Foto: über BOLD / Zalando

Adwoa Aboah verrät, warum du selbst wichtiger bist als alles andere

"Ich muss lernen, gut zu mir selbst zu sein. Gerade, wenn etwas nicht perfekt läuft."

von Imke Rabiega
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14 Oktober 2019, 10:08am

Foto: über BOLD / Zalando

Coverstar. Supermodel. Gründerin der Online-Plattform Gurlstalk. An Adwoa Aboah kommt niemand vorbei. Die 27-Jährige steht für einen längst überfälligen Wandel in der Modeindustrie. Mit ihrer ehrlichen Art setzt sie sich für mentale Gesundheit und Gleichberechtigung in der Modebranche und überall sonst ein. Seit 2015 spricht die Britin in Gurlstalk offen über ihre inneren Unsicherheiten und Ängste.

In ihrer Jugend kämpfte Adwoa lange mit Selbstzweifeln rund um ihre ghanaisch-britische Herkunft und ihre eigene Identität. Heute möchte sie der Welt etwas zurückgeben, anderen Menschen, vor allem jungen Mädchen, die Sicherheit geben, die sie sich damals selbst gewünscht hätte. Adwoa zeigt, wie wichtig es gerade in einer oberflächlichen Branche wie der Mode ist, offen über Themen wie Körperbilder, Sexualität und mentale Gesundheit zu sprechen. Deswegen ist sie auch in der neuen Kampagne von Zalando zu sehen: Unter dem Motto free to be möchte das Unternehmen jeden dazu ermutigen, sich modisch frei auszudrücken und kompromisslos nach außen zu tragen, wer du im Inneren wirklich bist.

Wir haben Adwoa zum Kampagnenstart getroffen, um zu erfahren, wie du lernst, dich selbst zu lieben.


Auch auf i-D: Schau dir hier alles über 'Gurlstalk' an


1. Gib dir die Zeit zu heilen und zu wachsen

"Heute würde ich meinem 13-jährigen Ich sagen, dass jeder Schmerz vergänglich ist. Es wird immer eine Zeit kommen, in der ich mich wieder besser und glücklicher fühle. Hätte mir das damals jemand gesagt, hätte es mir viel Sicherheit gegeben. Ich hätte dieses Versprechen gebraucht, dass alles gut und leichter werden wird. Dass ich eines Tages an diesen Punkt kommen werde. Auch heute lerne ich noch, mehr Geduld mit mir zu haben."

2. Was du von dir denkst, ist wichtiger als die Meinung aller anderen zusammen

"Kritik lässt dich wachsen. Wenn ich von Menschen kritisiert werde, mit denen ich arbeite, nehme ich es nicht persönlich, sondern versuche mich zu verbessern. Ehrliche Kritik ist mir lieber, als immer nur gesagt zu bekommen, dass ich etwas toll gemacht habe. Wenn es um fremde Leute geht, dann versuche ich, negativen Kommentaren nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Das ist leichter gesagt als getan, ich weiß. Aber ich habe gelernt, dass meine eigene Meinung über mich selbst wichtiger sein sollte als das, was andere Leute denken. Denn die Stimme, mit der ich am meisten kämpfe, ist meine innere. Ich muss lernen, gut zu mir selbst zu sein. Gerade, wenn etwas nicht perfekt läuft. Selbst wenn andere mir sagen 'Das war gut!', denke ich immer noch 'Nein, das war Mist'. Perfektionistin zu sein, zwingt mich noch mehr dazu, mich häufiger herauszufordern. Allerdings arbeite ich härter daran, diese innere Stimme zu bewerten. Zu lernen, auch aus Fehlern Positives zu ziehen, anstatt mich selbst nur schlecht zu machen."

3. Zurückschauen ja, zurückgehen nein!

"Ich habe mich enorm weiterentwickelt und heute tolle Menschen um mich herum. Durch sie kenne ich meinen eigenen Wert, habe mich selbst schätzen gelernt. Um durch schwierige Zeiten zu gehen – seien es kleine Probleme oder große Katastrophen –, muss man verdammt hart an sich selbst arbeiten. Wenn man diese Arbeit einmal getan hat, kann sie keiner mehr ungeschehen machen. Ich würde nicht zu der Person zurück wollen, die ich mal war. Ich möchte mich nie wieder so ängstlich und unsicher fühlen. Und wenn ich mir das sage und darauf zurückblicke, macht mich das stärker. Ich habe nicht umsonst so hart an mir gearbeitet."

4. Respektiere alle Seiten an dir

"Natürlich wäre es einfacher, wenn Selbstliebe von außen kommen würde – besonders in einem Job, der so oberflächlich ist wie meiner. Doch für mich ist das ein Prozess, der zu 100 Prozent im Inneren beginnen muss. Ich spreche mir heute noch Mut zu, wenn ich zum Beispiel einen roten Teppich entlanglaufe oder ein Event erreiche, auf dem ich mit vielen fremden Menschen sprechen muss. Das ist für mich nicht natürlich. Ich habe eine sehr schüchterne Seite in mir. Wie früher. Aber ich habe gelernt, sie zu lieben und zu akzeptieren, genau wie meine Sensibilität. Auch vermeintliche Schwächen gehören zu dir und können nützlich sein. Ohne meine Sensibilität wäre Gurlstalk zum Beispiel nie möglich gewesen."

5. Vertraue deinem Instinkt

"An schlechten Tagen versuche ich mich zu isolieren. Es gibt eine heilsame Form der Isolation. Und an manchen Tagen ist es gesünder, daheim zu bleiben und Zeit mit mir selbst zu verbringen. Gerade habe ich Educated und Queenie gelesen – beide kann ich empfehlen. Natürlich kann man das nicht jeden Tag machen. Doch an diesen ganz besonders schlimmen Tagen, an denen du denkst 'Nein, ich kann heute nicht da raus gehen', solltest du daheim bleiben. Früher wäre ich wahrscheinlich trotzdem gegangen, hätte eine furchtbare Zeit gehabt und mich schlecht gefühlt. Du musst die Entscheidung treffen, dass du dir selbst in manchen Momenten wichtiger bist als alles andere. Genau darauf kommt es an."

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