Images courtesy of A. Roege Hove, Ganni and (di)vision 

Die sieben besten Kollektionen der Copenhagen Fashion Week SS22

Von Ganni, Saks Potts bis hin zu (di)vision und P.L.N., hier lest ihr alles, was ihr über die Modewoche wissen müsst.

von Mahoro Seward
|
24 August 2021, 4:50pm

Images courtesy of A. Roege Hove, Ganni and (di)vision 

Nachdem die Copenhagen Fashion Week aufgrund der Pandemie in den vergangenen Saisons digital stattfinden musste, war die Vorfreude besonders groß, endlich wieder vor einem ausgewählten Publikum zeigen zu können. Bereits während der Haute Couture Woche in Paris wurde die Mode in einer Mischung aus intimen Laufsteg Shows und Modefilmen präsentiert. Die CPHFW zeichnet sich seit Jahren durch ihr Umweltbewusstsein aus und hat bereits einen Plan vorgestellt, der die Industrie und Modeschöpfer:innen weltweit zu mehr Nachhaltigkeit aufruft. Alle Marken, die in Kopenhagen ihre Kollektionen präsentieren wollen, müssen ein Mindestmaß der darin aufgestellten Kriterien erfüllen: Für die Herstellung der Kleidung sollen organische oder recycelte Stoffe verwendet werden, unverkaufte Ware muss weiterverwertet werden und auch Verpackungen müssen nachhaltig sein. Um Gäste zwischen den Veranstaltungsorten hin- und herzubewegen, wurden von den Veranstaltern außerdem ausschließlich Elektroautos eingesetzt.

Cecilie Thorsmark, CEO der CPHFW, erklärte in einem Statement: „Ich habe lange im Nachhaltigkeitsbereich gearbeitet und erlebt, dass viel geredet und viel zu wenig gehandelt wird. Wir müssen einen radikalen Plan verfolgen, der allen Beteiligten klare Vorgaben macht, wenn wir wirklich etwas verändern wollen. Deshalb haben wir Standards und Anforderungen formuliert, die alle Teilnehmer:innen der CPHFW erfüllen müssen. Wir haben eine große Verantwortung, aber auch das Potenzial einen langfristigen Wandel in der gesamten Branche herbeizuführen und die Modewoche neu zu definieren.“ 2020 wurde das Nachhaltigkeitskonzept von Thorsmark erstmals vorgestellt, bis 2023 soll es vollständig umgesetzt sein. Um die geforderten Kriterien zu erfüllen (hier könnt ihr die vollständige Liste sehen) muss ein Umdenken in der gesamten Branche entstehen, dass aber auch die Chance ermöglicht, innovative Strategien für eine umweltfreundlichere Modebranche zu etablieren.

Hier stellen wir einige Highlights der CPHFW SS22 und Designer:innen vor, die trotz der strengen Auflagen keine Kompromisse im Bezug auf Qualität und Design gemacht haben.

A model walking the runway at (Di)Vision SS22
Fotografie James Cochrane. Bild mit Genehmigung von (di)vision
A model walking the runway at (Di)Vision SS22
Fotografie James Cochrane. Bild mit Genehmigung von (di)vision
A model walking the runway at (Di)Vision SS22
Fotografie James Cochrane. Bild mit Genehmigung von (di)vision

(di)vision

Zum Auftakt der Modewoche präsentierte (di)vision auf dem Dach eines Parkhauses im Stadtzentrum eine farbenfrohe Kollektion, die von strukturierten Prints, auffälligen Materialien und Patchwork-Details dominiert wurde. Das Designer-Duo Nanna und Simon Wick zeigte körperbetonte Kleider und taillierte Westen, die aus Jersey- und Jeansstoffresten gefertigt wurden. Peter Dupont, Muse von Dior, präsentierte ein floral bedrucktes Workwear-Set, i-D Favourite Mona Tougaard zeigte einen Bomber-Bolero.

A model wearing P.L.N Collection 1
Bild mit Genehmigung von Peter Lundvald Nielsen
A model wearing P.L.N Collection 1
Bild mit Genehmigung von Peter Lundvald Nielsen
A model wearing P.L.N Collection 1
Bild mit Genehmigung von Peter Lundvald Nielsen

P.L.N.

Wir alle wissen, dass einige der spannendsten Moment der Modewoche abseits des offiziellen Programms stattfinden. Das bewies auch das Label P.L.N., ein saisonales Projekt von Peter Lundvald Nielsen, der zuvor für Balenciaga und Ottolinger gearbeitet hat. In einer Galerie im Stadtteil Nørrebro präsentierte er abseits der üblichen Schauen eine Mini-Kollektion, bestehend aus 12 Looks, die trotz der monochromen Farbpalette mit aufwändigen und eleganten Schnitten beeindruckte. Die Designs schaffen es trotz der all-black-everything Ästhetik nicht klischeehaft, sondern sexy und modern zu wirken. Gezeigt wurden bodenlange Mäntel, die an der Taille schmal zusammenliefen, ein versilberter Cordblazer und weit geschnittene Hosen, die aus zerfransten schwarzen und grauen Denim-Flecken neu zusammengeflickt wurden. Ein Highlight der Kollektion waren die übergroßen Taschen, deren Henkel an Peitschen erinnerten und die mit aufwendigen Stickereien des Berliner Künstlers und Balenciaga-Kollaborateurs Tobias Spichtig versehen waren. Die Arbeiten von Spichtig waren ebenfalls auf den Kapuzen-Sweatshirts der Kollektion zu sehen.  

A model walking the runway at Stine Goya SS22.
Fotografie James Cochrane. Bild mit Genehmigung von Stine Goya
A model walking the runway at Stine Goya SS22.
Fotografie James Cochrane. Bild mit Genehmigung von Stine Goya
A model walking the runway at Stine Goya SS22.
Fotografie James Cochrane. Bild mit Genehmigung von Stine Goya

Stine Goya

Stine Goya ist so etwas wie Königin von Kopenhagen und hat seit der Gründung ihres gleichnamigen Labels im Jahr 2006 wie kaum eine andere die Mode Dänemarks geprägt. Ihre Entwürfe sind farbenfroh und romantisch, mit einer dezenten Mädchenhaftigkeit. Diese Saison präsentierte die Designerin endlich wieder eine Show vor Publikum mit dem Titel "How Much Can We Grow". Außerdem zeigte sie einen Film, der von dem in London lebenden Künstler und Dichter Julianknxx produziert wurde. Für ihre Kollektion wollte sich Stine nicht mehr mit Themen wie Isolation beschäftigen, sondern setzte sich stattdessen mit einem der bedeutendsten Beispiele für kreative Zusammenarbeit in der Kulturgeschichte auseinander: Der Bloomsbury-Gruppe. Die Bloomsberries waren eine englische Gruppe von Künstlern, Intellektuellen und Wissenschaftlern, die gemeinsam neue Formen der Kunst und des Lebens jenseits aller Konventionen erprobten. Stine ließ sich vor allem von Charleston inspirieren, einem Landhaus in Sussex, in dem sich die Gruppe oft für Diskussionen traf und übertrug Details des Hauses wie Gebäudesilhouetten, Tapetendetails und Deckenleisten auf Jacquard und Baumwollstoffe. Wie immer zeigte die Designerin aber auch Cocktailkleider, bonbonfarbene Pullover mit Schachbrettmuster, die bereits Anklang bei Kendall Jenner und Hailey Bieber gefunden haben und limonengrüne Abendkleider.

A model walks the runway at Han Kjøbenbavn SS22
Bild mit Genehmigung von Han Kjøbenhavn
A model walks the runway at Han Kjøbenbavn SS22
Bild mit Genehmigung von Han Kjøbenhavn
A model walks the runway at Han Kjøbenbavn SS22
Bild mit Genehmigung von Han Kjøbenhavn

Han Kjøbenhavn

Wer auch immer denkt, dänischer Mode sei nur für Blumenkleider mit Ballonärmeln, weite Hosen und Kaschmir bekannt, der sollte das Label Han Kjøbenhavn kennenlernen. Das Unternehmen, das 2008 als Brillenmarke gegründet wurde, hat sich über die Jahre zu einem anerkannten Modelabel mit komplettem Ready-to-Wear-Sortiment entwickelt. Bekannt ist es für seinen Grunge-Stil und die an Workwear erinnernden Designs. Diese Saison wurden die Workwear-Einflüsse durch einen Hauch von Sexyness und Glamour ersetzt, gezeigt wurden knappe Bralettes, Lycra-Bodysuits und strukturierte Kleider mit tiefen Ausschnitten, die mit silbernen Pailletten besetzt waren.

A model walking the Saks Potts SS22 show
Fotografie James Cochrane. Bild mit Genehmigung von Saks Potts
A model walking the Saks Potts SS22 show
Fotografie James Cochrane. Bild mit Genehmigung von Saks Potts
A model walking the Saks Potts SS22 show
Fotografie James Cochrane. Bild mit Genehmigung von Saks Potts

Saks Potts

Saks Potts ist ein Name, den die Welt instinktiv mit einer neuen Generation von dänischen Designern in Verbindung bringt. Mit ihrer poppigen Mode konnten die beiden Kindergartenfreundinnen Catherine Saks und Barbara Potts bereits Superstars wie Rihanna und Lady Gaga begeistern. Durch ihre bunten Fellmäntel ist Saks Potts innerhalb kürzester Zeit zu einem echten It-Label geworden, mit der aktuellen Kollektion möchten die beiden Designerinnen ihr Label weiterentwickeln: „Wir beide lieben die Mäntel und sind sehr stolz darauf, aber diese Saison war es uns wichtig, vollständige Looks zu zeigen - wir wollten einen kompletten Kleiderschrank kreieren und unseren Kunden alles bieten, was sie brauchen", erklärt Cathrine nach der Show im Garten des Hauses von Arne Jacobsen. "Wir wollten die Saks Potts DNA nehmen und sie zu einer vollständigen Garderobe erweitern.“ Gezeigt wurden geblümte Bolero-Oberteile, orangefarbene Lederminiröcke, gerippte Kleider und Mäntel aus butterweichem Leder und Wolle.

A model walking A. Roege Hove's SS22 show
Bild mit Genehmigung von A. Roege Hove
A model walking A. Roege Hove's SS22 show
Bild mit Genehmigung von A. Roege Hove
A model walking A. Roege Hove's SS22 show
Bild mit Genehmigung von A. Roege Hove

A. Roege Hove 

Diese Saison feierte Amalie Røge Hove das Laufsteg-Debüt ihres gleichnamigen Stricklabels, für dessen Aufbau sie die Unterstützung von Einzelhändlern wie SSENSE und Farfetch erhalten hatte. Die Designerin arbeitet fast ausschließlich mit geripptem Acrylstrick und zeigt wie wunderbar der an den verschiedensten Körperformen aussehen kann. Die Designs von Amalie reichen von Neckholder-Kleidern, über Spaghettiträger-Tops, bis hin zu bürotauglichen Alternativen wie Bleistiftröcken.

A model walking the runway at Ganni SS22
Fotografie Simon Birk Lowres. Mit Genehmigung von Ganni
A model walking the runway at Ganni SS22
Fotografie Simon Birk Lowres. Mit Genehmigung von Ganni
A model walking the runway at Ganni SS22
Fotografie Simon Birk Lowres. Mit Genehmigung von Ganni

Ganni

Es ist quasi unmöglich über die Copenhagen Fashion Week zu sprechen ohne Ganni zu erwähnen. Creative Director Ditte Reffstrup hat in den letzten Jahren jede Saison aufs Neue den Scandi-Stil geprägt, sodass das Label zu einem globalen Botschafter der Mode aus dem hohem Norden geworden ist. Passend zum Kollektionsnamen "Higher Love" begab sich Ganni auf den CopenHill, eine künstliche Skipiste auf dem Dach eines von Bjarke Ingels entworfenen Wolkenkratzers am industriellen Stadtrand. „Die Kleider sind aus dem Wunsch entstanden, eine große, eine höhere Liebe zu finden. Zu sich selbst und zu der Welt Ja zu sagen und mit dem, was man hat, glücklich zu sein“, erklärt Ditte. Zu dieser Kollektion würden wir auch Ja sagen.

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