ein palace voller träume: fergus purcell im interview

Die Zeichnungen von Fergus Purcell halfen beim Start von Palace Skateboards und beim Relaunch von Marc by Marc Jacobs. Sein Erfolg kam aber nicht über Nacht. Seine Geschichte ist eine Inspiration für alle, die noch immer ihren Träumen hinterherjagen.

von Dean Kissick
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05 November 2014, 1:45pm

Morgan O'Donovan

Fergus Purcell ist für die momentan angesagtesten Grafiken in der Modewelt verantwortlich. Er dachte sich die Visuals für Palace Skateboards aus und entwickelte für sie das Dreiecks-Logo, das dafür sorgt, dass sich die T-Shirts so schnell verkaufen. Die neuen Marc-by-Marc-Jacobs-Designerinnen, Katie Hillier und Luella Bartley, haben mit ihm für ihre erste MbMJ-Kollektion, HW-14-Kollektion, zusammengearbeitet. Fergus ist groß, dürr, hat lange Haare wie ein Zauberer, trägt eine Nerdbrille und ist voller Tattoos. Mit i-D spricht er über das Verhältnis von Streetwear und den Laufsteg, seine Herkunft und Jugendkultur der letzten 30 Jahre.

Wie war es in Chilterns aufzuwachsen?
Ich hatte den Vorteil, dass ich mich wie ein Außenseiter fühlen konnte, aber trotzdem einfach nach London reinkam, weil Chesham an die U-Bahn angeschlossen ist, es ist die Endstation. Obwohl es so nah bei London liegt, ist es ein etwas entlegener Ort. Dieses Vorort-Bewusstsein begleitet mich seitdem. Ich bin ständig interessiert an Dingen, bei denen ich mich ein bisschen wie ein Außenseiter fühlen kann.

Wo hast du alternative Kultur gefunden?
In Forbidden Planet! Ich war ein Comic-Nerd. Ich bin da immer hingegangen, als sie noch den Kellerladen in der Denmark Street hatten. Es war ein subkultureller Kosmos auf seine eigene merkwürdige Art und Weise. Man hat nicht viel miteinander gesprochen, weil alle nur merkwürdige Comic-Fans waren, aber trotzdem … Es waren ein paar verrückte alte Hippies in einem kleinen Keller, die andauernd „Das ist keine scheiß Bibliothek, hör' auf die Comics zu lesen!" schrien.

Wie sah es mit Skaten aus?
Ich muss gestehen, dass ich ziemlich schlecht darin war. Aber ich habe wirklich darauf gestanden.

Nach der Schule bis du nach London gezogen, um am Central Saint Martins Grafikdesign zu studieren. Wie war das?
Saint Martins war toll, weil es eine Vielfalt an Leuten mit unterschiedlichen Hintergründen gab. Ich habe immer in der Studentenbar auf dem Campus, Dave's Bar, abgehangen, die von diesem mürrischen Typen geführt wurde. Es gab diesen abgefahrenen Studentenmix. Da waren die Modemädchen, die reingekommen sind, sich in Schale geschmissen hatten und einfach nur wunderschön aussahen. Dann gab es da noch die Bildhauer in ihren Latzhosen, die genauso hart gearbeitet haben, aber ungepflegt und dreckig aussahen. Es gab diese Spannung zwischen den beiden Fraktionen, bei der es Spaß gemacht hat zuzugucken. Bei den Grafikern waren es eher Kerle in brauen Carhartt-Klamotten mit kleinen Designerbrillen und kurz geschorenen Haaren im Skinhead-Style, wie es damals angesagt war. Jeder Studiengang hatte seine eigene Szene.

Hat dich Mode interessiert?
Klar! Ich hätte fast Mode studiert. Dank i-D übrigens. i-D hat mein Modebewusstsein geformt. Bei euch kamen Labels wie Moschino vor, die man nicht wirklich ignorieren konnte. Es hatte eine solch grafische Sensibilität, dass sogar die Nicht-Modeinteressierten das gut gefunden hätten. Fiorucci ist noch so ein gutes Beispiel. Das war der Style, der mich immer sehr angezogen hat.

Was ist mit dir nach der Uni passiert?
Ich dachte mir: „Ich mache mein eigenes Ding oder ich packe Kisten bei Tesco aus. Ich möchte diese Sache, die ich liebe, nicht für etwas nutzen, woran ich nicht glaube." Also habe ich da angefangen und blieb da viereinhalb Jahre. Ich weiß nicht, ob ihr das im Artikel haben wollt, ob es Lesern Hoffnung macht …

Ich bezweifle, dass man es heutzutage noch genauso machen kann …
Ja, ich weiß, ich hatte Glück. Die Dinge haben sich geändert. Es ist schwer, sehr schwer, einem beschissenen Job, den man nicht mag, tagsüber nachzugehen und danach noch den Kopf frei zu haben, um sich auf sein eigenes Ding konzentrieren zu können. Ich habe mich damals als Chiquita-Praktikant bezeichnet. Wenn du sie abwehren kannst und dich herausredest, kannst du es versuchen. So viele Musiker haben es so gemacht und ich war das visuelle Pendant. Ich saß in meinem Zimmer und habe wirklich versucht, mein Ding zu machen. Ich habe nicht nur rumgebumst, also ein bisschen schon, aber ich habe ernsthaft versucht, etwas auf die Beine zu stellen.

Was ist dann nach viereinhalb Jahren passiert?
Die Dinge haben Gestalt angenommen. Das einzig wirklich Gute, was ich in der ganzen Zeit gemacht hatte, obwohl es schlecht bezahlt wurde, waren Grafiken für Slam City Skates. Es war gerade so viel, um in Kontakt zu bleiben, mich am Ball zu halten, zu wissen wo ich hingehöre und was ich machen will.

Du hast Slam City und Forbidden Planet erwähnt. Es hört sich so an, als ob alternative Läden eine wichtige Rolle in deinen Leben gespielt haben?
Ich muss Michael Costiffs World aus der Zeit noch erwähnen. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, ob ich da jemals was gekauft habe. Aber sie waren trotzdem so freundlich, cool und nett. Es war ein tolles Museum. Ein bisschen wie das Internet vor dem Internet. Das war das Laden-Dreieck zu der Zeit: als Slam City nach Convent Garden gezogen ist, Forbidden Planet noch auf der Denmark Street war und World auf der Litchfield Street war. Das waren die Läden, in die ich gepilgert bin.

Wie kamst du zu Palace?
Hast du Lev [Tanju] getroffen? Er ist unwiderstehlich oder? War er schon immer. Ich habe mich gleich gut mit ihm verstanden, als ich ihn das erste Mal getroffen habe, was schon lange her ist. Er hatte schon immer diese positive Energie. Ich muss sagen, dass ich nicht so weit gedacht habe „Oh, er muss deswegen etwas Außergewöhnliches machen". Es war eher so wie „Oh, was für ein netter Typ. Ich freue mich jemanden wie ihn zu kennen…" Wir haben zusammen Magic Mushrooms und anderes Zeug über die Jahre zusammen genommen. Eines Tages hat er mir gesagt, dass er sein eigenes Label gründen will und das er es Palacenennen will. Er hat mich gefragt, ob ich eine Grafik für ihn gestalten würde. So einfach war das.

So kam es zum Dreieck?
Ja. Lev sagte, dass alles dreieckig sein soll, was er danach wieder komplett vergessen hat.

Palace ist momentan in der Modewelt so „in". Wie kam es zu der Nähe zwischen Streetwear und Mode?
Ich denke, dass sie zueinander gehören. Seit den 80ern ist es so. Vivienne Westwood, BodyMap, sogar John Galliano. Sie waren die Schnittstelle zwischen einem multikulturellen Streetstyle und dem Laufsteg. Seitdem es Teil des Mixes ist, kannst du es auch nicht mehr wirklich loswerden. Jetzt sind wir an einem Punkt, wo der Laufsteg seinen Blick auf die Straße richtet und umgekehrt, was nur richtig ist. Lev war, wie ich, immer an Mode interessiert und war im Gegensatz zu mir auch tatsächlicher Kunde. Während ich Moschino bewundert habe, hat er es getragen. Er kommt aus der Gegend um Clapham Junction und Croydon, also von einer anderen Seite Londons und war schon immer mit dem Zeug verbunden. Das war immer Teil der Palace-Story. Sein Versace-Abklatsch-T-Shirt war eines der ersten Sachen und hat es auf den Punkt gebracht. Es war eine Liebeserklärung an die Modeleute. Als die das dann gesehen haben, beruhte die Bewunderung auf Gegenseitigkeit. Was cool ist, so soll es sein. Ich weiß nicht, wieso Leute glauben, dass Skater Mode nicht mögen. Schau dir nur die ganzen Grafiken an, die Skater immer wieder über die Jahre von Modelabels geklaut haben.

Wie kam es zu den Grafiken für Marc by Marc Jacobs?
Dazu kam es dank Palace. Luella [Bartley] und Katie [Hillier] hatten die Sachen gesehen und waren sehr daran interessiert. Luellas Kind geht auf dieselbe Schule wie das meiner Freundin Sofia [Prantera]. Als sie ihre Kinder zur Schule gebracht haben, haben sie sich unterhalten und kamen dabei auf die Sachen von Palace zu sprechen. Sofia sagte: „Mein Freund Fergus macht die" und gab meine Kontaktdaten weiter. Glücklicherweise haben sie mich dadurch gefunden. Für mich war es sehr überraschend, so eine Möglichkeit zu bekommen. Es war der reine Nervenkitzel. Ich habe dir schon über meinen Hintergrund erzählt, dann mein Interesse an Mode, dann mit solchen Leuten zusammenarbeiten zu können, mit so einem Publikum und für so ein Label war ein absoluter Traum. Es war einfach ein Traumjob. 

Hier geht es zur HW-14-Kollektion von Luella Bartley und Katie Hiller für Marc by Marc Jacobs.

@ariesarise

Credits


Interview: Dean Kissick
Foto: Morgan O'Donovan 

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