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die designer wendy & jim stellen in ihrer neuen kollektion eine frage, die uns alle betrifft: was ist der wert eines likes?

Alles eine Farce? Hermann Fankhauser und Helga Ruthner erörtern innerhalb der Präsentation ihrer Frühjahr-/Sommerkollektion 2017 morgen Abend essentielle Fragen der digitalen Welt. Wir haben die Designer hinter Wendy & Jim zum Interview getroffen.

von Zsuzsanna Toth
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29 Juni 2016, 7:35am

Dominik Geiger

Wer sich auch nur für einen kurzen Moment mit österreichischem Modedesign beschäftigt, kommt an Wendy & Jim nicht vorbei. Die von Hermann Fankhauser und Helga Ruthner gegründete Marke steht sowohl mit ihrem Namen als auch mit ihrer Mode als leicht schräges und opportunes Synonym für: eine Frau und einen Mann. Das Designerduo, das unter Helmut Lang an der Universität für Angewandte Kunst in Wien studierte, wagt dabei stets den Versuch, aktuelles Zeitgeschehen zu übersetzen.

Morgen Abend zeigt das Duo seine Frühjahr-/Sommerkollektion 2017 im Zuge einer außergewöhnlichen Fashionshow, in der es um digitale Anerkennung geht, in der Berliner Crone Gallery. Wir haben sie vorab zum Interview getroffen. 

Ihr feiert nächstes Jahr euer zwanzigjähriges Firmen-/Markenjubiläum. Eine fast ungewöhnlich lange Zeit für ein unabhängiges Labeld. Was treibt euch stetig an weiterzumachen?
Wie bitte? So lange schon? Damals waren wir ja noch Kinder.

Ihr habt mit eurer Mode in Paris angefangen, seid aber in eurer Heimat Wien gebliebendie meisten würden es umgekehrt machen. 
Wir haben nie in Paris gelebt, aber wer weiß, was noch kommt. Wir zeigen seit Beginn in Paris, weil wir uns dem Ausdruck der Mode dort am nähesten fühlen. Und Paris war immer offen für Designer wie uns.

Eure neue Kollektion wird im Zuge einer Performance in der Crone Gallery präsentiert, die sich mit der Like-Kultur der digitalen Gesellschaft, dem Kodex einer Welt, die (zu) sehr in den sozialen Netzwerken lebt, befasst. Wieso war es euch wichtig, dieses Thema als Wendy & Jim aufzugreifen?
Uns gehen immer schon Themen durch den Kopf, die uns im Augenblick betreffen, die dann wiederum unsere Arbeit beeinflussen. Wir haben beobachtet, dass eine große Diskrepanz zwischen liken oder teilnehmen und einer echten Handlung besteht. Man möchte gar nicht wirklich teilnehmen, man möchte nur Teil derselben digitalen Community sein.

Eine Einladung, oft auch eine Showeinladung, ist ein Mittel für die Eingeladenen geworden, sich selbst in Szene zu setzen. Vor der Show ist fast wichtiger als die Show selbst. 

Die gesamte Kollektion ist mit diesen Gedanken und Handlungen verwoben, die Drucke unserer Stoffe sind schnell, absichtlich ungenau und unscharf, fast skizzenhaft, aber dann doch mit der Präzision eines Digitaldrucks auf hochwertigste Materialien gedruckt. Die Ideen zu Entwürfen entstehen nicht mehr auf der Straße, sondern beim Scrollen auf Instagram. Die Ideen werden im Internet praktisch serviert. 

Macht uns das Leben im Bildschirm kaputt?
Nein, gar nicht. Es ändert sich alles immer. Und vielleicht macht es dann das echte Leben wieder umso wertvoller. 

Wie seid ihr von der Digitalisierung und vom Verbraucherverhalten der digitalen Generation betroffen?
No one likes us!! ist auch eine Freiheitserklärung. Wann hat man genug Likes, wer mag einen denn wirklich? Was ist denn das wert? Ein User hat „No one like us" unter unsere Einladung gepostet, das ist doch ein nettes Kompliment. 

Ertappt ihr euch auch selbst ab und zu dabei, online eine andere Identität zu verkörpern beziehungsweise eure reale Person etwas abzuwandeln oder anzupassen?
Nein, das wäre uns zu anstrengend. Nicht alles zu sagen und zu zeigen, ist auch ein Weg. 

Für eure neue Kollektion habt ihr eine Person/a kreiert. Könnt ihr diese näher beschreiben?
Uns fällt unser Designprozess leichter, wenn wir an eine andere Person als uns selbst denken. Aber wir können diese Person nicht ganz genau beschreiben. Sie trägt unsere neue Kollektion, jetzt nach dem Casting hat sie langsam die Gesichter der Models angenommen. 

Wie würdet ihr eure Frühjahr-/Sommerkollektion 2017 beschreiben?
Es ist eine sehr innerliche Kollektion geworden. Als wir zum Beispiel an den Stoffmustern gearbeitet haben und ein Blumenmuster entwerfen wollten, haben wir uns dafür entschieden, nur Blüten und Pflanzen zu verwenden, die auch in unserem Parfüm vorkommen. Ein anderer Druck zeigt eine falsche Schlange, ein Schlangenmuster mit Frauenköpfen. Mehr wollen wir aber noch nicht verraten ... 

@wendyjim_official

Credits


Text & Interview: Zsuzsanna Toth 
Fotos: Dominik Geiger & Wendy & Jim