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exklusive einblicke in die japanische punkszene

Die Ausstellung „Punk in Translation“ im Rahmen der „Leather Japan“-Initiative für die London Collections: Men nimmt uns mit auf eine Reise in Japans zeitgenössische Subkultur.

von Steve Salter
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08 Januar 2016, 9:40am

Das Label Blackmeans ist tief in der japanischen Tradition der Mischung von Genres verwurzelt. Seit der Gründung 2008 kombiniert das Kollektiv seinen postanarchistischen Ethos und sein radikales Design mit japanischer Handwerkskunst, das verbindende Element dabei ist der Punk. Die von Harris Elliot kuratierte Ausstellung Punk in Translation stellt die Arbeiten der japanischen Dokumentarfotografen Yusuke Yamatani, Tatsuo Suzuki and Naoya Matsumoto aus. Durch die Fotos wird der Style der Szene und ihre rebellische Haltung, beides einzigartig in Tokio, lebendig.

Mick Jones von The Clash wird gerne mit den Worten zitiert, dass der wahre Punk nur 100 Tage lang dauerte. Das mag richtig sein, aber die Nachbeben dieser Bewegung aus dem London der 70er sind immer noch spürbar. Die Ausstellung beleuchtet, wie die britische Punkszene mit ihrer Mode und ihrer Musik eine neue Subkultur inspiriert und beeinflusst hat. Wir freuen uns, vor der offiziellen Ausstellungseröffnung exklusiv Fotos zeigen zu dürfen und trafen das Blackmeans-Trio, um mit ihnen über die Beziehung zwischen Punk und Leder zu sprechen. 

Wie begann eure Liebe zu Punk und was ist es, dass euch auch weiterhin so eng an diese Welt bindet? Yujiro, ich habe gelesen, dass du Punk liebst, seitdem du 12 bist.
Yujiro: Dass war als ich die Sex Pistols im Fernsehen mit 12 gesehen habe. Das war 1983.

Joey Ramone sagte einmal: „Bei Punk geht es darum, ein Individuum zu sein, gegen den Strom zu schwimmen, Rückgrat zu haben und zu sagen ‚So bin ich'. Wie definiert ihr Punk und was bedeutet er euch?
Yurijo: Für mich ist Punk die Verpflichtung, die Welt besser zu machen. Punk ist eine Reaktion gegen die soziale Situation um uns herum. Die Haltung ist flexibel und passt sich an, und hat so viel für die Mode und Musik getan. Punk hat mir Mut und Hoffnung gemacht.

Inwieweit unterscheidet sich die japanische Punkszene von der in London, New York und sonst wo?
Yurijo: In Japan gibt es nicht dasselbe Klassensystem [wie in England], also spiegelt sich das nicht so sehr wider. Das Gebot der Zurückhaltung ist integraler Bestandteil der japanischen Philosophie, daher neigt japanischer Punk dazu, Verpflichtungen zu kritisieren. Letztlich ist es so, dass die japanische Untergrundkultur, gerade nach 1945, entscheidend von Dingen von außerhalb Japans beeinflusst wurde, besonders von westlicher Kultur. Aber viele Subkulturen in Japan, einschließlich der Punkkultur, charakterisiert eine einzigartige Mischung.

Vice hat sich die Dancehall-Szene Japans genauer angeschaut.

Welche Bands, Spielorte und Leute verkörpern die Szene in Japan?
Yujiro: Gauze, Lip, Cream, Death Side, Laughin Noze, Forward, Judgement, G.I.S.M und so viele andere.

Erzählt uns mehr über das spezielle Blackmeans-Netzwerk und die Bilder in der Ausstellung.
Yujiro: Wir sind schon lange Teil der Punkszene in Japan. Mit 16 habe ich im legendären Punkladen Deadend gearbeitet, der viel aus der Londoner Punkszene nach Japan brachte. Leider existiert er heute nicht mehr. Aber ich habe so viele inspirierende Leute dort kennengelernt und die Beziehungen, die sich in der Zeit entwickelt haben, haben mir so viel bei dem Projekt geholfen.

Der Fotograf Neil Massey dokumentiert die wilden, durchzechten Heavy-Metal-Nächte in dem sozialistischen Land im Südosten Asiens.

Habt ihr ein Lieblingsbild in der Ausstellung?
Ani: Um ehrlich zu sein, empfand ich die Fotoauswahl als äußerst schwierig. Ich wollte so viele Fotos wie möglich zeigen. Die Fotos in der Ausstellung zeigen nur einen Ausschnitt der zeitgenössischen Punkszene in Japan, aber sie bietet einen guten Überblick darüber. Ich habe kein bestimmtes Lieblingsbild. Die ganze Ausstellung ist mein Liebling.

Sind diese Bilder oft auf euren Moodboards? Wie inspirieren euch die Bilder?
Ani: Klar! Unsere Leben, die Bands, die wir uns anschauen, und die Leute, die wir treffen, inspirieren unsere Kreationen.

Worin liegt die Bedeutung von Leather Japan-Initiative für London Collections: Men?
Ani: Kultur muss sich in der Mode widerspiegeln. Die Gründung von Blackmeans wurde durch die Punkkultur inspiriert und sie bietet für unser Label immer noch wichtige Bezugspunkte, um zu wachsen. Wir möchten, dass die Besucher dieser Ausstellung unsere Welt kennenlernen und die Verbindungen zwischen Mode und Punkkultur entdecken.

Für diese Ausstellung habt ihr mit Ken Tsuruta, Mr. London, zusammengearbeitet. Wie lange kennt ihr euch? Wie habt ihr euch kennengelernt?
Ani: Wir kennen Ken für 15 Jahre. Ich traf ihn, als wir unsere maßgeschneiderte Kleidung auf der Straße in Harajuku verkauft haben. Er bot uns an, unsere Kreationen für seinen eigenen Laden zu kaufen.

Ken, wie hat sich Tokios Beziehung zur Londoner Modewelt über die Jahrzehnte seitdem Aufkommen von Punk entwickelt?
Ken: Die Punkkultur war schon immer eine Bibel für die Mode, der Einfluss von Punk auf die Mode sollte nicht unterschätzt werden. Die Tokioter Modeszene wird schon länger von Londons Mode- und Punkszene beeinflusst.

Worin unterscheiden sich die Modeszenen in London und Tokio?
Ken: London ist Style, Tokio ist eine Abwandlung davon. So beschreibe ich die beiden Welten immer und unterscheide sie.

Und was verbindet sie?
Ken: Die Auswahl und die Ideen.

Was war der spannendste Momente in eurer Beziehung zu Punk? 
Ken: Der Moment, als ich 1976 zum ersten Mal mit Punk in Berührung kam. 

Auf welche in London arbeitenden Designer freut ihr euch am meisten?
Ken: Hussein Chalayan. Ich habe keinen besonderen Lieblingsdesigner, der während der LC:M zeigt, aber ich versuche mir vieles anzusehen und das mitzunehmen, was die Stadt zu bieten hat.

Punk in Translation ist vom 09. bis 11. Januar in London im The Horse Hospital zu sehen. 

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Credits


Text: Steve Salter
Fotos: Courtesy of Yusuke Yamatani, Tatsuo Suzuki and Naoya Matsumoto

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