Fotos: Courtesy of Marianne Eloise / emo diary

Dieses Emo-Zine ist eine nostalgische Zeitreise in die 2000er

Bei der Lektüre von "appear offline" fühlst du dich endlich mal wieder wie 13.

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Juli 11 2018, 1:58pm

Fotos: Courtesy of Marianne Eloise / emo diary

Wie MSN oder MySpace ist Offline-Sein ein Relikt aus einer scheinbar längst vergessenen Zeit, und genau das feiert Marianne Eloise mit "appear offline" , der zweiten Ausgabe ihres Zines emo diary. Darin zu sehen sind Auszügen aus ihrem eigenen Tagebuch, Fotos und Screenshots von MySpace und MSN, Konzerttickets sowie andere Erinnerungstücke aus den 2000ern. Egal wie schräg das Erwachsenwerden damals auch war, wir hatten den besten Soundtrack von My Chemical Romance und Billy Talent.


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Im Heft geht es um die Emo-Kultur und das Internet Mitte der 2000er. Jenem Wendepunkt für unser Teenager-Ich. Das goldene Zeitalter, in dem wir nur einen Fuß in der digitalen Welt hatten und den anderen in unserem Lieblings-Emo-Laden. Eine Zeit, in der das Internet unseren Alltag noch nicht durchdrungen hatte.

"Ich habe in meinem Tagebuch mein Online-Leben festgehalten, weil ich das Internet für etwas Besonderes gehalten habe", sagt Marianne über die neue Ausgabe. "Das war die Zeit, in der ich CDs gehört und meinen Freunden Briefe auf Papier geschrieben habe, wenn wir nicht gerade auf ICQ gechattet haben." Das Zine öffnet ein Fenster in eine einfachere, längst vergangene Teenager-Wirklichkeit. "Heutzutage kommunizieren wir ständig online", sagt Marianne. "Wir arbeiten ununterbrochen und müssen neue Informationen verarbeiten. Das hat natürlich auch viele positive Seiten, aber das Leben ist dadurch auch anstrengender geworden. Ich sehne mich zurück nach der Zeit, als das Online-Kommunizieren nicht nur lustig war, sondern auch noch kreativ. Als wir Zeit hatten, Webseiten und Inhalte nur für uns zu erstellen."

"In der ersten Ausgabe ging es mir darum, so viel Nostalgisches zu zeigen wie möglich und die Leser auch zum Lachen zu bringen", sagt sie. "Für die zweite wollte ich mich auf das konzentrieren, was ich am meisten liebe – das Internet. Damals war es noch neu und aufregend. Ich wollte jede Sekunde, die ich online verbringe, festhalten. Für den Fall, dass das Internet irgendwann wieder verschwindet."

Mitte der 2000er Jahre war auch der Höhepunkt von Emo. Eine Zeit, in der auf vielen MySpace-Profilen mindestens eine Zeile aus einem Song von Bands wie Fall Out Boy oder Paramore stand. Diese Bands dominierten die damalige Musikszene, eine ihrer CDs steckte mit Sicherheit immer in einem tragbaren CD-Player.

"Obwohl wir uns kollektiv dafür entschieden haben, dass Emo peinlich ist, ist es durchs Internet nie völlig verschwunden", sagt Marianne. "Durchs Internet können wir nicht nur durch unsere eigene Vergangenheit reisen, sondern den jüngeren Generationen ebenfalls Zugang zu unserer peinlichen Vergangenheit verschaffen. In den letzten Jahren gab es eine Emo-Renaissance und wir haben genug Abstand gewonnen, um nicht mehr nur peinlich berührt von unserer Vergangenheit zu sein."

"appear offline" ist ab dem 12. Juli hier erhältlich. Wenn du Marianne dabei unterstützen möchtest, daraus ein Buch zu produzieren, kannst du das hier tun. Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.