Pieces of Junos Musik ist ein Kosmos aus düsteren Klängen und Science-Fiction

Wir stellen dir die norwegische Musikerin genauer vor.

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Okt. 17 2017, 11:22am

Foto: Sara Angelica Spilling

Nein, Pieces of Juno ist nicht die Fortsetzung unseres Lieblingsfilms Juno. Dafür überzeugt uns die Norwegerin mit ihrer Mischung aus elektronischen und akustischen Klängen, die uns geradewegs in eine andere Welt katapultieren — und das meinen wir wortwörtlich. Inspiriert wird die Musikerin dabei von allem ein bisschen: "Unser Verstand ist eine Art Trichter. Er filtert all deine Eindrücke und Entscheidungen, die dich zu dem Menschen machen, der du bist", erklärt uns Juno. "All die Bücher, die du liest und die Ausstellungen, zu denen du gehst, die Filme, die du dir ansiehst und die Gespräche, die du führst — all das vermischt sich." Und genau dieser Gedanke macht die Musik der Norwegerin aus: Es sind lauter kleine Puzzle-Teile, die sich unheimlich vertraut anhören, aber erst in der richtigen Form ein großes Ganzes ergeben.

Erst vergangene Woche ist ihr neues Album Tacenda erschienen, das übersetzt so viel bedeutet wie "Dinge, die man lieber unausgesprochen lässt". Zwar kann es durchaus schön sein, nicht gleich alles von sich preiszugeben, trotzdem finden wir, dass du erfahren solltest, wer sich hinter Pieces of Juno verbirgt.


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Sie ist Teil eines Kollektivs, das Safe Spaces für Frauen schaffen möchte
Und weil Juno selbst am besten in Worte fassen kann, welche großartige Idee hinter dem KOSO-Kollektiv steckt, lassen wir das einfach mal so stehen: "Wir haben das Kollektiv gegründet, um all die großartigen, kreativen Frauen miteinander zu verbinden, damit sie sich gegenseitig unterstützen können. KOSO ist ein Safe Space, in dem wir unsere vereinten Talente nutzen können, um etwas Großartiges zu kreieren."

Ihr eigener Safe Space ist unter Wasser
Irgendwie können wir das verstehen. Manchmal reicht es schon zu unserem Glück, wenn wir stundenlang in der Badewanne sitzen, bis unsere Finger ganz schrumpelig werden. Für Juno kann das gerne auch mal größere Dimensionen annehmen: "Wann immer ich die Möglichkeit habe, versuche ich, tauchen zu gehen. Unter Wasser ist alles ruhig, es ist die einzige Sache, auf die du dich konzentrierst. Irgendwie kommt es dem Weltall am nächsten."

In Norwegen musst du dich für eine Musikrichtung entscheiden
Zwar tut sich im Land der Fjorde musikalisch gerade so einiges — man denke nur an Sigrid, Sløtface und Musikfestivals wie das Vill Vill Vest in Bergen — trotzdem fehlt Junos Meinung nach immer noch der Raum, um zu experimentieren. "Entweder bist du ein Pop-Act, eine Rockgruppe oder ein DJ. Du hast sogar für fast jede unterschiedliche Musikrichtung einen anderen Club", sagt Juno über die Musikszene ihrer Heimat.

Foto: Sara Angelica Spilling

Ihre Wahl fiel auf "Nothern Noir"
Wie umgeht man es am besten, in eine der vielen Musikschubladen gesteckt zu werden? Richtig, du gründest einfach dein eigenes Genre — und genau das hat Juno getan. Wie sie auf die Bezeichnung "Nothern Noir" kam, kann sie leicht erklären: "Ich komme aus dem Norden und schreibe sehr düstere, trostlose Musik mit einem cinematographischen Touch." Filme inspirieren die Norwegerin dabei am meisten. Zu ihren absoluten Favoriten zählen Blade Runner und Alien. "Ich mag die Bildsprache, diese Art 'Science-Fiction Noir' und auch die Kostüme."

Wenn Leute auf ihren Konzerten den Mund nicht halten können, hat sie einen ganz besonderen Trick
Wer kennt sie nicht? Diese nervigen Menschen auf Konzerten — am besten noch vorne in der ersten Reihe —, die ihre Geschichte über die Begegnung mit dem Typen an der Bar lauthals analysieren müssen, obwohl der Main-Act bereits seit zehn Minuten auf der Bühne steht. Wenn so etwas auf einem Konzert von Juno passiert, weiß sie genau, was zu tun ist: "Wenn Leute während meiner Performance anfangen, sich laut zu unterhalten, gehe ich zu ihnen runter und schau ihnen tief in die Augen, während ich weitersinge. Dann hören sie meistens auf. Ich finde, es liegt auch in meiner Verantwortung, dass ich die Leute im Raum behalte und nicht an ihren Smartphones oder in Unterhaltungen."

Astronomie ist ein großer Bestandteil ihres Lebens
"Ich bin eines Tages mit meinem Künstlernamen im Kopf aufgewacht, also habe ich angefangen, ihn zu googeln und herausgefunden, dass Juno eine Raumsonde auf dem Weg zum Jupiter war", erzählt uns die Norwegerin auf die Frage, welche Geschichte sich hinter ihrem Namen verbirgt. Das ist aber noch nicht alles: "Ich mache gerade einen Astronomie-Kurs an der Uni, weil es mich so interessiert", gibt sie lachend zu.

Wir müssen auf die junge Generation setzen
Auch wenn das KOSO-Kollektiv erst seit ein paar Jahren existiert, hat es in Norwegen bereits etwas bewirkt: "Man sieht zum Beispiel eine Veränderung in den Line-ups, die Veranstalter haben angefangen, ausgeglichener zu buchen, was das Geschlecht der Acts betrifft." Doch das ist erst der Anfang. Was muss noch getan werden? "Wir sollten uns nicht nur auf unsere eigene Generation beschränken: schon als Teenager passiert so viel — zum Beispiel, wie sich Mädchen im Gegensatz zu Jungs verhalten sollten. Mit diesen Stereotypen sollte ein für alle mal gebrochen werden, deswegen sollten wir uns der jungen Generation stärker widmen."

@piecesofjuno