Fotografin Laurence Philomène beweist, dass Pink die wärmste Farbe ist

Wie die junge Fotografin sich durch andere besser kennenlernt.

von Emily Manning; Fotos von Laurence Philomène
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24 August 2015, 8:43am

Die Welt der 22- jährigen Fotografin Laurence Philomène ist Pink. "Ich sitze grade in meinem Wohnzimmer und überall ist es Pink", sagt die Montrealerin am Telefon. "Das Wichtigste an einem Bild von mir sind die Farben und die Art und Weise, wie sie miteinander interagieren. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass mir Farbe wichtiger ist als das Motiv oder die Bildkomposition." Sie schoss Selbstporträts auf schockierend pinken Teppichen, färbte Mein kleines Pony pink ein, malte sogar Gegenstände von oben bis unten in Fuchsia an. Diese pinke Farbpalette eignet sich auch wunderbar dafür, um Fragen der Identität und Weiblichkeit zu erkunden.


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Laurence stellt momentan in der New Yorker Stream Gallery ihre Arbeiten im Rahmen der Gruppenausstellung Same aus. Daneben fotografiert sich weiter die Serie Me vs. Others, für die junge Fotografenkollegen wie Hobbes Ginsberg Vivian Fu und Arvida Bystrom ihren Motiven eine orangefarbene Perücke aufsetzen. Wir sprachen mit Laurence über die Zukunft von feministischer Kunst.

Wie kamst du zur Fotografie?
Schon als Kind habe ich Bilder gemacht, allerdings ohne Absicht, aber mit 14 habe ich angefangen, mich wirklich für die Blythe genannten japanischen Dolls zu interessieren. Es gab eine aktive Community, die tolle Fotos auf Flickr und in Foren gepostet haben. Da fing ich an, meine eigenen Fotos im Internet zu posten und die Reaktionen darauf waren großartig. Das war eine Art Flucht für mich, besonders in der Schule. Nach ungefähr einem Jahr, merkte ich, dass ich ja auch andere Dinge fotografieren kann. Ich begann, mich selbst und meine Freunde abzulichten und entdeckte eine Community aus jungen Fotografen online, einige hat i-D auch interviewt. Wir waren alle einsame Teenager im Internet, die fotografierten, und wir lernten einander gegenseitig kennen. Jetzt ein paar Jahre später sind wir alle professionelle Fotografen und Freunde im wahren Leben.

Erzähle uns über die Geschlechterdynamik in deinen Arbeiten, besonders in der Serie mit den Jungs.
In meinem Leben und in meinen Arbeiten lehne ich jegliche Maskulinität ab. Ich fotografiere zwar Jungs und maskuline Leute, oft stecke ich sie in femininer Kleidung, aber denke nicht, dass es radikal ist oder so. Das ist nicht der Grund, wieso ich das tue. Ich tue das, weil es sich natürlich für mich anfühlt. Mich interessiert Maskulinität nicht. Ich habe einfach Spaß daran, Weiblichkeit auf vielen Wegen zu erkunden.

Was bedeutet für dich Weiblichkeit?
Für mich ist Weiblichkeit ein extrem sozial konstruiertes Konzept, aber es gibt mir auch Stärke und Kraft. Es zieht mich an, gleichzeitig fühlt es sich aber auch fremd an.

Deine Arbeiten drehen sich um das Thema Farbe. Farben werden auch geschlechterspezifisch eingeteilt. Erzähle uns mehr über deinen Einsatz von Pink.
Obwohl sich Farbwahrnehmungen und -Assoziierungen im Laufe der Zeit ändern, empfinden die Leute ein pinkes Bild als Gender-Statement und denken, dass es eine Message rüberbringen soll. Pink soll laut Farbtheorie eine sehr beruhigende Farbe sein, was interessant ist, weil die Reaktionen der Leute auf die Farbe heftig ausfallen, egal ob nun eine Message transportieren will oder nicht. Vor vielen Jahren hätte ich noch gesagt, dass ich die Bedeutung von Pink neu besetzen will, indem ich das Thema Weiblichkeit damit auf vielfältige Weise erkunde. Aber das ist nicht immer mein Beweggrund, die Farbe einzusetzen. Jetzt ist es für mich nur eine Farbe, die ich gut finde. Ich lasse mich bei der Farbauswahl von meinen Instinkten und meinem Bauchgefühl leiten, was sich für mich richtig anfühlt.

Woran arbeitest du im Moment?
Arbeiten von mir werden im Rahmen der Gruppenausstellung Same in New York gezeigt. Die Ausstellung wurde von Molly Soda kuratiert und beschäftigt sich mit dem Phänomen, sich selbst durch andere online zu sehen. Ich arbeite an einem Projekt mit dem Titel Me vs Others. Es ist eine Art Fake-Tagebuch, indem ich mich durch Porträts, die ich von anderen mache, selbst kennenlerne. Sie posieren vor meiner Kamera mit einer Perücke, die meiner Frisur nachempfunden ist. Ich fotografiere gerne Leute, die mir nahestehen; die ich gerade getroffen habe und befreundete Künstler wie Vivian, Hobbes, Molly und Avrida. Es ist ein Selbstporträt durch etwas Anderes, was ich nicht bin.

Weiblichen Kreativen wird online eine größere Plattform gegeben. Was braucht feministische Kunst deiner Meinung nach?
Ich glaube, dass das Internet allen Geschlechtern und Newcomer-Künstlern eine wichtige Plattform bietet, dennoch müssen wir feministische Kunst mehr als Vagina- oder Menstruations-Kunst begreifen. Wir müssen mehr Repräsentationsräume für schwarze Frauen, Transgender-Frauen, queere Frauen und Frauen mit Behinderung schaffen. Hoffentlich trägt das Internet dazu bei, dass eine neue Generation mehr über feministische Kunst und Anliegen erfährt und sich damit auseinandersetzt. Aber wir brauchen mehr Vielfalt in der Zukunft.

@laurencephilomene

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