Photography Tania Franco-Klei

Der Zerfall des amerikanischen Traums aus der Sicht einer mexikanischen Fotografin

Tania Franco-Klein über Einsamkeit, Perücken und Selbstporträts als Therapie.

von Benoit Loiseau
|
01 März 2018, 2:08pm

Photography Tania Franco-Klei

Tania Franco-Kleins Bilder wirken wie eine Tragikomödie. Die mexikanische Fotografin setzt aufwändige Sets und stimmungsvolle Farbkontraste ein, um rätselhafte, existenzielle Szenen zu erschaffen, die auf den Verfall der westlichen Zivilisation anspielen. Oft ist auch eine ordentliche Portion Satire dabei. "Meine Arbeit handelt immer von Einsamkeit", sagt die 27-Jährige. "Technik bringt uns einander angeblich näher, aber in Wirklichkeit treibt sie uns nur auseinander."


Auch auf i-D: Im Gespräch mit Tim Walker


Ihre jüngste Reihe, Our Lives in the Shadows, ist im Laufe der letzten zwei Jahre in Mexiko und Kalifornien entstanden. Darin zu sehen, sind Selbstporträts mit viel nackter Haut und Perücken – aber auch das veraltende Ideal des amerikanischen Traums. "Das Projekt ist autobiografisch und sehr persönlich", sagt die Künstlerin. "Ich sehe es als Therapie."

Unsere Vorstellung von Erfolg sei tief in westlichen Ideologien verankert, erklärt Tania. Dabei bezieht sie sich auf den Philosophen Byung-Chul Han – laut seinem Buch Müdigkeitsgesellschaft führt die übertriebene Positivität unserer heutigen Welt zu immer mehr Unwohlsein. "In den sozialen Medien dreht sich alles um Selbstdarstellung", so die Fotografin. "Dabei ist Einsamkeit ein riesiges Problem."

Das Herz der Reihe ist genau diese Einsamkeit. In den Bildern ist meistens nur eine Person zu sehen, sie liegt auf dem Boden und wirkt nachdenklich und melancholisch – schon fast ein wenig verloren. In einem Foto blickt die Protagonistin durch die milchig-verzerrende Scheibe einer Duschwand, ein Sinnbild der inneren Isolation.

Doch die Fotografie war nicht ihre erste Wahl. Eigentlich war Tania auf dem besten Weg, Architektin zu werden, bevor sie sich dazu entschlossen hat, Modefotografie am London College of Fashion zu studieren. In der Architektur habe ihr die emotionale Komponente gefehlt, sagt sie. Neben den sorgfältig arrangierten Sets sind es vor allem die Requisiten, die ihre Arbeit auszeichnen. Genauer gesagt: ihre große Perückensammlung. Ähnlich wie bei Cindy Sherman haben die Selbstporträts der Mexikanerin ein Rollenspiel-Element, umgesetzt mithilfe billiger Haarteile und anderen Second-Hand-Accessoires.

"Inzwischen rede ich schon über meine Figuren in der dritten Person, als wären sie echte Menschen!", lacht Tania. Die Absurdität des modernen Kapitalismus mache ihr zu schaffen, aber sei gleichzeitig eine Quelle der Inspiration. "Es geht gar nicht um Fotografie", sagt sie, "sondern ums ganze Leben."

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion

Tagged:
Mexiko
Fotografie
Kultur
Einsamkeit
amerikanischer Traum
tania franco-klein
our lives in the shadows