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die zehn besten musikmomente in sofia-coppola-filmen

Die Regisseurin wurde vor Kurzem 45 Jahre alt. Grund genug für uns, dir die besten musikalischen Filmszenen zu präsentieren: Von Postpunk am Hofe Marie Antoinettes im 18. Jahrhundert bis zu 70er-Rock in „The Virgin Suicides“.

von Emily Manning
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20 Mai 2016, 12:15pm

Air, „Playground Love" (The Virgin Suicides):
Das französische Duo Air hat zu drei Filmen von Sofia Coppola Musik beigesteuert: Marie Antoinette, Lost in Translation (mehr davon weiter unten), aber am Wichtigsten: The Virgin Suicides. Zwar war es Sonic Youths Frontmann, Thurston Moore, der der jungen Coppola Jeffrey Eugenides' Roman gegeben hat, doch die Regisseurin verpflichtete den Ex-Drummer von Redd Kross, Brian Reitzell, als Music Supervisor für den Film, der gemeinsam mit ihr die perfekten Teenie-Songs der 70er ausgewählt hat. Doch als Coppola das Drehbuch geschrieben hat, hat sie nicht Stys, die Bee Gees oder Carole King gehört, sondern das Elektroduo Air aus Versailles. Sie fragte das Duo, ob sie Lust hätten, Musik zum Film beizusteuern und die beiden Franzosen lieferten ein ganzes Album mit 70er Jahre Musik ab. Playground Love ist der perfekte Track zur verträumten Vorstadt Coppolas. 

New Order, „Ceremony" (Marie Antoinette):
„Ich habe das Frankreich des 18. Jahrhunderts über New-Romantic-Musik, die Bilder von Bow Wow Wow und Adam Ant, Vivienne Westwood und die ganze Postpunkszene, die zu meiner Jugend existierte, kennengelernt", sagte Coppola gegenüber Entertainment Weekly im Jahr 2006. Das ist dann auch der Soundtrack, den sie und Reitzell, für die Filmbiografie über die opulente jugendliche Königin Marie Antoinette zusammengestellt haben. Er reicht von klassischen Contraltos über Postpunk bis hin zu verträumten Popsongs. New Order ist mit ihrer Debütsingle „Ceremony" von 1981 vertreten, ein Cover des letzten von Ian Curtis geschrieben Joy-Division-Songs. 

The Jesus and Mary Chain, „Just Like Honey" (Lost in Translation)
Der Opening-Track des legendären Albums Psychocandy der schottischen Rocker unterlegt die Abschlussszene in dem Oscar prämierten Film Lost in Translation aus dem Jahr 2003. The Jesus and Mary Chain gelten weithin als Wegbereiter von Shoegaze-Rock und bewegten Consequence of Sound zu dem Urteil, dass Lost in Translation viel mit dem Revival des Genres in den 2000ern zu tun hat. Neben den Schotten wurden auch fünf Songs von Kevon Shields, Frontmann von My Bloody Valentine, im Film genutzt. Bei ihrem Coachella-Auftritt 2007 hat die Band zusammen mit Scarlett Johannsson „Just Like Honey" performt.

Gwen Stefani, „Cool" (Somewhere)
Dass die Indiepopband Phoenix beim Soundtrack zu Somewhere vertreten ist, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass der Frontmann Thomas Mars gleichzeitig auch der Ehemann von Sofia Coppola ist. Fun Fact: Er hat die Vocals zu „Playground Love" beigesteuert. Phoenix komponierte die Filmmusik und die Songs „Like a Sunset I" und „Like a Sunset II" aus ihrem Album Wolfgang Amadeus Phoenix, jeweils in der Anfangs- und Schlusszene. Aber es ist die ruhige Szene mit der elfjährigen, eislaufenden Elle Fanning und Gwen Stefanis „Cool", der den Wendepunkt in dem Film bedeutet.

Aphey Twin, „Avril 14" (Marie Antoinette):
Zwar bilden New-Romantic-Klassiker den Großteil des Soundtracks von Marie Antoinette, aber die manische Energie wird durch fantastische elektronische Tracks ausgeglichen. Coppola bediente sich dabei aus dem Doppelalbum drukQs des britischen Altmeisters Aphex Twin. Der Opening-Track „Jynweythek" überzeugt mit seinen vielen Harmonien, doch es ist der Track „Avril 14th" mit seiner simplen Pianomelodie, die besonders ist. Es fällt wirklich schwer zu bestimmen, ob das Stück von Hofkomponisten oder der Meister des Ambient Techno dahinter stecken.

Kanye West, „All of The Lights" (The Bling Ring):
Wir behaupten nicht, dass der Marie-Antoinette-Soundtrack Kanye West dazu inspiriert hat, „Avirl 14" von Aphex Twin auf My Beautiful Dark Twisted Fantasy zu sampeln, aber wer kann das schon so genau sagen. Aus dem Album hat sich Coppola mit „All of The Lights" bedient. Diese spielt im Auto, wie fast alles in Los Angeles. Ein reiches weißes Mädchen singt zu seinem Rapsong mit. Eine ähnliche Technik verwendete Coppola in einer früheren Szene, doch bei „All The Lights" geht es ihr weniger um einen komischen Effekt als viel mehr einen Kommentar: die Figuren spulen die Wörter runter, ohne darüber nachzudenken, was sie denn da eigentlich sagen. 

Air, „Alone in Kyoto" (Lost in Translation)
Songs von den Sex Pistols, Roxy Music, Elvis Costello und Pretenders werden Karaoke gesungen, doch noch stärker sind die ruhigeren Songs in dem Film. „Ich wollte ein Gefühl der Verlorenheit erzeugen, dass man in dieser unbekannten und fremden Welt ist", sagte die Regisseurin der LA Times. Air haben mit Alone in Kyoto wieder einmal geliefert. Der Soundtrack zur Szene, in der Charlotte mit der atemberaubenden Landschaft Japans in Berühung kommt. Sie bewegt sich, aber bleibt doch immer am Rand.

Brigitte Bardot, „Moi Je Joue" (Werbespot Miss Dior Cherie)
Mit 15 Jahren war sie zwar Praktikantin bei Chanel, aber ihren ersten Werbespot hat sie für ein anderes französisches Modehaus gedreht: Dior. Für die Parfümkampagne Miss Dior Cherie schickte sie das weißrussische Model Maryna Linchuk durch die Stadt. Ein wahrer Godard-Vibe. Auch beim Soundtrack orientierte sie sich an den frühen 60ern und benutzte Brigitte Bardots Single „Moi Je Joue" aus dem Jahr 1964, was herrlich verträumt und leicht ist. Der Spot feierte 2008 während Gossip Girl—wo auch sonst—Premiere und ist nach wie vor der beliebteste Spot der amerikanischen Regisseurin.

Heart, „Magic Man" (The Virgin Suicides)
Gibt es einen besseren Soundtrack als „Magic Man" von Heart, um uns den Schwarm aus Virgin Suicides Trip Fontaine zum ersten Mal vorzustellen? Die einfache Antwort lautet: nein. Denn der Song wurde von den Schwestern Ann und Nancy Wilson geschrieben und erzählt die Geschichte eines jungen Mädchen, das sich zu einem älteren Mann hingezogen fühlt, aber Probleme damit hat, dies ihrer Mutter zu erzählen. Zugegeben: zwischen Lux und Trip ist der Altersunterschied nicht so groß, aber Mrs. Lisbon wollte davon nichts wissen.

The Cure, „Plainsong" (Marie Antoinette)
Die prächtige Krönungszeremonie der jungen und widerwilligen Herrscher unterlegte Coppola mit The Cure und ihrem Opening-Track „Plainsong" von ihrem Album Disintergration. Die Filmmusik scheint keine Filmmusik zu sein, sondern das Glockenspiel während der Krönung Louis' wirkt so authentisch, dass man nicht denkt, es komme vom Band. Die Klänge eignen sich für eine königliche Prozession, erinnern aber auch an 80er Jahre Musik und amerikanische Abschlussbälle. Ohne die dysfunktionalen jungen Monarchen aus dem historischen Kontext zu reißen, nutzt Coppola Musik als Mittel, damit wir uns mit ihnen identifizieren können.

Credits


Text: Emily Manning
Foto: Still aus The Virgin Suicides