miriam marlene waldners sanfte fotografien versetzen dich in eine traumwelt

Die junge, in Berlin lebende Fotografin erklärt, warum stille Wasser oft tief sind und warum wir mehr zuhören und nicht nur hinhören müssen.

von Alexandra Bondi de Antoni
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24 August 2016, 8:35am

Who run the world? In unserer neuen Printausgabe The Female Gaze Issue zeigen Frauen, wie sie die Welt sehen. In den kommenden Wochen widmen wir uns in einem Themenschwerpunkt der Frage, was es heutzutage bedeutet, eine Frau zu sein.

Miriam Marlene Waldner ist gerade einmal 20 Jahre alt, aber hat schon so einige Cool-Kids, mit denen wir selbst gerne abhängen würden, von der Kamera gehabt. Sunflower BeanPetite MellerAurora—müssen wir noch mehr sagen? Außerdem findet man ihre Arbeiten regelmäßig in Tavi Gevinsons Rookie Magazine und so ziemlich in jeder deutschen Mode-und Musikpublikation wieder. 

Dass das so ist, ist auch gar nicht verwunderlich. Miriams Arbeiten sind weiblich, sinnlich, verspielt und lassen uns in eine andere, in bunte Farben getauchte Welt träumen. Die Frauen, die sie ablichtet, wirken sanft, ihr Blick ist dabei immer stark, fast schon herausfordernd. Genau dieser Kontrast ist es auch, der ihre Fotos so spannend macht, und einen nicht mehr wegschauen lassen. Weil wir mehr über die Zauberwelt der in Berlin lebenden Kreativen wissen wollten, haben wir sie zum Interview gebeten. Im Gespräch verrät die junge Fotografin, warum manche Leute sie als schüchtern bezeichnen würden, was Mutig- und Gesundsein mit Weiblichkeit zu tun haben und wie es zu ihrer Zusammenarbeit mit Petite Meller gekommen ist. 

Kannst du dich an das allererste Foto erinnern, das du jemals gemacht hast?
Das waren damals bestimmt ein paar Blumen in meinem Beet. Ich habe vier Geschwister und jedes Kind hatte im Garten sein eigenes Beet, das wir bepflanzen konnten. In unserem riesigen Garten irgendwelches Zeug zu entdecken und mit meiner Kamera festzuhalten, habe ich besonders geliebt.

Was bedeutet Weiblichkeit für dich?
Eine mutige, gesunde und unabhängige Frau finde ich weiblich.

Wie würdest du das Frauenbild, das du in deinen Bildern zeigst, beschreiben?
Keine Sexualisierung, sehr sensibel, dabei aber niemals schwach!

Deine Bilder wirken wie ein niemals endender Tagtraum, der gegen den grauen Alltag ankämpft. Ist das eine Ästhetik, die du bewusst verfolgst?
Ja, da hast du wohl recht. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich ich keiner bewussten Ästhetik folge. Ich zeige das, was mich beschäftigt und anzieht. Das ist eher intuitiv.

Deine Bilder haben auch eine sehr beruhigende Aura. Würdest du dich selbst als ruhigen Menschen bezeichnen?
Ja, ich bin recht ruhig. Nach außen jedenfalls. In mir selbst passiert immer sehr viel. Häufig verwechseln Leute das mit Schüchternheit—bin ich eigentlich null. Ich mache eher viel mit mir selbst aus. Wenn mich etwas besonders begeistert oder freut, bin ich auch nach außen alles andere als ruhig. Wenn ich zeichne und Musik höre, entspanne ich mich komplett. Sich einer guten Platte zu widmen, ist super—jeden Song anhören und Zeit geben. Nicht wie auf dem Handy alles gleich weiterklicken, was nicht sofort gefällt. Zum Glück ist mein Vater genauso an Musik interessiert und besitzt die besten Alben! Smartphone und Computer ausschalten, zuhören und nicht nur hinhören.

Petite Meller

Wie findest du deine Models?
Über Freunde, soziale Medien und Veranstaltungen wie Konzerte oder Partys. Ich denke, ich bin recht selbstsicher, in dem was ich tue und das lässt mich sehr offen sein. Wenn man offen und authentisch ist, kommt man—meiner Erfahrung nach—den Leuten am ehesten nah.

Arbeitest du unterschiedlich, wenn du für ein Magazin fotografierst oder von Freunden Fotos macht?
Ja, eigentlich schon. Wenn ich etwas für jemanden fotografiere, bin ich manchmal endlos gestresst und viel kritischer mit mir selbst.

Was fasziniert dich so an der analogen Fotografie?
Alles! Von gespannt auf die entwickelten Bilder warten bis zur Körnung und den Farben. Ich liebe Dinge zum Anfassen und kann mit zu viel digitalem Luxus im Alltag gar nicht umgehen.

Welche Rolle spielen die soziale Medien in deiner Arbeit?
Leider eine zu große. Ich hoffe, dass das nicht so bleibt! Oft spiele ich mit dem Gedanken, alle meine Accounts zu löschen. Geht aber nicht ganz auf, da ich weiß, wie wichtig soziale Medien heutzutage sind.

Die Sängerin Aurora.

Was würdest du als den besten Moment beim Fotografieren bezeichnen?
Wenn ich durch die Kamera schaue und genau den richtigen Moment erwische!

Wir sind ja große Fans von Petite Meller. Du arbeitest regelmäßig mit ihr zusammen. Wie ist es dazu gekommen?
Vor ungefähr zwei Jahren habe ich sie für eine Strecke in Stockholm fotografiert. Wir haben zusammen dort ein paar Tage gewohnt und uns super verstanden. Seitdem sehen wir uns immer mal wieder und dann entstehen immer irgendwelche Dinge.

Verrate mir noch deine Pläne für die Zukunft?
Das Space Collective. Das ist ein Projekt, das ich zusammen mit ein paar Freunden mache. Wir organisieren die unterschiedlichsten Sachen zusammen und machen unser Ding. Von Shootings über Videos bis Zines ist alles dabei. Einen Flohmarkt in Berlin, den Space Market, haben wir schon veranstaltet. Letztes Wochenende hat es die erste Space Party in unser Lieblingsbar gegeben. 

miriam-marlene-waldner.tumblr.com

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni 
Fotos: Miriam Marlene Waldner

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