifa Bayeza. Nina von Anaïs. The Ancestors Came von Cecile Emeke. Daughters of the Dust von Julie Dash. Besonderen Nachklang haben Daughters of the Dust und Some Sing, Some Cry hinterlassen.

Was ist so problematisch an der Art, wie Schwarze Frauen in der Popkultur dargestellt werden?
Die Annahme, dass Schwarze Frauen immer nur auf eine Sache reduziert werden, dass sie nie multidimensional sein können. Die Popkultur hat Prototype kreiert. Prototype, die bestimmen, welche Intelligenz, Schönheit und Humor passend für Schwarze Frauen sind. Ein unglaublich schädliches Bild, das sich in die Popkultur und das gesellschaftliche Bewusstsein eingeschlichen hat: dass Schwarze Menschen aus einkommensschwachen Gegenden kein kultiviertes und informiertes Verständnis der Welt haben. Solche Unterstellungen sind rassistisch. Darstellungen, die unsere Tiefe nicht sorgfältig porträtieren, sprechen uns unsere Menschlichkeit ab. Es ist gefährlich, Schwarze Frauen zu verewigen ohne die Schönheit unserer Vielschichtigkeit, ohne Raum für Möglichkeiten.

Wie kann Black Girl Magik helfen, diese Darstellung positiv zu verändern?
Black Girl Magik kreiert einen Raum für angemessene Repräsentation, indem schwarze Frauen die Chance bekommen, sich selbst zu vertreten. Unsere Workshops, der Online Content, die Produktionen und unsere Community sind für Schwarze Frauen von Schwarzen Frauen gemacht. Andere können den Umbruch vorantreiben, indem sie uns Hilfsmittel und finanzielle Unterstützung zukommen lassen – an Schwarze Frauen, die Räume erschaffen und die Arbeit Schwarzer Frauen teilen.

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.