Foto: Screenshot von YouTube

Wie du dich nachts gegenüber Frauen auf der Straße verhalten solltest

Das sind nur ein paar wenige Vorschläge, die Männer beherzigen können, damit sich Frauen sicherer auf ihrem Nachhauseweg fühlen.

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Juli 2 2018, 1:28pm

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So viele schreckliche Gedanken gehen Frauen durch den Kopf, wenn sie nachts alleine nach Hause laufen. Ich meide Hecken, weil ich nicht aufhören kann, mir vorzustellen, wie mich ein Paar schlangenartiger Arme in den Busch zieht und erwürgt. Wenn Autos auf leeren Straßen an mir vorbeifahren, laufe ich im Schatten und versuche, unsichtbar zu werden. Jemand könnte mich in sein Auto ziehen und entführen. Dabei will ich einfach nur Beyoncé hören und schnell nach Hause kommen. Stattdessen muss ich immer bereit sein und mir überlegen, wo ich im Ernstfall zuerst hintrete: in die Eier, natürlich.


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Ich bin mir ziemlich sicher, dass Männer nicht mal die Hälfte dessen glauben, was Frauen täglich erleben, wenn sie öffentliche Räume betreten. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem jungen Mann, den ich mit 17 gedatet habe. "Du erhältst viel Aufmerksamkeit, oder?", fragte er mich, als mich einige Männer aus einem vorbeifahrenden Auto angemacht haben. Ich musste ihm die Szene erklären: So verhalten sich Männer allen Frauen gegenüber. Es spielt keine Rolle, ob du gerade mit roten Kopf aus dem Fitnessstudio kommst oder schwer beladen aus dem Supermarkt nach Hause läufst. Alles, was Männer sehen: ein weibliches Wesen mit Brüsten und schulterlangen Haaren. Er glaubte mir immer noch nicht.

Das Problem ist Folgendes: Die Gesellschaft legt die Verantwortung für dieses Verhalten auf den Frauen ab, anstatt bei den Verursachern der sexuellen Belästigung – den widerlichen Typen – anzusetzen. Frauen besuchen Selbstverteidigungskurse, um zu lernen, wie sie sich selbst schützen können. Frauen kaufen sich Pfefferspray und tragen absichtlich keine knappe Kleidung – in der sie eigentlich umwerfend aussehen –, um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Nicht ohne Grund wurde die "Ich bin sicher zu Hause angekommen"-Nachricht zum Standard unter Freundinnen.

Frauen, die nachts alleine nach Hause gehen, werden als dumm oder naiv dargestellt. "Nimm doch ein Taxi" wird Frauen geraten, aber wir sollten kein Geld bezahlen müssen, um uns in unserer eigenen Stadt sicher fortzubewegen. Und angesichts der Berichte von sexuellen Belästigungen durch Taxifahrer, ist Taxifahren auch keine wirklich sichere Option.

Damit wir uns sicherer auf den Straßen fühlen, kommen hier ein paar Vorschläge für Männer – von einer Frau.

Benimm dich wie ein normaler Mensch
Mach einfach nichts Komisches. Eigentlich ganz einfach. Laufe nicht an einer Frau vorbei und schau sie dabei an, als ob du sie gleich verspeisen willst. Pfeife Frauen auch nicht hinterher. Sag nichts Ekliges wie "Du bist aber spät unterwegs!" oder "Dein Freund lässt zu, dass du so in der Öffentlichkeit rumläufst?". Und mach weder unseren Beinen, unserem Arsch noch unseren Brüsten Komplimente. Männer wissen, dass keine Frau nach so etwas sagen wird: "Ja, natürlich will ich in dein Auto steigen." Männer verhalten sich so, weil sie das Gefühl haben, dass ihnen die Straßen und Gehwege gehören. Es ist ihnen egal, wenn Frauen dabei das Gefühl haben, dass sie nicht sicher sind.

Halte Abstand
Warum gehen Männer immer so nah an uns vorbei? Das ist gruselig. Halte mindestens eine Armlänge Abstand – oder am besten noch mehr, damit du keine Frau einfach so anfassen kannst. Gleiches gilt für den öffentlichen Nahverkehr. Setz dich nicht in einem leeren U-Bahn-Waggon direkt auf den Platz neben oder vor einer Frau. Das ist nur OK, wenn sie es dir klar und deutlich von sich aus anbietet.

Überquere die Straße und geh auf der anderen Seite
Selbst wenn Männer ausreichenden Abstand zu einer Frau halten, können wir das Gefühl bekommen, dass wir verfolgt werden. Als ich mal nachts nach Hause gegangen bin, hat der Typ hinter mir absichtlich die Straßenseite gewechselt. Damit hat er mir deutlich signalisiert, dass er nichts von mir will und ich habe mich sicherer gefühlt.

Zeig dein Gesicht
Hoodies sind eigentlich nicht gruselig. Aber wenn du im Dunkeln einen Kapuzenpulli trägst, wird dein Gesicht zu diesem anonymen schwarzen Loch, das beängstigend sein kann. Halte Augenkontakt und lächle uns freundlich zu.

Wenn du das Gefühl hast, dass sich eine Frau bedrängt fühlt: sag etwas
Die Anzahl der Male, in denen ich mich durch einen Mann bedrängt gefühlt und meine Mitmenschen so getan haben, als würde nichts passieren, ist leider erschreckend hoch. Ich saß im Bus und ein unglaublich betrunkener Mann setzte sich direkt neben mich, während sein Freund vor mir saß. Sie haben mich eingekesselt. Sie erzählten mir, dass sie gerade bei einem Fußballspiel verloren hätten. Als sie mich fragten, wo ich aussteige, wurde ich panisch, weil sie immer näher rückten. Zum Glück sind sie nicht mit mir ausgestiegen. Trotzdem hätte ich mich während der Busfahrt wohler gefühlt, wenn mich einer der Mitfahrenden gefragt hätte, ob alles in Ordnung sei. Oder mir durch ein Kopfnicken signalisiert hätte, dass sich dieser Mensch meiner Situation bewusst ist und ich nicht alleine bin.

Mach Frauen nicht im Dunkeln an unheimlichen Orten an
Die Menschheit wird nicht aussterben, nur weil Männer Frauen auf der Straße nicht mehr hinterherrufen können – sorry Männerrechts-Aktivisten. Wie viele Menschen schauen sich in einem miefigen Bus tief in die Augen und verlieben sich? Nicht viele. Das ist so unrealistisch, dass es diese Szene nicht mal in einer Rom-Com mit Ryan Gosling gibt. Das ist auch nicht das Ende der Romantik. Wir werden uns dadurch auch nicht nur noch über Bildschirme unterhalten. Und wir werden auch keine Verträge unterschreiben müssen, bevor wir uns berühren dürfen. Das alles bedeutet nur, dass du wissen solltest, wann und wie du mit Frauen flirtest – in relevanten Kontexten wie nach einem Uni-Seminar oder auf einer Party. Kauf dir lieber eine französische Bulldogge und geh mit ihr spazieren: Frauen werden dich von ganz alleine ansprechen.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.