„ich bin keine rebellin, ich will mich nur wohl in meiner eigenen haut fühlen“

Es gibt Menschen, die planen. Sie erstellen Pro-Kontra-Listen, wägen Risiken genau ab und machen einen großen Bogen um alle möglichen Hürden bis zu ihrem idealisierten Ziel. Und dann gibt es Menschen wie Fa Pawaka Empel.

von i-D | Anzeige
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11 Oktober 2016, 8:55am

#untaggable Stories präsentiert von AUDI Q2

Fa'vela Punk, Fa Pawaka Empel oder Fahrani—wer ihren Namen googelt, erahnt schon auf der oberflächlichen Ebene, was sich beim näheren Kennenlernen manifestiert: Diese Frau lässt sich in keine Schublade stecken. Und es zu versuchen, wäre auch ein Verbrechen.

Fa ist Designerin, Model, Schauspielerin, Musikerin, Malerin, Autodidaktin und Vorbild.
Mit 13 Jahren stand die gebürtige Indonesierin das erste Mal vor der Kamera, mit 16 wurde sie von Elite Models unter Vertrag genommen. Ihre Mutter gab ihr den Ratschlag, keine halben Sachen zu machen, egal was sie tue, sie sollte zuerst die Schule abschließen.

Der geradlinige Weg war für Fa aber noch nie eine Option.
„Ich werde einfach ganz viel Geld machen, scheiß drauf", erwiderte sie ihrer Mutter. Die Schule hat sie nie fertig gemacht, dafür zog sie erst nach Hong Kong, danach nach Tokyo, um sich ganz ihrer Modelkarriere zu widmen. Mit ihren damals ellenlangen, braunen Haaren wurde sie schnell zum wahr gewordenen Traum der südostasiatischen Werbewelt und zum Gesicht vieler kommerzieller Kampagnen. „Der Anfang war toll. Modeln war der Türöffner zur Erwachsenenwelt", sagt sie, „Ich wusste aber auch, dass ich es eine Zeit lang durchziehen kann, längerfristig aber auf keinen Fall dadurch erfüllt sein werde."

„Sweet Sexy Thing"
Diesen Kosenamen gab ihr ihr Exfreund und er wurde auch zu ihrem ersten Tattoo. Das zweite folgte bereits am nächsten Tag. Heute hat sie mit dem Zählen aufgehört. Ihr Kopf ist kahl geschoren. „Ich bin keine Rebellin, ich will mich nur wohl in meiner eigenen Haut fühlen", erklärt sie. Und dank ihres einzigartigen Looks hat sie noch viele weitere Modeljobs an Land gezogen. „Es ist schon lustig. Sobald ich beschlossen hatte, mein Inneres nach Außen zu kehren und meinen Modelberuf an den Nagel zu hängen, wurde ich noch erfolgreicher", lacht sie.

Wenn Fa heute in ihrer Heimat Jakarta ist, trifft sie auf Missachtung, Vorurteile und den Glauben, sie sei nicht von dieser Welt. Ihr Look entspricht nicht dem einer anständigen Frau und auch nicht den gängigen Schönheitsidealen. Doch dann gibt es noch die jüngere Generation. Eine, die Fa als Vorbild sieht, als Anti-Held-Heldin in einem konservativen Umfeld. Regelmäßig bekommt die 32-Jährige Nachrichten von ihr unbekannten Jugendlichen, die ihr für ihre Offenheit und ihren Mut, zu sich selbst zu stehen, danken.

„Mir ist es egal, dass ich von manchen verachtet werde. Ich möchte diesen Kids zu Hause sagen: Lasst euch nicht einschränken!"
Die Tatsache, dass sich Fa heute sehr wohl in ihrer Haut fühlt, ist keine bloße Feststellung. Ihre Einstellung färbt ab. Während viele selbstbewusste Frauen oft Neid, Angst und Einschüchterung auslösen, schafft Fa das genaue Gegenteil. Man möchte nicht sie sein. Man fühlt sich von ihr bestärkt, man selbst zu sein. Nach Hong Kong und Tokio zog es Fa zurück nach Indonesien, nach Bali, wo sie von einem großen Netzwerk an Designern umgeben war. Dort beschloss sie, ihre Mode-Skizzen, die sie seit ihrer Kindheit nur für sich selbst anfertigt hat, in die Realität umzusetzen. Sie entwickelte ihre erste Schuhlinie, eine Ready-To-Wear- und eine Schmuck-Kollektion. Wenige Zeit später trennte sie sich aber von ihrem damaligen Businesspartner und zog nach Berlin: Die Geburtsstunde ihrer Sonnenbrillenmarke Pawaka, was so viel wie Feuer heißt. Benannt nach ihrem Großvater, der den Namen im Krieg bekam und als Überlebender adaptiert hat, gilt die Marke für Fa als eine Plattform, mit der sie ihre Geschichte erzählt. Abgeholt hat sie die ersten Samples an dem Tag, an dem ihr Großvater gestorben ist; für sie ein Anlass, das Projekt in ihrer neuen Wahlheimat durchzuziehen.

„Berlin ist alles andere als perfekt. Ich liebe es. Hier muss ich mich nicht wie ein Freak fühlen."
In ihrer modernen Dachgeschosswohnung zwischen Moritzplatz und Kottbusser Tor hat Fa genügend Raum, alle Facetten ihres privaten und beruflichen Lebens zu vereinen: Ihren Arbeitsplatz teilt sie sich mit ihrer Managerin, die große Wohnküche mit einigen Freunden, die kommen und gehen dürfen, wie es ihnen passt. „Ich denke, wir sind alle irgendwo Künstler, ich würde mich aber nie als einen bezeichnen. Ich möchte meine Bilder nicht verkaufen. Sobald du an einen Endkunden denkst, ändert sich die Motivation hinter dem kreativen Prozess, das möchte ich für diese Art Arbeit nicht." In welchem Terrain Fa Empel sich auch bewegt, sie tut es mit Bestimmtheit. Eine Mentalität, die man sich—gerade in Berlin—häufiger wünschen würde. Was Fa an sich selbst stört? „Ehrlich gesagt oft meine Gefühle. Energien, die ich nicht kontrollieren kann, nerven gewaltig."

favelapunk.com

Credits


Text: Zsuzsanna Toth 
Fotos: Robbie Lauwrence 

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