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Tanga-Blitzer sind zurück – und waren noch nie so umstritten

Wie das bisschen Stück Stoff wahrgenommen wird, verrät viel über unsere Haltung zur weiblichen Sexualität.

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Nov. 8 2017, 10:35am

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Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

Das Wichtigste zuerst: Ich liebe Tangas! Es sollte kein Tabu sein, wenn ein Tanga sich unter einem Kleid abzeichnet oder ein bisschen über den Hosenbund herausblitzt. Diesen Artikel schreibt eine Tanga-Liebhaberin. Aber wie sich herausstellt, bin ich damit in der absoluten Minderheit. Trotzdem gibt es auch einige wenige Unterstützer wie Thibaut, das junge japanische Modelabelvon Meiko Ban, das während der letzten Tokyo Fashion Week mit der Thong Jeans (dt. Tanga-Jeans) eine große Kontroverse ausgelöst hat. Die Jeans wurde so zerrissen, dass der Stoff eher einem Tanga als einer Hose glich und das Hinterteil der Trägerin offenbarte.

Die Thong Jeans wurde zu einem der Kleidungsstücke, das den Sprung vom Laufstege direkt in die Schlagzeilen geschafft hat und schnell zum Paradebeispiel von "Das würde ich niemals tragen!" und "Mode ist einfach lächerlich!" wurde. Sie sorgt aber auch für etwas ganz anderes: die seltene Gelegenheit, bei der sich deine Oma und eine New Yorker Modekritikerin in ihrem Konservatismus einig sind. "Vielleicht ist die Mode so besessen vom Dekonstruieren geworden, dass die Designer mit Absicht kaum sichtbare und nicht funktionale Kleidung entwerfen", schreibt die amerikanische Vogue über die Tanga-Jeans.

Gillian Anderson bei der 2001 Vanity Fair Oscar Party. Foto: Jody Cortes/Sygma via Getty Images.

Die Schlagzeilen in amerikanischen Medien über Thibauts Thong Jeans reichten von "Sie existieren, weil alles andere so schrecklich ist" bei der Teen Vogue bis hin zu "Die Thong Jeans ist da, die Apokalypse kann kommen" bei Harper's Bazaar. Die Reaktionen waren viel leidenschaftlicher, als beispielsweise die zu Tom Fords langen Shirts, die er mit knappen Höschen kombinierte. In einem weiteren Vogue-Artikel heißt es: "Tangas in einfachem Schwarz, wie die OG Version der Frühjahr-/Sommerkollektion 1998 von Tom Ford für Gucci sind chic, die knallpinken Tangas einer Paris Hilton aus dem Jahr 2004 sind es nicht." Gillian Anderson bei der Vanity Fair-Oscar-Party im 2001 ist OK, Mannys blauer Tanga aus der Seifenoper Degrassi nicht.


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Die öffentliche Meinung über Tangas scheint sich daran zu orientieren, ob er mit knalligen Farben und ausgewaschenem Denim-Stoff getragen wird. Würde ich die Thong Jeans in der Öffentlichkeit tragen? Wenn ich ausgehe, dann auf jeden Fall. Tagsüber nicht. Und der Grund ist einfach der, dass die Kommentare auf den Straßen New Yorks mir den Tag versauen würden. Die Thong Jeans von Thibaut ist vielleicht keine Jeans im klassischen Sinne, aber wenn es schon falsch ist, dass Rihanna einen Denim-Tanga trägt, wer kann es dann überhaupt richtig tragen?

Irgendwie hat ein Tanga-Blitzer auch etwas herrlich Verbotenes an sich, so als würde man die Grenze zwischen Sexualität, Verlangen und der eigenen Kleidung einreißen. Ein Tanga schreit nach purer Sexualität und grenzt gleichzeitig an Geschmacklosigkeit. Ich liebe es.

Im aktuellen Modejournalismus wurde scheinbar beschlossen, dass es nur eine Person gibt, die Thong Jeans tragen darf, und das ist Bella Hadid. Es sind die Bella Hadids und Kylie Jenners dieser Welt, die es schaffen können, riskante Looks tragbar zu machen. Aber dazu kann ich nur eins sagen: Warum sollte der Rest von uns auf eine Erlaubnis warten? Wir haben eine äußerst komplizierte, heuchlerische Beziehung dazu, was wir unter Frauen in Sachen Kleidung als OK befinden; es gibt unklare Regeln und Grenzen dessen, wie wir sexy aussehen dürfen. Es sind sehr widersprüchliche Gedanken, die ich in unserer Zeit habe, in der eine Pamela Anderson und ähnliche Instagram-Accounts als toll gelten, während wir im echten Leben gedeckte Farben und Schnitte tragen sollen. Natürlich ist nichts Falsches daran, andere für ihren Mut zu bewundern, aber ich frage mich einfach, warum wir Angst davor haben, uns ab und zu auch mal kitschig zu kleiden.

Rose McGowan bei den 1998 MTV Video Music Awards, mit Marilyn Manson. Foto: Ron Galella/Getty Images.

Ich sage nicht, dass wir alle Thong Jeans tragen sollten, aber ich sage auch nicht, dass wir es nicht tun sollten. Meiko Ban, die Designerin der heiß diskutierten Thibaut-Jeans, fühlt sich dagegen nicht dazu veranlasst, sie großartig zu analysieren. Als wir sie nach der Idee zur Jeans gefragt haben, antwortete sie einfach nur "Als ich angefangen habe, die Hose zu zerschneiden, konnte ich nicht aufhören."

Thong Jeans sind ein tolles Sinnbild der weiblichen Sexualität – zu viel davon und wir fühlen uns unwohl, übertreibt man es und macht ein klassisches Kleidungsstück zu offenherzig, ist es, wie im Fall der Thong Jeans: eine brillante Parodie. Und wenn Maximalismus in ist, dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um solche Teile zu tragen.

Zeigt also ein bisschen zu viel Haut, lasst die sexy Tangas aus euren Hüftjeans herausblitzen und kauft euch einen passenden pinken Cowboy-Hut.