Wie ein Mann den Look einer ganzen Generation prägte

und ganz nebenbei den Beruf des Art-Directors begründete.

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Sep. 8 2017, 11:16am

twen, Nr. 12, 1966, Fotografie: Sam Haskins, Grafische Gestaltung: Willy Fleckhaus, © Carsten Wolff, FINE GERMAN DESIGN, Frankfurt am Main

Bis zum 10. September präsentiert das Museum Villa Stuck in München die erste große Ausstellung von Willy Fleckhaus, Grafikdesigner, Art Director und Mitbegründer des bedeutendsten Jugendmagazins der 1960er und 80er Jahre. Mit seinen Fotografien und Illustrationen gelang es ihm, das Bedürfnis einer ganzen Generation zu stillen: sich als Nachkriegsgeneration von der Elterngeneration zu trennen. Sein kreatives Outlet dafür war das Popkultur-Magazin Twen.


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Zu seinen innovativen Design-Ideen zählten radikale Nahaufnahmen und die Manipulation von Bildern, so dass sie seltsame Formen ergaben. Überschriften wurden über die ganze Seite gezogen und trotzdem war die Schrift schlicht, als wäre alles genauso gewollt.

Der Eindruck der Ordnung im kreativen Chaos täuscht nicht. Fleckhaus, heute als Mitbegründer der Artdirektion bekannt, schlug seine Karriere mit intelligenten und durchdachten journalistischen Arbeiten ein. So sicherte nicht nur das Layout den Erfolg von Twen, sondern auch die Text- und Bildkomposition, die die gleiche Message vermittelten: den sozialen und kulturellen Wandel der Sechziger und den Anbruch einer neuen Ära.

Die Ära der neuen, modernen Generation wurde eingeläutet. Eine Jugend, die sich nicht vor damaligen Tabus fürchtete. Sex vor der Ehe, Homosexualität und die sexuelle Befreiung, Religionskritik und Nacktheit. Twen gab eine Antwort darauf, wer man in dieser neuen Welt sein konnte.

Neben Mode und Musik thematisierte Twen auch politische Themen wie Antisemitismus. Mit den Jahren wandelten sich aber auch die Leser von Teenagern mit Revolutionsanspruch zu Erwachsenen mit anderen Sorgen und Ansprüchen. Diese konnte mit Fleckhaus drängenden Stil nichts mehr anfangen.

1970 wurde seine Zeit bei Twen beendet. Trotzdem schaffte Fleckhaus das, was nur wenige vor und nach ihm erreicht haben: seine eigensinnige Ästhetik durchzusetzen und seine Revolution über den Tod hinaus fortzuführen.