'JUGEND' fängt die verwirrende Zeit kurz vor dem Erwachsenwerden ein

Der Berliner Fotograf Tom Kleinschmidt kreiert ein zeitloses Dokument, das wir so nur von Calvin Klein Ads aus den 90ern kennen.

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Jan. 9 2019, 1:34pm

"Die Jugend war eine Zeit, die sich irgendwie komisch angefühlt hat", erzählt Tom Kleinschmidt über die Jahre im Leben, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Rückblickend betrachtet, schmunzeln wir gerne über das ein oder andere Ereignis, das wir heute wohl etwas anders angegangen wären. Hallo, du peinliches Teenage-Ich. Aber genug der beschämten Erinnerungen an die merkwürdige Zeit, die nur so an uns vorbei gerast und gleichzeitig nicht vergangen ist.


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Auch wenn sich der junge Fotograf selbst nicht unbedingt als nostalgisch betiteln würde, ist es zumindest sein fortlaufendes Projekt JUGEND. Im ersten Moment sehen wir schöne junge Menschen mal ernst, mal gelangweilt in die Kamera blicken, im zweiten macht sich dieses vertraute Gefühl in uns breit. Erste Male, letzte Male. Blaue Flecken und gebrochene Herzen. Been there, done that.

Vor gut zwei Jahren hat der 25-Jährige die Fotografie für sich entdeckt, seitdem denkt er nur noch darüber nach. "Immer, jeden Tag. Etwas, das mich so beschäftigt hat, hatte ich vorher noch nicht", so der gebürtige Berliner. Warum der junge Fotograf ein ambivalentes Verhältnis zu seiner eigenen Jugend hat und wie viel davon in seinen Bildern steckt, hat uns Tom im Interview verraten.

Tom Kleinschmidt Jugend

Erzähl uns von deiner Serie JUGEND.
Die Jugend war eine Zeit, die sich irgendwie komisch angefühlt hat. Alles war überspitzt und dramatisch. Tatsächlich bin ich überhaupt nicht nostalgisch, was das angeht, weil meine eigene Jugend von viel Unsicherheit geprägt war. Ich wollte mit der Serie etwas erschaffen, das zeitlos ist. Wenn du sie dir in 100 Jahren anschaust, soll sie sich immer noch ehrlich anfühlen. Die Bilder sind aufrichtig, verletzlich und unsicher, aber auch stark und selbstbewusst. Alles, was ich mache – vor allem persönliche Arbeiten –, sind super intim. Das passiert meistens ziemlich unterbewusst, aber durch meine Fotos bekommt man auch einen Einblick in mich selbst.

Wer sind die Menschen auf deinen Fotos?
Es sind Leute, die mich irgendwie umgeben. Teilweise wurden die Leute zusammengewürfelt, teilweise kannten sie sich davor. Wenn ich jemanden sehe, macht es entweder etwas mit mir oder nicht.

Tom Kleinschmidt Jugend

Wie hast du deine eigene Jugend verbracht?
Wenn man in einer Großstadt wie Berlin aufwächst, kannst du dich darin verlieren oder auch super isolieren. Ich habe mich für letzteres entschieden und früher nie über Gefühle geredet. Dadurch ist mir meine Jugend sehr düster in Erinnerung geblieben. Wenn man keine Gefühle zulässt, gibt es weder Höhen noch Tiefen. Man fühlt eigentlich gar nichts. Rückblickend betrachtet kann ich nur jedem empfehlen, offen über Gefühle zu reden.

Tom Kleinschmidt Jugend

Inwiefern spiegelt sich dieses düstere Gefühl auch in deiner Serie wider?
Sie ist eine Auseinandersetzung mit der Jugend. Teilweise sind meine Bilder eine persönliche Verarbeitung von Dingen. Sie sind der Versuch, ihre Schönheit, Aufrichtigkeit, aber auch Unsicherheit und Naivität einzufangen.

Tom Kleinschmidt Jugend

Welchen Tipp würdest du jedem jungen Fotografen ans Herz legen?
Alles, was du darstellst, sollte ehrlich sein. Am Anfang ist es ganz gut, einfach zu machen und nicht zu sehr darüber nachzudenken. Bis zu einem gewissen Punkt, an dem du langsam anfängst, zu hinterfragen, warum du machst, was du machst. Du musst dir Zeit nehmen, um deine Arbeiten zu reflektieren und zu realisieren, was du hinterlassen willst. Bilder sind etwas, das bleibt.

@tomkleinschmidt

Tom Kleinschmidt Jugend
Tom Kleinschmidt Jugend
Tom Kleinschmidt Jugend