Foto: Mean Girls

7 heteronormative Vorstellungen, die wir endlich hinter uns lassen sollten

Schluss mit den Stereotypen.

von Sophie Peacock
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09 Oktober 2017, 12:46pm

Foto: Mean Girls

Jeder, der gegen die heteronormativen Regeln unserer Gesellschaft verstößt, eckt an und wird kritisiert. Das merkte schon die amerikanische Schriftstellerin Adrienne Rich 1980 in ihrem Aufsatz "Compulsory heterosexuality and lesbian existence" an, der sich mit der Sichtbarkeit, Sexualität und Beziehungen von Lesben auseinandersetzt. Ihrer Meinung nach ist es sofort in allen Aspekten sichtbar, wenn man nicht cis und heterosexuell ist. Und plötzlich interessiert es jeden Vollidioten, mit wem man ins Bett steigt. Wenn ihr also nicht gerade in ein bestimmtes Schema passt, das Homophobe sofort erkennen, stehen die Chancen gut, dass ihr so lange als Hetero eingestuft werdet, bis ihr diese Annahme mit Beweisen widerlegt. Die Liste könnte zwar noch länger sein, aber hier sind sieben Bereiche, in denen klar wird, dass Heteronormativität echt ätzend ist.

Hochzeiten
Ich bin jetzt in einem Alter, in dem gefühlt jeder zweite Facebook-Post verkündet, dass sich jemand, mit dem ich früher mal zur Schule gegangen bin, dazu entschieden hat, den Rest seines Lebens mit einem durchschnittlich attraktiven Mann im Anzug zu verbringen. Ich will endlich Hochzeiten sehen, auf denen fünf polyamouröse Bräute in grünen Hosenanzügen mit Umhängen vorlesen, warum jede von ihnen fantastisch ist, bevor sie sich dann alle zu fünft küssen, um das Ehegelübde zu besiegeln. Vergesst die Regel, dass einer einen Anzug und einer ein Brautkleid tragen muss.


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Mode
Statt alle nach Geschlecht in zwei getrennte Kategorien aufzuteilen, sollte es einfach eine geben, in der nur nach Kleidungsstücken sortiert wird: Röcke, Pullis, Jeans, Kleider, Mäntel, etc. Es sollte jedem selbst überlassen sein, welche Farbe und welchen Schnitt er oder sie tragen möchte. Und ganz wichtig: Alle Teile sollten Taschen haben!

Vor Kurzem habe ich eine Damenjeans gesehen, die als "Girlfriend-Jeans" vermarktet wurde. Ich verstehe zwar das kapitalistische Bedürfnis, aus dem Boyfriend-Jeans-Trend eine Girlfriend-Version machen zu müssen, aber wenn ich als sogenanntes "Girl" eine Girlfriend-Jeans trage, kann sie doch auch genauso gut meine eigene sein. Außer natürlich das Ziel ist es, dass ich sie für meinen fiktiven Freund kaufe, damit er sie dann von mir klauen kann — irgendwie ist mir das zu kompliziert. Bleiben wir doch ganz einfach bei Jeans und lassen die ausgedachten, Hosen-klauenden Partner da raus.

Toiletten
Ich wünsche mir überall geschlechtsneutrale Toiletten. Jeder soll sich in öffentlichen Toiletten sicher fühlen können. Und wenn ihr noch nicht so weit seid, die "Damen-" und "Herren"-Schilder durch "Toiletten"-Tafeln zu ersetzen, dann wählt wenigstens eindeutige Beschriftungen. Fast jeder von uns stand doch sicher schon mal vor den beiden Türen und war sich unsicher, welche er wählen soll, weil auf der einen eine Palme und auf der anderen eine Gitarre abgebildet war. Man sieht den Besitzer der Kneipe geradezu vor sich, wie er sich in seinem Büro über diesen ach so tollen Scherz ins Fäustchen lacht. Von mir aus, belasst es bei der repressiven Geschlechterbinarität, aber wenn ihr sie schon beibehalten wollt, dann will ich mich nicht jedes Mal fragen müssen, ob ich eher eine Rote Beete oder ein Radieschen, ein Pferd oder Zebra oder was auch immer bin.

Liebe und Freundschaften
Ich bin froh, dass ich in einer Zeit lebe, in der das Stereotyp der verrückten Frau mit Katzen mittlerweile zu einem erstrebenswerten Ziel geworden ist. Ein eigenes Haus voller Katzen, ganz ohne Männer? Davon können wir Millennials nur träumen.

Wäre da doch nur nicht dieser Quatsch, dass man nicht mit einer Person des anderen Geschlechts befreundet sein kann. Ob hetero, homo, bi, trans, egal was — nach unseren Hetero-Normen gehen wir davon aus, dass jede Frau auf ihre Kumpel steht und andersrum. Diese Leute haben wahrscheinlich zu viele Filme von Nora Ephron geguckt, in denen Frau und Mann sich treffen, sich in die Augen schauen und einander sofort die Kleider vom Leib reißen. Im echten Leben läuft das zum Glück anders ab. Und den Freunden, bei denen man immer das Gefühl hat, sie warten nur auf diesen einen Moment, in dem man schwach wird, sollte man am Besten Lebewohl sagen. Genau wie den Leuten, die sofort anfangen zu tuscheln, nur weil man mit einem Arbeitskollegen Mittagspause macht, der zwar überhaupt nicht unser Typ, aber dennoch sehr nett ist.

Fernsehen und Filme
Die Art, wie heteronormative Beziehungen im Mainstream-Fernsehen dargestellt werden, ist ziemlich bescheuert. Männer betrügen Frauen, Frauen warten auf den Richtigen, und Typen à la Chris Hemsworth retten Frauen à la Jennifer Lawrence vor Aliens und gemeinen Chefs. Selbst die neue Wonder Woman durfte Chris Pine nicht links liegen lassen, obwohl sie ganz klar Wichtigeres zu tun hatte, als ihn hautnah kennenzulernen. Der Großteil der Hollywood-Blockbuster scheuen sich vor Geschichten, die der heteronormativen Agenda widersprechen und stellen Romanzen und das Aussehen als wichtigstes Element in den Mittelpunkt.

Kinder
Wir sind uns alle der (einigermaßen neuen) Abneigung gegenüber geschlechtsspezifischem Spielzeug und Kinderbekleidung bewusst. Kinder sollten nicht den heteronormativen Stereotypen von Farben und der Wahl zwischen Puppen oder Autos ausgesetzt sein. Ist es nicht irgendwie merkwürdig, ihnen entweder nur rosa oder blaue Klamotten anzuziehen? Ihnen ist es doch ziemlich egal, was sie tragen, während sie auf Bäume klettern und sich im Dreck herumwälzen. Kinder schon vorab in eine bestimmte Richtung zu drängen, erscheint mir einfach nicht richtig.

Essen und Sport
Die vier Mädels aus Sex and the City haben unglaublich viel Grünzeug verdrückt. Ja, ab und zu war mal eine Pommes oder Nudel dabei. Ich habe früher auch vorwiegend Salat gegessen. Bis mir klar wurde, dass das Leben nicht so geschmacklos und grün sein muss. In der Serie The League, einer hauptsächlich männlich besetzten Komödie, essen die Typen regelmäßig Süßkram und trinken ein Bier nach dem anderen. Vielleicht suche ich in einer oberflächlichen Serie zu sehr nach Tiefgründigkeit, aber ich bin mir sicher, dass das, was Frauen essen und das, was Männer essen, unterschiedlich bewertet wird. Die Fitness-Welt will, dass Frauen wie Barbie und Männer wie Magic Mike aussehen, denn alles andere verwirrt voreingenommene Menschen. Echte Männer essen Oreos, Frauen Oreo Thins. Von jedem leckeren Essen gibt es sicher eine Light-Version für Frauen, damit sie sich nicht ganz so schuldig fühlen müssen, überhaupt etwas gegessen zu haben.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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