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ein einblick in brasiliens modeszene

Wir stellen dir 10 Designer vor, die du dir unbedingt merken solltest.

von Ricarda Messner
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27 April 2017, 2:30pm

London, Mailand, Paris, New York — das sind die Städte mit den Fashionweeks, die sich das Modevolk jahrein jahraus immer ganz rot im Kalender anstreicht. Hier zeigen die international erfolgreichen Labels und noch viel entscheidender, hier siedeln sich auch die Labels an, die erfolgreich sind oder es werden wollen. Gosha Rubchinskiy verlässt Moskau und kommt nach Paris, weil da nun mal mehr geht. Die Designer von Vetements sorgen kurze Zeit für Aufmerksamkeit für ihr Herkunftsland Georgien oder versuchen die Strukturen zu brechen, indem sie den Sitz nach Zürich verlagern. Aber trotzdem kehrt man immer wieder zurück — nach London, Mailand, Paris, oder New York.

Eine Stadt, die nicht auf dem internationalen Moderadar liegt, ist São Paulo. Fragt man Modekenner nach der brasilianischen und lateinamerikanischen Szene steigen bei den meisten große Fragezeichen auf. Und dabei haben die jungen Kreativen vor Ort einiges zu bieten. Wir stellen dir 10 junge und bereits etablierte Labels vor und haben zusätzlich mit Augusto Mariotti, dem Kreativdirektor der São Paulo Fashion Week, über Mode in und aus São Paulo gesprochen.

Cem Freio

Seit wann gibt es die Fashionweek in São Paulo und wie ist diese über die Jahre gewachsen? Wie viele Designer zeigen bei Euch?
SPFW ist mittlerweile 21 Jahre alt. Wir haben mit 15 Designern angefangen und sind jetzt bei 37 angekommen, die Herbst/Winter zeigen, und 42, die Frühling/Sommer präsentieren, inklusive Bademode.

Wie würdest du Mode aus São Paulo beschreiben? Hast du das Gefühl, es gibt einen bestimmten Style?
Es ist ziemlich verschieden und breitgefächert. Auf dem Laufsteg haben wir viele Denim-Designer, Denim macht einen großen Teil unserer Industrie in São Paulo aus, Abendkleidung, Streetwear und die, die sich im Luxussegment ansiedeln. SPFW repräsentiert nicht nur die Stadt, sondern auch die modische Bandbreite Brasiliens, mit Designern aus dem Norden bis zum Süden, die die unterschiedlichsten Ansätze und Styles haben. Apropos Streetstyle: Ich glaube, Sao Paulo ist die Stadt, in der weltweit am meisten schwarz getragen wird, obwohl man wahrscheinlich eher bunte Assoziationen mit Brasilien hat.

Handred

Normalerweise schaut die Modewelt auf Städte wie New York, London, Paris oder Mailand. Ab und an gibt es dann mal jemanden wie Gosha Rubchinskiy, der die Aufmerksamkeit nach Moskau bringt. Wie schätzt du die internationale Aufmerksamkeit für São Paulo ein?
Ich glaube, wir hatten so einen ähnlichen russischen Moment Anfang der 2000er, aber mit einer anderen Ästhetik, die nicht auf einen spezifischen Look reduziert werden kann. Es waren Designer wie Alexandre Herchovcitch von A La Garconne, Pedro Lourceno, Neon oder Issa, die mit bunten Prints und handgemachter Arbeit aufgefallen sind. Sie waren auch eher brasilianisch passend zu den Erwartungen aus dem Ausland einzuordnen. Ansonsten waren wir immer offen für Streetwear und dessen Kultur, viel früher als der Trend in Europa begonnen hat.

„Wir atmen Mode, unser Label ist wie New York, gemixt mit einer brasilianischen Soße." - Just Kids

La Garcone

Kannst Du uns ein bisschen mehr über die Infrastruktur erzählen? Wie sieht der wirtschaftliche Alltag für junge Labels aus? Schaffen es die meisten eine längere Karriere auszubauen?
Mode in Brasilien hat einige Vorteile, aufgrund unserer Jahrhunderte alten Textilindustrie, die Designer mit einer großen und gut funktionierenden Logistik dient. Allerdings scheitert es meist an dem komplizierten Steuersystem, das nicht nur die Modebranche, sondern jegliche Branche betrifft. Wir versuchen, mit der SPFW junge Designer zu unterstützen, inklusive Ausbildung und einem wirtschaftlichen Mentoring-Programm für junge, neue und kleine Labels. Wenn es um die Fashionshows geht, können junge Designer das gleiche Produktionsset wie die etablierten Marken bekommen. Das bezieht sich auf Casting, Licht, Backstage und allgemeine Beratung.

Flavia Madeira

Was ist euer Ziel, vor allem, wenn es um internationale Aufmerksamkeit geht? Haben einige der Marken bereits außerhalb von Sao Paulo gezeigt?
Internationale Positionierung und Anerkennung ist in der Tat eine unserer wichtigsten Prioritäten. Seit einigen Jahren bemühen wir uns konkret darum, Journalisten aus dem Ausland einzuladen beziehungsweuse zu unterstützen, um auch mehr internationale Berichte von den Catwalks zu erzeugen. Journalisten von großen Medienhäusern reisen immer häufiger nach São Paulo. Es ist trotzdem wichtig festzuhalten, dass 90 bis 95 Prozent unseres Modemarktes lokal stattfindet. Der brasilianische Modeexport ist immer noch eine große Herausforderung. 

„Was uns am meisten wohl in Sao Paulo inspiriert, ist der Mix und Clash der verschiedenen Kulturen und Leute. Teil von diesem facettenreichen Mix zu sein, kreiert Platz für das Neue, in einer Geschwindigkeit, die man in keiner anderen brasilianischen Stadt findet." - Piet Collection

Robert Dognani

Glaa Acessorios

Haight

Modem

Lab Ratier

Credits


Text: Ricarda Messner
Fotos: Cassia Tabatini
Video: Gustavo McNair