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wieso generation z ihre social-media-accounts löscht und offline geht

Schließe dich dem Social-Media-Exodus à la Lena Dunham und Jaden Smith an und mache aus IRL wirklich wieder IRL.

von Jane Helpern
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14 Oktober 2015, 12:25pm

Wie viele Millenials so ist auch Lena Dunham nicht mehr auf Twitter. Letzte Woche sagte die ansonsten unerschütterliche Feministin im Podcast von Re/code Decode, dass sie dem Netzwerk den Rücken kehrte, weil es ein unsicherer Ort geworden sei, der etwas „Krebsartiges" in ihr ausgelöste. Anders ausgedrückt: Sie wollte sich nicht mehr mit Internettrollen auseinandersetzen müssen. Lena Dunham wird weiterhin twittern, aber die Interaktionen werden jetzt von ihren Mitarbeitern gemanagt. Immer mehr Stars übertragen ihren Angestellten die Verantwortung, 140 Zeichen oder weniger (oder quadratische Instagram-Fotos oder markige Facebook-Posts) zu verfassen. Jugendliche auf der ganzen Welt löschen ihre Accounts auf sozialen Plattformen. Nach etwa zehn Jahren einer Sozialisierung im Internet, wieso fliehen die Millenials aus den sozialen Netzwerken?

Zuerst sollte angemerkt werden, dass einige Leute eine ungesunde Abhängigkeit von Social Media entwickeln, während andere sich dem zur Entspannung ohne Folgen hingeben können. Die Hassliebe, die viele mit den sozialen Plattformen verbindet, hat vielleicht nicht so sehr mit der Technologie an sich zu tun, sondern damit wie die Plattformen genutzt werden. Genauso wie unsere Leben zunehmend in sozialen Netzwerken stattfinden, so hat auch das Potenzial für ungesundes Cyberstalking zugenommen: Überidentifikation, FOMO, Eifersuchtsattacken und die Gefahr von zu viel Fremdbestimmung. 

Ein Beispiel dafür ist die Autorin Ali Segel aka Online Alison. Die 29-jährige Amerikanerin hat sich von Facebook verabschiedet, nur um wieder zurückzukommen. „Ich habe meinen Account deaktiviert, weil ich zu viel stalkte", gibt sie zu. „Aber jedes Mal habe ich ihn doch wieder reaktiviert." Wieso? So wie viele braucht sie einen Facebook-Account für den Job. „Ich habe das Gefühl, dass ich ihn für meine Karriere brauche, um relevant zu bleiben. Ich habe meinen Manager gefunden, weil er von einem meiner Facebook-Statusupdates begeistert war." Aber es würde sich nicht nur alles um Business drehen, so Ali Segel. „Ich weiß auch, dass ich auch unter einer Borderline-Internetsucht leide. Sobald ich eine Emotion fühle, gehe ich auf Facebook, Instagram oder Twitter, um entweder einen Status oder ein Bild zu posten. Ich warte darauf, mit Fremden zu interagieren, anstatt dem Gefühl Raum zu geben. Das ist ein toller Weg, um nie im Jetzt zu leben; um mein Ego zu füttern; mich selbst zu sabotieren; und masochistisch zu sein."

In einem Reddit-Thread tauschen sich junge Leute, die Social Media aufgegeben haben, aus. Ein User schreibt: „Fühlt sich gut an, nicht durch eine Unmenge an Gutmenschen-Scheiß, Clickbait-Artikeln, sensationsgeilen Nachrichtenmeldungen, unverhohlener Propaganda aus allen politischen und religiösen Lagern waten zu müssen, oder der Versuch, eine intelligente Unterhaltung mit Leuten zu führen, die damit endet, dass man mit „Ich muss weg" oder einer herablassenden Willy-Wonka-Meme abgespeist wird, anstatt sich wie ein Erwachsener zu benehmen und ein Anliegen zu unterstützen."

Ein weiterer User, der einen Facebook-Account für seine Events besitzt, und ansonsten versucht, dort nichts weiter zu tun, schreibt: „Ich bin ein glücklicherer Mensch, seitdem ich nicht mehr durch die Profile meiner Freunde surfe oder ihre neuesten Post in meinem Feed sehe." Weiters erklärt er, wie durch Social Media eine Kultur des Neids und der Missgunst entsteht. „Was mal als Mittel anfing, um in Kontakt zu bleiben, wurde zu diesem Schaufenster anscheinend perfekter Leben, die alle führen", meint User DividedBy_Zero. „Meine Startseite war voll mit Bildern von Verlobungsringen, Neugeborenen, exotischen Reisezielen, Partynächten und von Marathonläufen. Ohne darüber nachzudenken, fängt man an, sein Leben mit dem der anderen zu vergleichen; man fängt an, sich zu fragen, was schief lief, während alle anderen ihre Träume leben. Facebook wurde so unbeabsichtigt zu dieser Falle aus Verzweiflung und Selbsthass. Je mehr Zeit ich dort verbrachte, desto schlechter fühlte ich mich danach."

Es ist keine Neuigkeit, dass Social Media - besonders Instagram - den Nutzern ermöglicht, der Welt eine kuratierte, eine idealisierte Version ihrer Leben zu präsentieren; ein glamouröses Leben, ein Leben im permanenten Urlaub, frei von alltäglichen Banalitäten. Sogar ehrliche Momente werden gekünstelt. Letztes Jahr fakte diese Frau einen fünfwöchigen Trip nach Südostasien, um zu zeigen, wie einfach die Realität durch Social Media manipuliert werden kann.

Eine kurze Umfrage auf Twitter brachte ein überwältigendes Gefühl von Social-Media-Ermüdung ans Licht. Modedesignerin Liz erzählte mir, dass sie vor vier Jahren ihr Facebook-Profil löschte und dass als nächstes Instagram dran sei. Jazzi, die mal gebloggt hat, aber jetzt nicht mehr so, sagte mir, dass sie seit 70 Wochen auf Instagram nichts gepostet hat, und dass ihre Antwort auf meine Frage ihr erster Tweet seit 2014 sei. Obwohl sie noch auf allen Plattformen - außer Facebook - vertreten sei, interagiere sie dort nicht. Sie bezeichnet sich selbst als „zufällige Beobachterin". Stacey, eine PA aus London, hat vor drei Jahren ihr Facebook-Profil gelöscht, als Facebook „verrückt spielte und private Nachrichten auf ihrer öffentlichen Pinnwand postete". Ihre Entscheidung bereut sie nicht. Kate, eine Autorin, löschte ihren Twitter-Account vor ungefähr drei Jahren, als sie realisierte, dass die meisten ihrer Tweets vom Kater danach handeln.

Als Jaden Smith im Mai seinen Account löschte, sorgte das für ein Chaos. Auf sein plötzliches Verschwinden wurde mit unzähligen Onlineartikeln, in denen die Autoren uns eine Welt ohne Tweets wie „How Can Mirrors Be Real If Our Eyes Aren't Real" ausmalten, reagiert. Natürlich hat er mittlerweile wieder einen Twitter-Account, er behält seine geheimnisvolle Fassade aufrecht, indem er nur 5 Leuten folgt. Die Öffentlichkeit hatte eine weitere Panikattacke, als das Social-Media-It-Girl Lily-Rose Depp (über das Phänomen Social-Media-It-Girl erfährst du hier mehr) angeblich „Social-Media-Selbstmord" beging und alle Fotos von ihrem Instagram-Account löschte. Wie sich wenig später herausstellte, was es lediglich falscher Alarm - ihr Account wurde gehackt.

Wieso verlassen also nun Leute Social Media? Für die Generation Z ist einer der wichtigsten Gründe: ein größerer Wunsch nach Privatsphäre. Laut der New York Times haben Jugendliche ein größeres Gespür für ihren digitalen Fußabdruck entwickelt. Sie wollen nicht in demütigenden Positionen ohne ihr Wissen und ihr Einverständnis fotografiert werden. Sie sind nicht die Einzigen, die sich im Zeitalter von einem Zuviel an Weitergabe von privaten Infos nach ein bisschen mehr Anonymität sehnen. Die Céline-Designerin Phoebe Philo wird mit den Worten zitiert: „Es ist am chicsten, nicht auf auf Google zu existieren. Gott, wie gerne wäre ich diese Person!".

Ich glaube, dass wir alle wussten, dass es so kommen wird. Die Freude und der Kick an und von Social Media haben merklich nachgelassen, da zu viele Bilder, zu viele Stimmen um Aufmerksamkeit buhlen; Tausende nach Aufmerksamkeit schreiende Kinder quasseln gleichzeitig und sagen zugleich alles und nichts - ein ungezügelter Clusterfuck. Es stimmt, dass viele von uns wie auf Autopilot durch die Feeds scrollen, bei Kakteenfotos doppelt klicken, Bildunterschriften überfliegen und dabei nichts fühlen. Aber insgesamt ziehen wir uns von Social Media zurück. Wir schaffen Platz für wirklich Wichtiges und Authentisches. Statt auf unqualifiziertes Gequatsche wollen wir lieber auf die Meinung von qualifizierten Experten vertrauen. Schluss mit pics or it didn't happen!

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Credits


Text: Jane Helpern
Foto: Harry Carr