Dress No. 21. Socks Falke.

Im Gespräch mit Maddie Ziegler

Die Zwölfjährige ist die Startänzerin, der die Welt zu Füßen liegt. Wir trafen den Star aus Sias Musikvideos und ließen uns erklären, was es bedeutet, heutzutage jung zu sein.

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18 August 2015, 7:15am

Dress No. 21. Socks Falke.

Kleid: No. 21. Socken: Falke.

Maddie Ziegler ist wie jede 12-Jährige: Sie steht auf Zac Efron, sie verbringt ihre Freizeit in Shopping Malls, sie ist besessen von Social Media und sie ist ein großer Fan von Taylor Swift. Daneben ist sie aber auch Star der amerikanischen Fernsehsendung Dance Moms, hat in drei Musikvideos der australischen Sängerin Sia mitgespielt, hat über 3,4 Millionen Follower auf Instagram und Taylor Swift ist ein großer von ihr .

Geboren wurde Madison Nicole Ziegler am 30. September 2002 und sie lebt momentan in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Im Alter von zwei Jahren steckte sie ihre Mutter Melissa in die Tanzschule. Eine Entscheidung, die das Leben ihrer jungen Tochter prägen wird. "Nach meiner ersten Aufführung, kam ich weinend wieder", erinnert sich Maddie. "Ich wollte die Bühne nicht verlassen. Ich habe es so geliebt, dass mich meine Mutter für ein weiteres Jahr angemeldet hat. Seitdem tanze ich!"


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Als die erste Folge von Dance Moms auf dem amerikanischen Sender Lifetime am 13. Juli 2011 ausgestrahlt wurde, war Maddie gerade einmal acht Jahre alt. Entstanden aus der amerikanischen Vorliebe für Talentshows und Reality TV, in denen eine massenkompatible Version des amerikanischen Traums dargestellt wird und in denen jeder, der hungrig nach seinen 15 Minuten Ruhm ist, auftreten kann. In Dance Moms geht es um die Leben von sechs jungen Mädchen der Abby Lee Dance Company und ihrer motivierten Mütter – eine Mischung aus Toddlers & Tiaras und dem Mickey Mouse Club. Diese Fernsehsendungen stellten den Karrierebeginn von Leuten wie Honey Boo Boo, der neunjährigen Schönheitskönigin, die permanent auf irgendwelchen gezuckerten Softdrinks ist, und Stars wie Ryan Gosling, Britney Spears, Justin Timberlake und Christina Aguilera dar. Die Idee von Dance Moms ist es, jung gegen jünger antreten zu lassen – sogar gegen die eigenen Geschwister – so wie bei Maddie, deren jüngere Schwester Mackenzie auch in der Sendung mitspielt. "Wir haben eine Tanzformation Pyramide und Frau Abby bewertet uns von unten nach oben", erklärt Maddie, die sehr zum Missfallen der anderen Mütter immer ganz oben steht, was sie aber eher schüchtern sagt: "Ich bin die meiste Zeit ganz oben, ja, aber ich will nicht unhöflich sein oder so."

Top: MM6. Top (darunter): Vintage. Jogginghose: Maddie's own.

Mittlerweile läuft im amerikanischen Fernsehen die fünfte Staffel der Sendung. Maddie und alle anderen Mädchen haben einen Großteil ihrer prägenden Kindheit als Teil dieser Sendung verbracht. Die Mädchen haben nicht nur mit der Pubertät und den damit verbundenen Problemen – körperliche Veränderungen, erste Liebe, Herzschmerz und nicht wissen, was man mit seiner Zukunft anfängt –, und die dank Social Media und den unrealistischen Schönheitsidealen noch härter geworden sind, sondern auch mit der Leiterin Frau Abby zu kämpfen. Frau Abby drohte einem Mädchen einmal, dass sie sie "erledigen" würde, wenn sie nicht aufhört zu weinen. Dazu kommt noch der Wettbewerbsdruck durch rivalisierende Tanzschulen und die Aufmerksamkeit eines Millionenpublikums auf der ganzen Welt. "Ich tanze lieber auf Wettbewerben außerhalb der Sendung", sagt Maddie. "Es ist weniger stressig und wir können unsere Freunde sehen. In der normalen Tanzwelt bestreiten wir nur 10 Wettbewerbe pro Jahr, aber in der Sendung bestreiten wir ungefähr 32, dazukommen die ganzen regulären Wettbewerbe, es ist also schon irgendwie anstrengend." Die Unterscheidung, die Maddie hier zwischen der Fernsehsendung und das, was sie als "normal" bezeichnet, ist bezeichnend.

Während unseres ganzen Telefonats ist Maddies Mutter im Hintergrund so laut zu hören, dass Maddie weggehen muss: "Tut mir leid, kannst du kurz warten. Ich kann dich kaum verstehen, weil meine Mutter so laut ist". Auf der einen Seite lässt das Rückschlüsse auf das Leben eines Kinderstars und dessen Mutter-Manager, dem Momager, zu. Auf der anderen Seite ist es eine normale Szene aus dem Leben jeder Jugendlichen. "Meine Mutter ist nur meine Mutter", betont Maddie. "Sie kann nichts anderes sein". In dem ganzen Trollen und Lolen der digitalen Generation fällt man leicht auf das Klischee der überambitionierten Mütter und ihrer unterwürfigen Töchter herein - das Versprechen auf Sensationen und Klicks, auf dem Sendungen wie Dance Moms beruhen. Sind wir aber nicht alle zu einem gewissen Maß das Produkt unserer Eltern? Und was noch wichtiger ist: Ist es nicht so, dass die Herausbildung unserer Identität – eine, die gegen die Vorstellungen unserer Eltern gerichtet ist –, integraler Bestandteil vom Erwachsenwerden ist? "Ich dachte, dass Tanzen einfach eine spaßige Angelegenheit ist", erklärt Maddies Mutter Melissa. "Ich hätte nie gedacht, dass sie so viel Talent besitzt. Das ist eine Gabe." Maddie mag im Vergleich zu anderen 12-Jährigen viel Stress haben, aber offensichtlich hat sie zu Hause die Unterstützung, um damit umzugehen.

Kleid: Simone Rocha. Body: Maryam Nassir Zadeh. Socken: Falke.

Im Mai letzten Jahres spielte Maddie im Musikvideo zu Sias Hit "Chandelier" mit. Darin verdreht sie ihren Körper, als ob er aus Gummi wäre, und sie trägt nichts weiter als einen nudefarbenen Leotard sowie die berühmte blonde Perücke. Durch dieses Video ertanzte sich Maddie ihren internationalen Ruhm. "Maddie ist die professionellste Person, mit der ich je zusammengearbeitet habe", sagt Sia über ihre gemeinsame Zeit. "Sie ist so klug und so talentiert. Ich schätze sie sehr."

Nach "Chandelier" erschien das Musikvideo zu "Elastic Heart", in dem Maddie neben Shia LaBeouf tanzt. Den Abschluss der Trilogie bildete das wunderschön melancholische Video zum Song "Big Girls Cry". Die Paarung Maddie und Shia, der 17 Jahre älter als sie ist, löste auf Twitter einen Shitsturm aus. Der war so heftig, dass Sia schrieb: "Mir war bewusst, dass es ein paar Pädophilie-Vorwürfe geben würde. Alles, was ich dazu sagen kann: Maddie und Shia sind die einzigen Schauspieler, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie diese beiden widerstrebenden ‚Sia-Ichzustände' darstellen können." Mit so viel negativer Aufmerksamkeit fertig werden zu müssen, kann bei so einer jungen Person Spuren hinterlassen, aber Maddie blieb gelassen: "Ich interessiere mich nicht wirklich für die Meinung der anderen. Wir dachten, dass das Video toll war, und das zählte. Shia ist eine tolle Person und er hat echt auf mich aufgepasst." Tatsächlich ist es so, dass dieser Vorgang nicht für Maddies Naivität steht, sondern zeigt, wie erwachsen und bodenständig sie wirklich ist – Eigenschaften, die ihr ohne Zweifel zukünftig bei den Strickfallen des Ruhms helfen werden.

Top: MM6. Top (darunter): Vintage. Jogginghose: Model's own.

Maddie Ziegler ist nicht länger nur das Kind aus Dance Moms, das im September 13 Jahre alt wird, sondern sie tritt die nächste Phase ihres Lebens - die Pubertät, wenn alle jungen Mädchen nach Unabhängigkeit streben und ihre eigenen Persönlichkeiten entdecken. "Ich freue mich darauf, Teenagerin zu werden", sagt sie. "Darauf endlich, Sachen endlich alleine machen zu können, wie in die Mall fahren und meine Freunde treffen, ohne dass mich meine Mutter überall hinfahren muss oder ohne dass ich einen Aufpasser brauche." Die kommenden Jahre werden wichtig für Maddie. Aus dem Kind, das sie immer war, wird die Erwachsene, die sie immer sein wollte. Was Vorbilder angeht, hat sie sich viel vorgenommen: "Ich würde gerne Cara Delevingne treffen. Die ganze Clique: Kendall Jenner und Gigi Hadid – alle sind so hübsch." Was hat sie für Zukunftspläne? "Ich möchte weiterhin tanzen und in Musikvideos mitspielen. Ich möchte auch in Filmen und in Reality-TV-Shows mitspielen, außerdem singen. Ich will in der Lage sein, alle drei Dinge tun zu können, um auf Nummer sicher zu gehen. Ich möchte berühmt werden, aber ich möchte auch authentisch dabei bleiben, wenn ich nach Hause komme. Ich bin einfach nur ein Mädchen aus Pennsylvania." Wohl kaum, aber wir finden die Einstellung gut.

@maddieziegler

Top: Maryam Nassir Zadeh. Rollkragenpullover: Loewe. Shorts: Patricia Field. Socken: Falke.

Kleidung und Accessoires von Prada.

Credits


Fotos: Petra Collins
Styling: Stella Greenspan
Text: Tish Weinstock
Haare und Make-up: Tonya Brewer at Dew Beauty Agency
Stylingassistenz: Derek Ezra Brown
Besonderen Dank an Kelly-Marie Smith und Melissa Gisonr