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#bodylove ist das großartige fotoprojekt, das den weiblichen körper feiert

„So sehen wir aus und das ist gut so!" - Die Fotografin Silvana Denker fotografiert für ihre #bodylove-Kampagne Frauen jeder Größe, nur in Unterwäsche gekleidet auf den Straßen Deutschlands und der Welt.

von i-D Staff
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18 Dezember 2015, 11:50am

Was war 2015 doch für ein Jahr für die Body-Positive-Bewegung! Nie zuvor haben so viele Fraue ihre Stimmen erhoben und für einen aufgeklärteren Umgang mit dem eigenen Körper protestiert. Instagram wurde zum oft genutzten Sprachrohr im Kampf für ein besseres Körperverständnis. Tess Holliday protestierte mit #EffYourBeautyStandards gegen Cybermobbing und Frauen auf der ganzen Welt forderten mit #freethenipple eine Akzeptanz der weiblichen Brustwarzen in den sozialen Netzwerken. Das Plus-Size-Model Ashley Graham erklärt in ihrem sehenswerten TED-Talk, was es bedeutet, stolz auf seinen Körper zu sein, und große Marken wie & other Stories und H&M setzten in ihren Kampagnen auf natürliche Schönheit. Dieses Jahr hat sich viel in der Body-Positive-Bewegung getan und das war erst der Anfang!

Vor Kurzem stolperten wir über den Instagram-Account der deutschen Fotografin und Model Silvana Denker, die mit ihrer Bodylove-Kampagne für ein besseres Körperbild wirbt. Dazu fotografiert sie Frauen und Männer jeder Statur, jedes Alters und Aussehens nur in Unterwäsche bekleidet in Fußgängerzonen. Anfänglich nur als Nebenprojekt gedacht, setze sie die Aktion nun schon in vielen Städten überall auf der Welt um. Ihre Models sind Frauen und Männer wie du und ich. Jeder ist auf seine Art und Weise schön. Ihren Körper, jede Falte, jede Delle und jedes Körperhaar zeigen sie mit Stolz. Sie verstecken sich nicht! Warum sollten sie auch? Sie schauen selbstbewusst in die Kamera und sind so ein Vorbild für jeden.

#bodylove zeigt, wie schön der weibliche Körper mit all seinen Eigenheiten ist, und, dass jede Frau stolz auf ihr Aussehen sein soll. Wir wollten mehr über die Kampagne wissen und haben Silvana ein paar Fragen gestellt.

Wofür steht die Bodylove-Kampagne?
Mit der Kampagne möchte ich für mehr Selbstliebe und Akzeptanz werben. Wir alle sind unterschiedlich, es gibt nicht nur den einen perfekten Körper, wie er uns gern in den Medien vorgeführt wird. Menschen sind groß, klein, dick, dünn, haben Tattoos, Narben oder gar Behinderungen. Gerade die vermeintlichen Unvollkommenheiten machen uns doch erst besonders. Ich selbst arbeite seit fünf Jahren als Plus-Size-Model, war auch öfter in den Medien zusehen und musste schon den ein oder anderen Shitstorm ertragen. Warum muss man andere Menschen beleidigen, weil sie anders aussehen und nicht in das eigene Bild passen? Ich kämpfe mit der Bodylove-Kampagne für mehr Toleranz und vor allem für Respekt!

Wie bist du auf die Idee gekommen?
Die Aktion war ursprünglich als Serie für ein Plus-Size-Magazin geplant, für das ich drei Plus-Size-Models nackt fotografierte. Das Magazin hat dann kurzfristig das Konzept für die Ausgabe geändert, so dass die Bilder nicht mehr passten. Ich beschloss, sie selbst zu veröffentlichen und auszuweiten. Ich fotografierte weiterhin Frauen und Männer mit unterschiedlichen Kleidergrößen und verschiedenen Alters. So kam mir die Idee für die Kampagne, mit der ich möglichst viele Menschen zum Nachdenken anstoßen möchte. Ich will etwas bewegen! Ich möchte Aufmerksamkeit erregen. Schnell war die Idee mit dem Shooting in der Fußgängerzone geboren, bei dem wir Frauen mit verschiedenen Proportionen in Unterwäsche ablichteten. Die Fotos sind nicht retuschiert oder nachbearbeitet worden. Ich möchte die Realität zeigen! Nachdem die Resonanz auf die erste Aktion unerwartet groß war, weitete ich die Aktion auf mehrere Städte aus, inzwischen ist es eine komplette Tour geworden. Ich habe auch international bereits einige Shootings umgesetzt und eines meiner nächsten Ziele ist London.

Was möchtest du mit der Kampagne verändern?
Ich möchte vor allem zu mehr Selbstbewusstsein aufrufen! So sehen wir aus und das ist gut so! Mittlerweile habe ich so viel Zuspruch erhalten. Ich denke die Kampagne hat vielen Mut gemacht sich akzeptieren und zu sich zu stehen.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass ich mit der Kampagne auch international noch mehr Aufmerksamkeit erreichen kann. Um das realisieren zu können, suche ich Sponsoren und habe eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. Ich verdiene nichts an der Bodylove-Kampagne, sie ist für mich eine reine Herzensangelegenheit. Mein Team und ich haben bisher alle Kosten selbst getragen. Da stößt man früher oder später natürlich an seine Grenzen, deshalb hoffe ich auf Unterstützung.

Wer sind die Frauen, die du fotografierst?
Für die Shootings kann sich jede Frau bewerben. Viele schreiben mir, dass sie das für ihr Selbstbewusstsein tun wollen oder weil sie gelernt haben, sich so zu lieben wie sie sind und die Message gern nach außen tragen. Ich habe bei den bisherigen Aktionen schon so viele tolle Menschen kennengelernt, dafür bin ich sehr dankbar.

Du arbeitest auch als Model, was war bisher dein aufregendster Job?
Ich bin einmal nach Las Vegas und Los Angeles geflogen, um für einen Katalog fotografiert zu werden. Ich war zum ersten Mal in den USA und dazu noch mit einem wunderbaren Team. Diese Tage werde ich nie vergessen.

Was wolltest du als Kind werden?
Seit ich denken kann, wollte ich Medizin studieren und absolvierte nach meinen Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr. Dann habe ich in der Pflege gearbeitet, um Wartesemester zu sammeln. Dann kam aber doch alles ganz anders!

Wie würdest du dein Anliegen in einem Satz zusammenfassen?
Ich kämpfe für ein realistisches Frauenbild!

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Weitermachen! Und ich mache außerdem einen Charity-Kalender mit kurvigen Frauen, der Erlös wird komplett an Brustkrebs Deutschland e.V. gespendet. Den Kalender produziere ich seit zwei Jahren regelmäßig und nächstes Jahr geht's auch schon wieder mit der Vorplanung los.

@silvanadenker

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Interview: Selina Bauer
Bilder via Instagram