Wie muslimische Künstlerinnen mit Feminismus umgehen

Eine neue Generation von arabischen und muslimischen Künstlerinnen nutzt Kunst, um sich mit der Vielschichtigkeit der Identitäten als Frau auseinanderzusetzen. Wir stellen sie euch vor.

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Aug. 29 2017, 10:21am

Sanaa Hamid

Dieser Artikel erschien zuerst auf i-D UK.

Loren Elhili und Susanna Pousette haben beide vor Kurzem an der Londoner Goldsmiths University ihren Abschluss in Kunstgeschichte gemacht und mit Feminism(s) x The Arab & Muslim diaspora bereits ihre erste Ausstellungsreihe präsentiert. Damit geben sie sieben muslimischen und arabischen Künstlerinnen eine Plattform, die mit ihren Installationen, Filmen, Fotografischen Projektionen, Skulpturen und Prints, "die Vielschichtigkeit von Frauen in der Diaspora zeigen und gleichzeitig Klischeevorstellungen zerstören."


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Wir stellen euch die sieben Künstlerinnen vor.

Maha Alasaker
Maha kommt aus Kuwait, lebt aber mittlerweile in New York und wird seit Juli 2014 von der JHB Gallery vertreten. Ihre Arbeiten waren bereits in mehreren Ausstellungen zu sehen und sind eine Auseinandersetzung mit kultureller Identität.


Yumna Al-Arashi
Die in Washington D.C. geborene und aufgewachsene Amerikanerin hat einen Bachelor in International Politics und arbeitet als selbstständige Fotografin. Nach Stationen in New York und Beirut lebt sie mittlerweile in London. "In meinem ganzen Leben war ich immer von muslimischen Frauen umgeben, die ein Kopftuch getragen haben und so stark waren. Sie haben über so eine Tiefe verfügt, genauso wie die Frauen, die kein Kopftuch getragen haben", sagt sie. "Als Muslima wird man immer in eine Schublade mit einer Identität gesteckt. Ich möchte dieses Stereotyp ändern."

Tasnim Baghdadi
Tasnim wurde in Köln geboren, ist Illustratorin und arbeitet als Kunstmediatorin. Heute lebt sie in Fribourg und beschreibt ihren Stil als "ausdrucksstark, repetitiv und meta-figurativ". Sie möchte Begegnungen mit Women of Color schaffen: "Meine Arbeit Resistance handelt von Female Empowerment, intersektionalem Feminismus und von der Bedeutung des Widerstands und der Solidarität innerhalb der Realitäten von Menschen in der Diaspora", erklärt sie.

Maimouna Guerresi
Die italienisch-senegalesische Künstlerin Maïmouna Guerresi arbeitet an der Schnittstelle zwischen Fotografie, Skulptur, Video und Installation, weil sie damit ihre kulturellen und religiösen Einflüsse miteinander verbinden kann. In ihren Arbeiten, die bereits mehrfach in Europa, Afrika, den USA, Asien und im Nahen Osten ausgestellt wurden, reflektiert sie das duale Wesen ihrer Kultur, ihr Zugehörigkeitsgefühl und ihre Suche nach einem Gleichgewicht darin. "In der islamischen Geschichte gab es mehrere starke Frauen, die es dank ihrer intellektuellen, spirituellen und künstlerischen Fähigkeiten nach oben geschafft haben, leider wurden ihre Geschichten vergessen", beschreibt sie ihren Ansatz. "Das Vergessen spornt mich umso mehr an, noch stärker zu recherchieren."

Sanaa Hamid
Die Britin mit südasiatischen Wurzeln Sanaa Hamid hat an der UCA Rochester Fotografie studiert und erkundet in ihren fotografischen Arbeiten Themen wie kulturelle und religiöse Identität, Weiblichkeit und den Körper, aus dem Blickwinkel einer Muslima aus Südasien. Für sie schaffe die Digitalisierung neue Möglichkeiten, gerade für Women of Color. Sanaa kreiere Selbstporträts, um die Stereotype zu dekonstruieren und eine Identität für Frauen aus Südasien etablieren zu können.

Nour Malas
Die aus Syrien stammende und in London lebende Künstlerin Nour Malas hat kürzlich an der Goldsmiths University ihren Abschluss gemacht und erkundet mit ihren Kunstwerken Tabus wie Intimität, Sex und Familie innerhalb arabischer Gesellschaften. Für ihre minimalistischen Skulpturen, die die Sinnlichkeit des weiblichen Körpers zeigen, arbeitet Nour mit Materialien wie Gips, Latex, Stoff und Metall.

Lilian Nejatpour
Lilian Nejatpour bezeichnet sich selbst als britisch-iranische Künstlerin, "die Technologie als weiteren Evolutionsschritt begreift, die unsere Gestik, Gespräche und Sprache beeinflusst." Sie behandelt digitale Erscheinungsformen als wären sie menschlich und thematisiert die Intimität von Online-Denkprozessen mit der Frage, welche Veränderungen durch die Subjektivierung von uns auf den sozialen Plattformen entstehen. "Mit meinen Werken hinterfrage ich das Eindringen von Technologie in unsere Privatsphäre", erklärt sie. In ihrer Kunst geht es um Prozesse, die gleichzeitig ablaufen: Wie können diese beiden sehr unterschiedlichen Strukturen nebeneinander existieren und welche Probleme entstehen, wenn man sie festhält und sie mithilfe von Skulptur und Video darstellt?