Foto: Cupids Vault Instagram

Dieser 19-Jährige verwandelt Make-up in dramatische Kunst

"An diesem Tag wurde mir klar, dass ich noch nie Blumen geschenkt bekommen habe. Also habe ich mein Gesicht in ein Bouquet verwandelt."

von Lianne Kersten
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25 Juni 2019, 10:43am

Foto: Cupids Vault Instagram

Was haben lilafarbene Orchideen und Swarovski-Broschen gemeinsam? Für Cupid sind es Objekte, mit denen er sich gerne sein Gesicht schmückt. Der 19-jährige New Yorker postet die schönsten 3D-Make-up-Kreationen auf seinem Instagram Account Cupid’s Vault – und das mit unglaublichem Erfolg.

Angefangen hat alles vor drei Jahren mit den alten Lippenstiften seiner Schwester. "Mit 16 habe ich das erste Mal mit Make-up zu experimentiert. Meine Schwester hat ihre alte Schminke unter der Spüle verstaut, also habe ich mich stundenlang im Badezimmer versteckt und die verschiedenen Farben ausprobiert. Doch bevor ich wieder aus dem Badezimmer ging, habe ich mir alles gründlich vom Gesicht gewaschen – niemand sollte sehen, was ich gemacht habe.“

Irgendwann jedoch hat Cupid dann sein Taschengeld in immer mehr Make-up investiert und probierte verschiedene 3D-Looks aus, in die er Schmuck und Kunstblumen integrierte. "Ich poste die Looks seit 2016, aber mein Konto war bis vor einem Jahr noch privat, weil es ein sehr intimer Ort für mich war", erklärt der 19-Jährige. "Daher auch der Name Cupid's Vault (dt. Amors Schatzkammer): Umso mehr ich meine Arbeit weiterentwickelt habe, desto mutiger wurde ich, sie der Außenwelt zu präsentieren."

Den Schritt seinen Account öffentlich zu machen, beschreibt er als eine Art Wiedergeburt: “Anfangs habe ich hauptsächlich Selbstporträts gemacht, bei denen ich helles Licht verwendete und die Bilder mit besonders hoher Sättigung bearbeitet habe. Es symbolisiert das, was ich damals erlebt habe. Ich war tief in meiner eigenen Welt eingeschlossen, noch nicht fertig ausgereift. Ich habe verzweifelt versucht, die Außenwelt zu erreichen. Das tat ich, indem ich einen lauten Schrei von mir gab – durch meine visuellen Kreationen. Damals war ich noch nicht bereit dafür, gehört zu werden. Jetzt bin ich es."

Mittlerweile traut sich Cupid, seine Werke im Alltag zu präsentieren. Sein extravagantes Make-up ist längst nicht mehr dafür gedacht, geheim zu bleiben hinter verschlossenen Türen. Wenn er in den Supermarkt geht, trägt er farbige Kontaktlinsen, künstliche Piercings und andere Metall-Konstruktionen. "Am besten fühlt es sich an, wenn ich die Looks trage, die ich auf Instagram poste. Es ist wie eine zweite Haut. Ich will meiner Haut aber auch ein wenig mehr Ruhe gönnen, deswegen besteht meine tägliche Make-up-Routine hauptsächlich aus 'einfachen' Designs wie Tribals, etwas Lipgloss und Augenbrauen-Gel."

Sein künstlerisches Make-up sagt trotzdem wenig über seine Persönlichkeit aus: "Viele meiner Follower denken, dass ich extrem viele Selfies mache und ständig online bin, dabei bin ich im wirklichen Leben sehr introvertiert. Ich rede nur ungern über mich selbst. Mir macht es einfach nur Spaß, verschiedene Make-up-Looks auszuprobieren."

Doch das endgültige Bild ist nur ein kleiner Bruchteil des gesamten kreativen Prozesses, um den es ihm eigentlich geht. Bevor er einen Pinsel in die Hand nimmt, beschäftigt sich Cupid stundenlang mit den Vorbereitungen. Er sammelt Schmuck auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden oder geht in Blumenläden, um nach Kunstblumen und Plastikinsekten zu suchen.

Was er am Ende kauft, hängt von seiner Stimmung ab: die Kreationen sind immer direkter Ausdruck seiner Gefühle. So hat Cupid sich zum Beispiels vom Valentinstag inspirieren lassen: "An diesem Tag wurde mir klar, dass ich noch nie Blumen bekommen habe. Also habe ich mein Gesicht in ein Bouquet verwandelt."


Seine Arbeiten sind trotzdem mehr als nur ein Weg, seine Gefühle auszudrücken. Sie spiegeln auch persönliche Interessen wider: Kunst, Mode und kuriose Internet-Phänomene. Einer seiner Looks ist zum Beispiel eine Hommage an Thierry Muglers berüchtigtes Wet-Look-Kleid der MET-Gala, kombiniert mit Cupid's Faszination für Verschwörungstheorien über Reptilien.

Sein Tipp für angehende Make-up-Künstler*innen? "Hab keine Angst, zu versagen. Setz dir niemals Grenzen und investiere in einen guten Wimpernkleber." Ein Lektion für das Leben, die wir gerne von jemandem annehmen, der sich ein komplettes Bouquet auf das Gesicht kleben kann – und es auch wieder runter bekommt.

Dieser Artikel entstammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der NL-Redaktion.

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