Die 10 besten Filme übers Feiern

Von Berlin über Glasgow nach New York: Wenn die Tage wieder kürzer werden, müssen die Nächte eben länger werden. Wir haben zehn Empfehlungen für dich, die dir Einblicke in die Club-Kultur gewähren, ohne dass du dabei die Couch verlassen musst.

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17 Oktober 2017, 10:24am

Screenshot von YouTube aus dem Video "Trainspotting - Club scene" von 

Pal0lo

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Pump Up the Volume: The History of House Music
Von der Explosion der House-Musik in Chicagos Underground-Clubs über DJs als Superstars, Nachtclubs als globale Marke und Clubbing als Lifestyle: Diese Dokumentation des britischen Senders Channel 4 aus dem Jahr 2001 (immerhin über 145 Minuten) gilt als einer der besten Dokus über die Club-Kultur. Und die Musik ist — wer hätte das gedacht — auch nicht schlecht.

Trainspotting
"Die Welt verändert sich, die Musik verändert sich, die Drogen verändern sich, sogar Männer und Frauen verändern sich. In eintausend Jahren wird es weder Männer noch Frauen geben, sondern nur noch Wichser. Klingt doch gut."


Auch auf i-D: Wir waren in der russischen Hauptstadt unterwegs


So fasst Mark Renton die Zukunft des Feierns im Jahr 1997 zusammen. Regisseur Danny Boyle setzt in seinem Film Trainspotting eine Clubnacht so gekonnt in Szene, dass sie sich wie das Wichtigste auf der Welt anfühlt.

Limelight
Vorsichtig ausgedrückt, lässt dich der Inhalt der Dokumentation folgendermaßen zusammenfassen: Ein Nachtklub-Besitzer bewegt sich in der Grauzone des Nachtlebens. Limelight erzählt die Geschichte des Aufstiegs und Falls einer der exzentrischsten Figuren der New Yorker Club-Szene, Peter Gatien. Dieser betrieb Anfang der 90er im Big Apple die einflussreichen Clubs Tunnel, Palladium und The Limelight. Wie der Name schon vermuten lässt, geht es um den bekanntesten davon, der für seine sexuellen Ausschweifungen, den Drogenkonsum und die Prominenten, die bei allem fröhlich mitgemacht haben, bekannt war. Industrial Techno liefert den Soundtrack dazu. Klingt gut? Bürgermeister Rudolph Giulliani war damals anderer Meinung und ließ das Limelight schließen.

The Last Days of Disco
Regisseur Whit Stillman vereint in seinem Spielfilm The Last Days of Disco ein Gesellschaftsdrama à la Jane Austen mit dem Dancefloor des Studio 54. Chloë Sevigny und Kate Beckinsale spielen in ihren kleinen Schwarzen die Girls aus der New Yorker Elite. Der Film ist die scharfsinnigste Darstellung gesellschaftlicher Hierarchien auf dem Dancefloor und zeigt, dass auch beim Feiern der Status sehr viel bedeuten kann. Und außerdem ist The Last Days of Disco einer der stylischsten Filme über das Feiern.

Eden
Mia Hansen-Løve hat Eden über die Pariser Dance-Szene in den 90ern gedreht, "weil es damals keinen Film gab, der die Club-Kultur ernst genommen hat", so die Regisseurin. Clubbing bildet hier nicht nur den Hintergrund, sondern dominiert auch das Leben der Hauptfigur Felix, gespielt von Félix de Givry. Er ist DJ-Newcomer in der französischen House-Szene. Doch im Gegensatz zu Daft Punk, Cassius und Justice erreicht er keinen internationalen Erfolg. In dem Film geht es um das Feiern als Obsession und den Kater danach. Gleichzeitig ist es aber auch eine berauschende Dokumentation über die House-Szene selbst, sogar Daft Punk hat einen kurzen Gastauftritt.

Paris Brennt
Jennie Livingstons Schnappschuss der New Yorker Ballroom-Szene der 80er ist ein Zeitzeugnis davon, wie lebendig diese LGBTQi-Events waren. Wenn uns Paris Brennt eines lernt, dann immer du selbst zu sein. Doch im Kern ist die Dokumentation eine große Tragödie, weil alle Voguer mit Armut, Diskriminierung und Aids zu kämpfen haben. Zu wummernden Disco-Beats erzählt der Film ihre Geschichte und ist deswegen so stark, weil das Clubbing als Community-Happening zeigt, was sonst kaum der Fall ist.

Human Traffic
Das große Problem mit der Club-Szene in Filmen ist meist der Regisseur selbst, weil es ein weißer Hetero-Typ mittleren Alters ist, der seit mehreren Jahren nicht mehr in einem Club war und deswegen versucht, ein Gefühl seiner Jugend nachzustellen. Alles wirkt schnell glatt poliert und gestellt, so dass die schmutzigere und authentische Seite des Feierns vergessen wird. Human Traffic vermeidet all diese Fehler. Erzählt wird die Geschichte von fünf Freunden, die Ende der 90er in Cardiff auf dem Höhepunkt der Raveszene am Wochenende feiern gehen. Für eine Fortsetzung, in der die Gang nach Ibiza fliegt, wurde jetzt grünes Licht gegeben. Ob der damalige Shootingstar Danny Dyer wieder dabei sein wird und vor dem Badezimmer-Spiegel masturbiert, bleibt abzuwarten.

Wild Combination: A Portrait of Arthur Russell
In Matt Wolfs emotionalen und facettenreichen Porträt, das Ende der 70er und Anfang der 80er in Downtown New York spielt, begleiten wir den Künstler Arthur Russell durch die Disco-Szene. Er selbst war ein Avantgarde-Komponist, Singer-Songwriter sowie Disco-Produzent, der eine treue Fangemeinde im, für seine experimentelle Musik zur Legende gewordenen Club, The Kitchen hatte. Regisseur Wolf mischt in seiner Dokumentation Archivmaterial mit aktuellen Interviews von Leuten, die Arthur Russell kannten, und zeichnet so das Bild eines komplexen und spannenden Künstlers. Als besonderes Highlight hören wir im Abspann seinen einzigartigen Sound dieser Ära.

Studio 54 (Director's Cut)
Zwei Dramen über das Studio 54 auf einer Liste? Viel muss eigentlich nicht mehr über den berühmtesten New Yorker Nachtklub gesagt werden, weil es der Ort ist, über den am meisten veröffentlicht wurde. Schau dir einfach den Director's Cut von Studio 54 von Mark Christopher an und du wirst verstehen, warum der Club immer noch eine magische Anziehungskraft auf die Menschen ausübt. Der Spielfilm zeigt die glamouröseste, hedonistischste und toxische Version des Clubbings. Im Zentrum steht der engelsgleiche Hilfskellner Shane, gespielt von Ryan Philippe, der oft sein Hemd auszieht und sich in jede Person unter der Discokugel verliebt. Die Kinoversion aus den 90ern zeigte eine gezügeltere, aka weniger schwule, Version. Doch zum Glück gibt es seit letztem Jahr endlich die ursprüngliche als Director's Cut und wir erfahren endlich die ganze Geschichte über New Yorks legendärsten Club.

Feiern – Don't Forget to Go Home
Eine Liste mit Filmen übers Feiern wäre natürlich unvollständig ohne das B-Wort zu erwähnen: Berlin. Ein wundervoller Titel, bei dem schon der Schweißgeruch und der Schlafmangel mitschwingt. In dieser deutschen Dokumentation aus dem Jahr 2006 dreht sich alles um das Berliner Phänomen des 72-stündigen Durchfeierns am Wochenende. Wir werden mitgenommen auf eine Tour durchs Berghain, Watergate, der Bar 25 und dem Club der Visionäre. Erwarte aber keine Hochglanz-Visuals des Berliner Nachtlebens, in Feiern haben Clubber selbst die Kamera in die Hand genommen. Der Lo-Fi-Ansatz ist der große Vorteil des Films., also mach dich gefasst darauf, dass benebelte Clubber sexuell aufgeladene Szene aus dem Berghain beschreiben. Denn erst dann weißt du, was leben heißt.